Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 5
15. Juni 2000
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         

Hamburger China-Gesellschaften

 

China dümpelt während dieser Wochen in Hamburg so vor sich hin - ganz so, wie vor 150 Jahren die alten Chinafrachter im Hafen. Das bedeutet allerdings nicht, daß die hiesige Chinaszene tatenlos wäre. Dem Vernehmen nach werden gleich mehrere größere Projekte für dieses oder das nächste Jahr vorbereitet.

Überdies: Schon heute - diese Folge der "Notizen" wird am 9. Juni abgeschlossen - kommt eine Abordnung des Auswärtigen Ausschusses des Volkskongresses, des chinesischen "Parlaments", nach Hamburg. Partnerschaftlicher Besuch aus Shanghai steht Anfang Juli bevor, bald danach trifft eine Abordnung aus Hongkong ein, und den Präsidenten der Chinesisch-Deutschen Gesellschaft wird Ende Juni die Vizepräsidentin der vietnamesischen Nationalversammlung mit ihrem Gefolge beschäftigen.

Spektakulärer geht es am 1./2. Juli zu: Ministerpräsident Zhu Rongji kommt mit einem Anhang von 150 volksrepublikanischen Delegierten nach Hamburg. Das ist nicht sein erster HH-Besuch, und gewiß erhält er wieder ein Diner im Kaisersaal des Rathauses. (Das Bild, HA 28.2.2000, zeigt ihn allerdings im November 1999 bei einer Begegnung mit Honorargeneralkonsul Edgar Nordmann als OAV-Vorsitzendem in Peking.) Bei seinem ersten Besuch glättete der Dolmetscher manche seiner "genauen" Bemerkungen in der Ansprache, wie sich der Zuhörer erinnert. Schon dann wird Hamburg wieder voll von China sein.

 
 

Kaum jemand besitzt einen Überblick darüber, wieviel Ostasien- oder auch nur China-Vereinigungen hier bestehen. Neben den Großinstitutionen wie dem Ostasiatischen Verein (OAV) gibt es -gerade unter den hiesigen Chinesen- mehrere Vereine, die selten an eine weitere Öffentlichkeit treten. Zwischen diesen beiden Bereichen arbeiten vier Vereinigungen, die unter unterschiedlichen Voraussetzungen und mit unterschiedlichen Zielen Begegnungen zwischen Deutschen und Chinesen fördern und vor allem eine breitere Öffentlichkeit über China informieren wollen. Diese seien hier kurz vorgestellt.

 

bambusrundeDie älteste dieser Vereinigungen ist die vor nunmehr dreißig Jahren gegründete "Bambusrunde", genauer: "Taipei-Freundeskreis Bambusrunde", gegründet als "Fernost-Freundeskreis Bambusrunde".

In jenen frühen 1970er Jahren war über die Republik China auf Taiwan in der deutschen Öffentlichkeit kaum etwas bekannt, und diese war auch nicht sonderlich wohlgelitten. Die Gründung der "Bambusrunde" stellte sich zunächst denn auch als PR-Maßnahme dar. Von solchen Anfängen entfernte sie sich jedoch weit, aber eine Ausrichtung auf Taiwan blieb bestehen, gefördert auch durch eine enge Zusammenarbeit mit der in HH residierenden Taiwan-Vertretung, die konsularische Aufgaben erfüllt.

Von der "Bambusrunde" ging 1988 die Einführung des Drachenbootsports in Hamburg und dann in Deutschland aus. Jährliche Veranstaltungshöhepunkte sind das Golfturnier, an dem stets viele chinesische Freunde beteiligt sind, und die regelmäßigen Mittagsvorträge im "Club an der Alster" mit einem anschließenden Mahl. Für diese Vorträge werden jeweils Prominente aus Wirtschaft und Politik als Referenten gewonnen, darunter die Bürgermeister Voscherau und Runde. - In den ersten 20 Jahren nach Gründung der "Bambusrunde" wäre es unmöglich gewesen, einen Hamburger Ersten Bürgermeister oder auch nur einen anderen namhaften SPD-Politiker für eine Taiwan-Veranstaltung zu gewinnen. Die Gegebenheiten haben sich geändert.

Adresse: Mittelweg 144, 20148 Hamburg; Tel. 040/44 77 88, Fax 040/ 44 71 87

 
 

hcg-logoNicht viel jünger als die "Bambusrunde" ist die "Hamburger China-Gesellschaft" (HCG), denn schon 1973 trafen sich Chinainteressierte und Sinologiestudenten, um die Gründung eines Hamburger Ortsvereins der "Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft" (GDCF) vorzubereiten, ab 1974 in regelmäßigen Treffen, doch die förmliche Gründung durch die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte erst im Jahre 1979.

