Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 7
10. Oktober 2000
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         

Verwandlungen eines Anfängerkursus

Jetzt ströpen sie wohl alle in China herum! Sie - das sind die Hamburger Sinostudis, die am Ende des Sommersemesters 2000 ihr Studium bis zur Zwischenprüfung vorangetrieben hatten.

Der Sprachkurs im Grundstudium ist der am stärksten reglementierte Teil eines Studiums der Sinologie. Trotzdem unterliegt er dermaßen starken Veränderungen, daß hierdurch interessante Einblicke in das Studierverhalten möglich werden. Einige von diesen deuten die nachstehenden Bemerkungen an:

Das Studentensekretariat der Uni HH meldete für das Wintersemester 98/99 insgesamt 30 Zulassungen für einen Studienplatz in den Fächern Sinologie I und II. Einer war versehentlich in diese Liste geraten, 7 sind niemals erschienen, ein Nachrücker kam hinzu. Das waren also 23 Anfänger mit dem Hauptfach Sinologie - und zwei weitere, die "es" noch einmal versuchen wollten.

ruth cremeriusIn dem Sprachkurs "Hochchinesisch für Anfänger" von Dr. Ruth Cremerius saßen dann allerdings 48 Personen (m 21, w 27), jedenfalls zu Beginn. Nebenfächler und andere Chinesischinteressenten waren hinzugekommen. In der letzten Semesterwoche waren immerhin 37 geblieben. 8 Hauptfächler und 3 Nebenfächler hatten aufgegeben. Bei den Hauptfächlern sind die Gründe für den Abbruch bekannt: 3 wechselten das Studienfach, 3 widmeten sich wieder ihrem Beruf, da Sinologie nur eine angestrebte Zweitausbildung war, bei den übrigen 2 lagen die Gründe im persönlichen Bereich.

Der Abschlußklausur am Ende des WS 98/99 stellten sich also 37 Teilnehmer. 30 bestanden ohne weiteres und mit zum Teil hervorragenden Ergebnissen. Nicht wenige schafften mehr als 90 % der erreichbaren Punktezahl. Diejenigen, die nicht bestanden, zeigten sich überwiegend ebenso deutlich indisponiert: 15 bis 20 %. Diese hatten jedoch die Möglichkeit, ihre Kenntnisse während der Semesterferien aufzubessern und sich einer Nachholklausur zu widmen.

Nach dem 2. Semester "Gegenwartschinesisch" kamen dann noch 31 Teilnehmer zur Abschlußklausur. Ausgeschieden seit dem Ende des 1. Semesters waren Teilnehmer mit sowohl guten als auch unzulänglichen Studienleistungen. Jetzt bestanden nur 20 die Abschlußklausur im ersten Anlauf, 11 nicht. Dabei fiel auf, daß die einzelnen Teilnehmer während beider Semester konstante Studienleistungen erbrachten, im guten wie im weniger guten Sinne. - 5 Teilnehmer dieser Abschlußklausur hatten nicht an der des 1. Semesters teilgenommen, waren also Wiederholer oder hatten erste Sprachkenntnisse andernorts erworben. Das deutet an, daß die Abbrecherquote vom 1. zum 2. Semester höher war als die Teilnehmerzahlen von 37 und 31 vermuten ließen.

Beim nächsten Schritt in das Weiterstudium vollzog sich dann ein gravierender Einschnitt. Im 3./4. Semester führte Dr. Jinyang Zhu den Sprachkurs fort. Im Übergang vom 2. Semester in diese neue Studienphase gaben 22 Teilnehmer diesen Sprachkurs auf, und vier bisher nicht registrierte Studierende kamen hinzu. Diese vergleichsweise hohe Schwundquote ist allerdings nicht mit Studienabbruch gleichzusetzen, denn möglicherweise hatten Nebenfächler das von ihnen verlangte Sprachpensum erfüllt. Auch bei dieser Schwundquote spielen die Studienleistungen im Sprachunterricht offenbar keine Rolle. Abermals "entschwanden" Studierende mit guten wie mit weniger guten Studienleistungen. Der Zwischenprüfung am Ende des 4. Semesters unterzogen sich dann 23 Personen, 17 Hauptfächler und 6 Nebenfächler. Allein 9 von ihnen erreichten trotz strenger Maßstäbe ein "sehr gut", 8 immerhin ein "gut". Wie bei den Abschlußklausuren der beiden ersten Semester zeigte sich auch hier, daß zwischen sehr gut/gut und ungenügend ein auffälliger Abstand herrschte. Das "Mittelfeld" war klein. Dieser Befund läßt sich wohl nur durch erhebliche Motivationsunterschiede erklären.

Zum Grundstudium gehört auch der zweisemestrige Lehrgang "Klassisches Chinesisch", den diesmal Dr. Dorothee Schaab-Hanke leitete. Von der Studienplanung her betrachtet, soll er parallel zu dem 3./4. Semester Gegenwartschinesisch absolviert werden. Zu vermuten wäre also, daß deren Teilnehmer weitgehend identisch seien, doch weit gefehlt! 9 Teilnehmer des Zhu-Kursus nahmen den von Schaab-Hanke nicht wahr, darunter alle verbliebenen Nebenfächler. Obwohl diese zum Teil vorzügliche Leistungen im Gegenwartschinesischen aufwiesen, reichte ihr Chinainteresse also nicht so weit, daß sie auch das "Klassische" hätten lernen wollen, obwohl dieses allein den Zugang zur chinesischen kulturellen Tradition erlaubt. Stattdessen nahmen 8 Teilnehmer (darunter 2 Externe), die nicht auch das "Gegenwartschinesisch" besuchten, den "Klassisch"-Unterricht auf. Offenbar hatten sie diesen Parallelkurs bereits in einer früheren Studienphase bewältigt und holten das "Klassisch" erst jetzt nach. Ansonsten entsprachen die im "Klassisch" erzielten Ergebnisse bei den einzelnen Teilnehmern weitgehend denen im gegenwartssprachlichen Unterricht.

