Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 7
10. Oktober 2000
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Drei 10jährige

 

In den Monaten August und September 2000 feierten drei hiesige Unternehmungen mit mehr oder minder starken Chinabezügen ihr jeweils zehnjähriges Bestehen. Anlässe genug für eine Notiz:

drachenfestAm Wochenende des 26./27. August fand das erste dieser Ereignisse statt - das 10. deutsch-chinesische Drachenfest am Südufer des Öjendorfer Sees. Es wurde von der "Drachengruppe Hamburg" sowie der "Bambusrunde" veranstaltet, "Aktive" aus anderen Bundesländern waren zu diesem Anlaß mit ihren Kreationen nach Hamburg geeilt.

Aus dem herbstlichen Kinderspiel auf Stoppelfeldern, für welches aus zwei Latten, Packpapier, Bindfaden und Mehlkleister ein solches Fluginstrument entstand, wurde längst eine Art Volkssport, der auch in diesem Jahr Tausende von Zuschauern begeisterte. Natürlich sind das heute Kunstdrachen geworden, sogar von namhaften Künstlern gestaltete. Ein eigenes Museum sammelt die herausragendsten Stücke.

Wer hätte bei dem ersten Hamburger Drachenfest vor 10 Jahren geahnt, daß diesem Freizeitspaß eine solche Entwicklung bevorstehe, dem mittlerweile an jeder Windecke in Deutschland nachgegangen wird. Auch das erste hiesige Drachenfest fand schon am Öjendorfer See statt, doch später im Jahr: am 28. Oktober 1990. Damals schrieb ich für das Programmheft eine kurze Notiz:

Über den Flugdrachen in China

"Was ist das für ein Laut,
der sich dem Himmel verbindet?
Die Jaspisflöte singt ihn,
die am vollen Monde hängt."

Der Flugdrachen hat in China viele Namen. Jaspisflöte ist nur ein besonders poetischer; Windflöte, Papierhabicht, Windhabicht sind andere Namen, und die Dichter besangen ihn immer wieder:

"Dem frischen Wind mag er sich anvertrauen,
und schließlich fliegt er mit den weißen Wolken fort."

Die Anfänge des Flugdrachens in China sind allerdings weit weniger poetisch. Sie liegen auch nicht, wie angeblich vieles in China, 5000 Jahre zurück, sondern bloß 2200. Damals wurde ein "Papierhabicht" als militärisches Signalinstrument eingesetzt. Auf ähnliche Weise diente das Gerät auch weitere Jahrhunderte lang militärischen Zwecken. - Vielleicht ist er aber doch noch älter. Schon im 5. Jahrhundert v. Chr. baute nämlich ein Ingenieur aus Holz und Bambus einen Vogel, der drei Tage lang in den Lüften blieb. War auch der schon ein Flugdrachen?

Erst im 10. Jahrhundert kam ein vergnügungssüchtiger Lokalherrscher auf die Idee, das militärische Gerät für seine Lustbarkeiten zu nutzen. Bald entstanden an seinem Hofe aus Papier, Seide und Bambus alle erdenklichen Gestalten: Flamingos, Wildgänse, Tausendfüßler, "Fliegende Tiger". Alle wurden aufs feinste bemalt und in kunstreichen Bewegungen über den Himmel geführt. Mit Saiten und kleinen Gongs versehen, erklang aus ihnen eine Himmelsmusik, daß "die Knaben die Münder aufrissen und ihnen von ferne zusahen". Bald waren die Drachenspiele so populär, daß sie verboten wurden.

Der Aufstieg des Flugdrachens zum Volksvergnügen war trotzdem unaufhaltsam. Er verband sich mit dem Fest der Doppelten Neun, das am 9. Tag des 9. Monats nach dem Mondkalender gefeiert wurde, auch mit anderen Herbstfesten. Am Tag der Doppelten Neun stiegen die Menschen zu Picknick und anderen Lustbarkeiten auf nahegelegene Anhöhen. Da lag es nahe, bunte Drachenbilder an den herbstlich klaren Himmel zu zaubern. Natürlich kehrte hierbei das Spiel zum alten Kampf zurück: Geschickte Drachenführer versuchten, mit ihren Schnüren die Schnüre der Konkurrenten zu durchtrennen, damit deren Drachen in den Himmel entschwänden.