In ihren Anfängen war diese Vereinigung auf die VR China ausgerichtet und zu Teilen sogar maoistisch bewegt. Der Schock für die bundesdeutsche GDCF kam durch das Juni-Massaker von 1989, er führte zu einer Auflösung des Bundesverbandes. 1992 gab sich der Hamburger Ortsverein der GDCF eine neue Satzung und einen neuen Namen.

Ein monatlicher Vortrag, meist zu Themen des neueren China, bildet das Rückgrat der Aktivitäten der HCG. Die Organisation von Kursen zur chinesischen Sprache, zur chinesischen Küche, zum Taiji, auch die von Chinareisen ergänzt das Angebot. Das opulente jährliche Festmahl anläßlich des chinesischen Neujahrsfestes erscheint als die beliebteste Veranstaltung. Die Vereinsmitglieder bilden eine bunte Mischung, von Chinaveteranen angefangen:

Adresse: Ausschläger Weg 68, 20537 Hamburg; Tel./Fax 040/ 250 84 15

 
 

cdg-logoFraglos die reichste dieser vier China-Vereinigungen ist die 1995 gegründete "Chinesisch-Deutsche Gesellschaft", der mit den zweiten Hamburger "China-Wochen" im gleichen Jahr sofort nach der Gründung ein Großereignis gelang.

Gründer und bis heute Präsident dieser Vereinigung ist RA Hans-Bernd Giesler, jetzt auch Honorargeneralkonsul für Vietnam, der ehemalige Geschäftsführer des OAV. Dieser Hintergrund bestimmt auch weitgehend die Mitgliedschaft: Keine andere der vier Vereinigungen dürfte so viele korporative Mitglieder aufweisen! Die Themen der Veranstaltungen sind auf einen Interessentenkreis aus der HH-Chinawirtschaft ausgerichtet, in insgesamt spannender Mischung. - Ein jährliches "Pekingenten-Essen" konnte nicht institutionalisiert werden, da die hiesigen China-Restarants nicht den gewünschten festlichen Rahmen boten oder aber nicht eine gleichbleibende Qualität des Essens gewährleisteten.

Adresse: Baumwall 7, 20459 Hamburg; Tel. 040/ 36 97 96 61, Fax 040/36 20 88

 
 

hsg-logoJüngstes Glied -und zwar in doppeltem Sinne- in der Reihe dieser vier HH- Chinavereinigungen ist die "Hamburger Sinologische Gesellschaft (HSG)", die dem Seminar für Sprache und Kultur Chinas der Universität Hamburg nahesteht. Zu den Vereinszielen der 1996 gegründeten HSG zählt die Verbreitung von Kenntnissen über das traditionelle und gegenwärtige China, vor allem aber auch das Bestreben, zwischen der Universität und der chinainteressierten HH-Öffentlichkeit eine Brücke zu bilden, ebenso zwischen dem ChinaS und seinen Absolventen und anderen "Ehemaligen". Während die anderen Vereinigungen versuchen, durch "Juniorenkreise" jung zu bleiben, ist die HSG wegen ihrer Mitgliederstruktur von sich aus reich an jungen Vereinsmitgliedern.

Die HSG hat sich einige Veranstaltungsformen geschaffen, die neben der Vermittlung von Chinakenntnissen auch Gelegenheit für Begegnungen persönlicher Art schaffen, stets als "Sekt und Selters" gekennzeichnet. Mindestens einmal im Jahr organisiert sie eine Großveranstaltung zu einem aktuellen Thema, bei der Vertreter der Universität und der HH-Öffentlichkeit aus Wirtschaft und Politik ihre Ansichten austauschen - zuletzt über die mangelnde Darstellung der HH-Chinakompetenzen in den Neuen Medien. Zu diesen Veranstaltungen, die weithin Aufsehen erregten, kommen stets mehr als 200 Interessenten, wie denn überhaupt die HSG-Veranstaltungen unter denen aller China-Vereinigungen wohl regelmäßig das meiste Publikum anziehen.

Adresse: c/o Seminar für Sprache und Kultur Chinas, Von-Melle-Park 6 VII, 20146 Hamburg; Tel. 040/ 428 38 48 78, Fax 040/ 428 38 3106, E-mail post@hsg-ev.de, www.hsg-ev.de

 
 

Dieses Quartett von Hamburger China-Gesellschaften versteht sich nicht als Konkurrenz; Hintergründe und gemeinsame Interessen verbieten das ohnehin. Uneigennützige wechselseitige Zusammenarbeit gehört also zu ihren Verhaltensformen. - Die Mitgliederzahlen der vier Vereine bewegen sich ungefähr jeweils zwischen 150 und 250, die Jahresmitgliedsbeiträge zwischen 50 und 100 Mark, mit Ermäßigungen unterschiedlicher Art.