Obwohl also die Sprachlehrveranstaltungen im Grundstudium den am stärksten reglementierten Teil eines Studiums der Sinologie bilden, nimmt ein erheblicher Teil der Studierenden die durch die Studienpläne vorgegebenen Abläufe nicht wahr. Vielmehr gestaltet dieser Teil sein Studium in selbstbestimmter Weise und nach anderen Gesichtspunkten. Dieser Eindruck würde sich wahrscheinlich noch erheblich verstärken, wenn die ebenfalls für das Grundstudium vorgesehenen Proseminare zu Sachthemen in die Betrachtung einbezogen würden.

 
 

Chinesische Gedichte

Auch durch endlich einmal schönes Sommerwetter hatten sich ungefähr vierzig Interessierte nicht abhalten lassen, am 31. August, 19 Uhr, einer Einladung der HSG zu folgen. Ursula König und Liu Dongdong, Studentinnen des ChinaS, trugen frühe chinesische Gedichte aus dem Shih-ching, "Buch der Lieder", und dem Ch'u-tz'u,, "Gesänge aus dem Süden", vor. Beide waren als Rezitatorinnen weder ausgebildet noch in derlei Auftritten geübt, doch sie meisterten den Vortrag der oft schwierigen Texte gekonnt. Das Publikum spendete ihnen jedenfalls kräftigen Beifall. - stu. hatte die Texte zusammengestellt und zeigte einige Bilder zur Darstellung der zeitgenössischen Hintergründe für die Dichtungen. Hinterher kam sogar der Wunsch nach einer Fortsetzung solcher Lesung auf.

 

Dr. phil. Gewerkschaften

Gegen 12 Uhr am 3. August konnte Zhengyu Guan (*1961) aus Peking die Glückwünsche des Prüfungsausschusses entgegennehmen, nachdem sie ihre Doktorarbeit in kenntnisreicher Weise verteidigt hatte. Sie hatte 1988 ein Studium der politischen Wissenschaften an der Pekinger Pädagogischen Universität mit dem Magisterexamen abgeschlossen, war aber schon seit 1984 Assistentin an der Hochschule für die Arbeiterbewegung . Nach dem Examen wurde sie dort zur Dozentin befördert. 1994 kam sie nach Hamburg, lernte Deutsch und besuchte Seminare in Politikwissenschaft und Sinologie. Naheliegenderweise wählte sie "Die Reform der chinesischen Gewerkschaft in der 80er und 90er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts" zum Thema ihrer Doktorarbeit, in der sie unter anderem die Unzulänglichkeiten der bisherigen Gewerkschaftsreformen in der VR China dokumentierte.

 
 
 

Magistra für Arbeitsrecht

Seit Aufnahme ihres Sinologiestudiums im Jahre 1992 hatte Ines Siebenberg fleißig "gejobbt" und sich zusätzlich sportlich und in mehreren Vereinen engagiert. Wegen ihrer schon bald vorzüglichen Chinesischkenntnisse kamen Arbeiten als Dolmetscherin und Praktika in China hinzu. Am Freitag, dem 25. August, hatte sie dann auch ihre letzte MA-Prüfung absolviert. Thema der Arbeit war, durch die Praxis in China angeregt: "Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen für Unternehmen mit Auslandskapital in China". Im Grunde fühlt sie sich in China am wohlsten, um aber ihre Karriereaussichten zu fördern, will sie noch ein Zweitstudium der Informatik anschließen.

 

Abschied vom ChinaS

weng-onn loke

Nach der Umwandlung des bisherigen Fachbereichs Orientalistik in ein "Asien-Afrika-Institut" hält das bisherige Seminar für Sprache und Kultur Chinas, das jetzt die "Abteilung für Sprache und Kultur Chinas" dieses Instituts bildet, einen Rückblick und Ausblick. In einer Veranstaltung am Donnerstag, dem 26. Oktober, 19 Uhr im Hörsaal A des Philosophenturms spricht Professor Michael Friedrich zur Einführung über die Zielsetzungen des neuen Instituts; stu. berichtet - mit vielen Bildern - über die 90jährige Geschichte des ChinaS, und abschließend verabschiedet Professor Bernd Eberstein Frau Helga Schäfer und Herrn Weng Onn Loke in den Ruhestand, in den sie zum Jahresende treten werden.

Für den Nachmittag dieses Tages haben Studierende des 3. Semesters einen "China-Boulevard" mit einem unterhaltsamen Programm aus dem Seminaralltag organisiert. Dieses findet ab 14 Uhr unter der "Sino-Palme" im 7. Stock des Philosophenturms statt.

Für Freitag, den 27. Oktober, bereiten Studierende der Vietnamistik eine größere Veranstaltung zum Thema "Vietnam und Hamburg" vor. Anlaß hierfür ist die bevorstehende Neubesetzung der Professur für Vietnamistik. Diese Veranstaltung beginnt um 16 Uhr im Hörsaal C des Philturms. In mehreren Kurzvorträgen und einer Podiumsdiskussion werden Vietnamexperten Einblicke in dieses schöne Land geben, aus dem aufgrund beklagenswerter politischer Umstände zahlreiche Menschen nach Hamburg kamen.

 
 
[China - Hamburg]   [ChinaS]   [Schreibtisch-Notizen]   [Chinatexte]
Seitenanfang Hauptseite Suche & Archiv Impressum