Solcher Volkstümlichkeit erfreuen sich bis heute in manchen Gegenden Chinas die Flugdrachen. In Heimarbeit und kleinen Werkstätten werden sie zu Zehntausenden gefertigt, und zwar mit einem großen Aufwand an konkurrierender Phantasie. Wenn diese Wundergebilde dann bei den Drachenwettkämpfen aufsteigen, bleibt am Himmel kaum ein Meter frei - als wollten die Menschen selbst sich mit ihren Gebilden in den Himmel erheben. Wie seufzte doch einst der Dichter Hsü Wei:

"Auch ich habe einst im Spiel
die Drachen steigen lassen."

Erst die Beschwerlichkeiten des Alters hielten ihn von solcher Tollerei ab.

						
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Das zweite 10jährige war von würdevollerer und wohl auch gewichtigerer Art. Am 14. September 1990 war die "Vereinigung der Juristen aus der Bundesrepublik Deutschland und der Republik China (Taiwan)" mit Sitz in Hamburg gegründet worden. Vorausgegangen war im Jahre 1988 der Besuch einer deutschen Juristendelegation auf Taiwan, dem weitere Begegnungen folgten, bis am 27. April 1989 eine erste Vereinbarung zustandekam: ein Partnerschaftsvertrag zwischen dem Landgericht Hamburg und dem Landgericht Taipei.

Ziele der Vereinigung sind die wechselseitige Vermittlung von Kenntnissen über die Rechtsordnung der jeweils anderen Seite, die Herstellung von Kontakten zwischen Juristen beider Länder auf allen Ebenen und Beiträge zur Lösung rechtlicher Probleme, die angesichts der zunehmenden Kontakte zwischen beiden Länderen aufbrechen könnten. Diesen Zielen dienten bisher unter anderem mehrere Symposien und wechselseitige Arbeitsbesuche zur Erörterung rechtlicher Probleme, oft sehr spezieller. Hierdurch leistete die Vereinigung wichtige Beiträge zum Ausbau eines Rechtsstaates in der Republik China.

Auch das 10jährige Jubiläum, das am 18./19. September begangen wurde, war deshalb nicht nur Anlaß für Feierlichkeiten, sondern auch für fachliche Beratungen. Trotzdem gab es natürlich einen Festakt, zu dem Präsident Dr. Roland Makowka im würdigen Rahmen der Handelskammer illustre Persönlichkeiten begrüßen konnte, darunter die Justizsenatorin, mehrere Gerichtspräsidenten und den Generaldirektor der hiesigen Taipei-Vertretung.

Zur Verwunderung mancher ließen bei dieser Gelegenheit die Juristen auch einmal einen Nicht-Juristen zu Wort kommen. Nach mehreren eindrucksvollen Grußworten und einem Vortrag des taiwanesichen Professors Tong-schung Tai über chinesisches Familienrecht hielt stu. einen Festvortrag über "Die Rolle des Rechts auf Taiwan: ein historischer Abriß".


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drachenbootfest

Das waren farbenprächtige Bilder, die sich den Spaziergängern am Sonnabend, dem 23. September, auf der Binnenalster boten. Sie konnten es durchaus mit denen von alten chinesischen Drachenbootfesten aufnehmen! - Der Deutsche Drachenbootverband feierte das dritte 10jährige, von dem hier zu berichten ist. Die Festlichkeiten begannen um 10 Uhr 30 mit einem Senatsempfang im Ratsweinkeller. Kurz nach 12 Uhr führte dann eine Drachentanzgruppe die Festgäste zuum Alsterfleet, wo mehr als ein Dutzend Drachenboot-Teams aus ganz Deutschland eine Alster-Rallye begannen. Das Dröhnen ihrer Trommeln war noch den ganzen Tag zu vernehmen. - Die Geschichte des Drachenbootverbandes ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Einige Daten:

  1989   1. Drachenboot-Festival in Deutschland zum 800. Hafengeburtstag in HH
  1990   Gründung des Deutschen Drachenbootverbandes e.V.
  1991   1. Deutsche Drachenboot-Meisterschaften in Dresden
  1994   Entwicklung des Europäischen Standard-Drachenbootes in Schwerin
  1995   Teilnahme einer deutschen Nationalmannschaft an den 1. World Championships in Yue Yang
  1999   Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt bei den 3. World Championships in Nottingham 9 von 15 Goldmedaillen und wird erfolgreichstes Team.

Einen vergleichbaren Aufschwung haben in Deutschland wohl nur wenige Fun-Sportarten erlebt. Die Idee zum "Import" dieses gemeinschaftstiftenden Vergnügens, das allerdings hartes Training verlangt, wurde naturgemäß in Hamburg geboren.

 

Romantische Finanzmetropole

Am 18. September hielt der bekannte Hamburger Sinologe und Reiseschriftsteller Dr. Hans-Wilm Schütte für die Hamburger China-Gesellschaft im Hamburg-Haus, Eimsbüttel, einen Vortrag über "Pingyao - historisches Finanzzentrum und Reiseziel". Pingyao gilt als das "chinesische Rothenburg".

Interkulturelle Begegnung Deutschland-China

Zu diesem Thema plante die Hamburger China-Gesellschaft für den 22./23. September ein Wochenendseminar für gegenwärtige und künftige Kontaktträger aus allen Bereichen. Als "Trainer-Team" waren die Sinologie-Magistra Kerstin Tschökke und Dr. Yubo Wang, langjährig bewährter Dozent des Chinesischen und Dolmetscher, vorgesehen.

Transportwirtschaft und Bausektor in China

Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft Hamburg lud für den 25. September zum "Zweiten Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsforum" in das Hotel Atlantic ein. Deutsche Interessenten konnten sich über die beiden obengenannten Themenbereiche informieren. Für chinesische waren parallel die Themen "Wirtschaftsstandort Deutschland" und "Finanzierung in Deutschland" vorgesehen.

Subtile Pinselstriche

Bis zum 14. Oktober ist in der Stadtbücherei Norderstedt-Garstedt, Europaallee 36, noch eine Ausstellung von Tuschebildern Thomas Hemsteges, einer in der künstlerischen und literarischen Ostasienszene geschätzten Gestalt, zu betrachten. Hemstege war als Meisterschüler von Kondo Norihiko in Japan ausgebildet worden. Zur Eröffnung der Ausstellung hatte er im Rahmen eines Konzerts eigene Haiku vorgetragen.

Chinaseminare im Kunstgewerbemuseum

Im Oktober/November beginnen Dr. Susanne Schäffler-Gerken und Xiaomin Liu mehrere Seminare zur chinesischen Kunst im Museum für Kunst und Gewerbe:
  • Chinesische Malerei (mit praktischen Übungen", Beginn: 5. Oktober
  • Chinesische Porzellankunst, Beginn: 10. Oktober
  • Chinesische Gartenkunst. Beginn: 4. November
Auskünfte über Tel. 040/42854-4987, Di. bis Fr., 9 bis 13 Uhr

Aufmüpfige Buddhisten

Für die Hamburger China-Gesellschaft referiert Heike Holbig am 16. Oktober, 19 Uhr 30, im Hamburg-Haus, Doormannsweg 12, über die Falungong-Bewegung, die in der VR China verfolgt wird. Sie fand auch schon in Hamburg Anhänger.

Chinesische Himmelstiere

Unter dem Titel "Drachenkralle und Rattenschwanz" zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe vom 20. Oktober bis zum 17. Dezember eine Ausstellung zu Tiervorstellungen in Ostasien. Die Objekte - von Bronzen bis zu Bildern - stammen aus vier Jahrtausenden.
 

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