Vergnügt fügt der HSG-Vorsitzende hinzu, daß seine Gesellschaft mit 50 Mark den geringsten Jahresbeitrag erhebt, andererseits auch die am stärksten anwachsende Zahl von Mitgliedern aufweist.

 

Xiaomin Liu - ein chinesischer Künstler in Hamburg

bfck Im Zusammenhang mit den Hamburger China-Gesellschaften sei schon einmal darauf hingewiesen, daß in diesem Jahr 2000 eigentlich ein Jubiläum hätte gefeiert werden können: Am 11. Januar 1990 wurde in der damals bestehenden Galerie ART EAST ART WEST ein "Bund freier chinesischer Künstler in Hamburg" gegründet (auf der Abb. die Unterschriften der Gründungsmitglieder). Wie Künstlervereinigungen das an sich haben - sie lösen sich bald auf oder vergehen einfach. Trotzdem war in jenen Jahren die Szene dieser chinesischen Künstler in Hamburg sehr rege, und darüber soll später berichtet werden. Gegenwärtig ist sie viel kleiner geworden, und Xiaomin Liu war damals noch gar nicht hier.

 

Xiaomin Liu
lxm1(* 1963) wurde an mehreren Kunstakademien in Tianjin in den Fächern Design und dann Malerei ausgebildet und wirkte dort auch schon als Dozent und freier Künstler. 1991 siedelte er nach Hamburg um, da es ihm in der Heimat unter anderem an Ausstellungsmöglichkeiten fehlte. Von 1992 bis heute folgten dann ungefähr zwanzig Ausstellungen seiner Werke in Hamburg, dazu in Amsterdam, Berlin und wieder in China.
In seinen Werken bringt Liu Elemente der traditionellen chinesischen Malerei und deren künstlerische Techniken mit Sicht- und Verfahrensweisen der modernen westlichen Malerei in ein "Zusammenspiel", das den Betrachter fasziniert. Auch in den Techniken der traditionellen chinesischen Malerei ist er ein Meister - und weiß ein Bambusbild, wie das im Besitz dieses müßigen Flaneurs durch Hamburger Ausstellungen, nach allen Regeln der Kunst mit energischen und zugleich subtilen Pinselstrichen auf das Reispapier zu zaubern.

lxm2Da die chinesischen Künstler in Hamburg und im übrigen norddeutschen Raum mehr Aufmerksamkeit verdienten, werden diese "China-Notizen" öfter auf sie hinweisen.

 
 

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China und die WTO

Zu diesem in letzter Zeit vieldiskutierten Thema sprach Dr. Thomas Sturm, Regional Manager beim Ostasiatischen Verein. Chinas Generalkonsul Chen Jianfu sollte bei der Veranstaltung zugegen sein und im Anschluß an den Vortrag für Fragen zur Verfügung stehen.
Ort: Vereins- und Westbank, Zeit: Montag, 29. Mai 2000, 18 Uhr. Veranstalter war die Chinesisch-Deutsche Gesellschaft Hamburg.

Im Mai-Heft der "Mitteilungen" der Handelsförderungssstelle der deutschen Botschaft in Peking ging es bei der diesmaligen "Managerumfrage" (mit 90 Antworten) ebenfalls um Chinas WTO-Beitritt. Auf die Frage, ob die harte Haltung der EU gegenüber China bei den WTO-Verhandlungen richtig sei und ob das auch für kleinere und mittlere Unternehmen gelte, antworteten jeweils über 80% mit "Ja". Ungefähr 90% waren sogar der Auffassung, die zwischen den USA und der VR China getroffenen Vereinbarungen reichten nicht aus.

Massenkultur und KPCh

"Masse" - als Bezeichnung für das von ihnen beherrschte Volk - war ein zentraler Begriff aller kommunistischen Ideologen. Mittlerweile hat sich diese Masse auch in China jenseits der Ideologie ihre eigenen Werte und Verhaltensformen geschaffen. - Über "Masse und Massenkultur" referiert der seit zehn Jahren in Deutschland lebende chinesische Journalist Shih Ming für die Hamburger China-Gesellschaft: Montag, 19. Juni, 19 Uhr 30, Hamburg-Haus Eimsbüttel, Doormannsweg.

Ein paar Stunden ins Reich der Mitte?

Am 20. Juni lädt GeBeCo, der bekannte Veranstalter von Asienreisen, ab 19 Uhr (Einlaß ab 18 Uhr) ins CCH, Saal 6, zu einem "großen China-Event". Eine Dia-Show, Folkloretänzer, Kalligraphen und Scherenschnippeler, dazu chinesische Handwerker und "Vertreter aus 11 chinesischen Provinzen" sind zu besichtigen. Das "Event" währt ungefähr 21/2 Stunden, Eintritt wird offenbar nicht erhoben.

 
 
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