Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 42
1. März 2006
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
 

 Bildtafeln zeigen Studenten-Arbeiten

Eine der vielen angenehmen Seiten des Asien-Afrika-Instituts ist, daß schon bald nach dem Bezug des Neubaus Bildrahmen und Vitrinen angeschafft wurden, die sich für kleine Ausstellungen vortrefflich eignen. Diese sind vor allem im großzügigen Foyer des Instituts zu betrachten und erfreuen sich erkennbar einiger Aufmerksamkeit. Auch von externen Ausstellern waren dort schon Exponate zu betrachten – meistens in Verbindung mit einer Tagung oder einer vergleichbaren Veranstaltung in den Unterrichtsräumen.

Auf den Fluren des AAI, an welchen die Dienstzimmer der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liegen, auch die Geschäftszimmer, lassen sich klare Konzepte für deren Gestaltung noch nicht kennen. Jede Abteilung hat dort mal mehr, mal weniger Bilder ausgehängt, doch ohne die Möglichkeiten vollständig zu nutzen. Diese Gänge sind ebenfalls licht, dazu großzügig dimensioniert, und angesichts dessen ist beinahe schade, wenn die gleichen Bilder jahrelang zu sehen sind.

Da ließ die ChinA sich wieder einmal etwas einfallen! Ende letzten Jahres hingen dort plötzlich 25 Bildtafeln zur Frühgeschichte der chinesischen Schrift, die nach einem einheitlichen Muster gestaltet waren – alle im a3-Format, in entsprechend größeren Bildrahmen und mit einer schwarzen Unterlage, welche die Tafeln kontrastreich hervortreten ließ.

Provinzen Chinas

Jetzt wurden diese Tafeln ausgewechselt. "Die Provinzen Chinas I" kündigt das Anfangsblatt dieser neuen Folge an. Das ist sinologisches Elementarwissen, anschaulich gemacht – und deutet auch das Konzept dieser ChinA-Ausstellungen an: Sie sollen unmittelbar mit dem Studium zusammenhängen und auch öfter wechseln, um kontinuierlich Aufmerksamkeit zu wecken, auch Gästen etwas von der Arbeit in der ChinA zu vermitteln.

Eine Besonderheit dieser Bildtafeln zu den Provinzen Chinas ist, daß sie von den Studierenden in einem Proseminar zu diesem Thema entwickelt wurden. Dieses fand im vergangenen Wintersemester statt, und für die Gestaltung der Tafeln waren strikte Abgabetermine gesetzt – natürlich auch mit einem kleinen Leistungsanreiz. Da waren Ideen gefragt, und auch mancherlei technische Schwierigkeiten waren zu überwinden. Die Ergebnisse sind in den meisten Fällen jedoch ansehnlich und gelungen: Exponate für eine nächste Ausstellung zu diesem Thema.

Diese neue Form der Ausstellung in der ChinA weckte auch schon Interesse von außerhalb. Eine chinesische Fotografin und eine chinesische Künstlerin möchten für einige Wochen hier ihre Arbeiten einem weiteren Publikum bekanntmachen. Warum nicht, denn in der ChinA erreichen sie bestimmt ein größeres Publikum als in einer Kunstgalerie in der Stadt? Von den Abenden der Vernissagen abgesehen, verirren sich meistens nur wenige ernsthafte Interessenten in solche Galerien, die für die Förderung zeitgenössischer Kunst überaus verdienstvoll sind. Solche Interessen müssen erst geweckt werden – und das tun vielleicht die ChinA-Ausstellungen in der einen oder anderen Weise.
 
 
 

 "Annalen der Hamburger Vietnamistik" sind erschienen

Das Einwerben sogenannter Drittmittelprojekte gilt weithin als ein Qualitätsmerkmal universitären Strebens. Nicht selten werden solche Gebäude "innovativer" Forschung freilich auf schwankenden Böden errichtet und genügen eher Selbstdarstellungshoffnungen denn den Notwendigkeiten der internationalen Gemeinschaft der Wissenschaftler. Nicht selten auch versickern dabei beträchtliche öffentliche Mittel in den schwankenden Untergründen.

Für die Kontinuität des Forschens und Publizierens sorgen ganz andere Dinge: Zeitschriften und Reihen von Veröffentlichungen in Buchform. In den letzten Jahren kamen auch elektronische Formen wissenschaftlicher Veröffentlichungen hinzu, haben aber noch längst nicht die konventionellen Formen auf Papier überflüssig gemacht. In ihnen blüht, auch dank kurzer Vorlaufzeiten für eine Veröffentlichung, wissenschaftliche Erkenntnis.

Am Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg wurden vor einigen Jahren – wie damals eine Zählung ergab – siebzehn solcher Zeitschriften und Schriftreihen herausgegeben. Zum Teil erscheinen sie seit Jahrzehnten und umfassen dutzende oder gar mehr als hundert Bände. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland und in Europa nicht ein einziges Universitätsinstitut, das eine vergleichbare Fülle von kontinuierlich erscheinenden Publikationen aufweisen könnte, und seit dieser letzten Zählung sind noch einige hinzugekommen. Das Engagement, das hinter diesen Unternehmen steht und stets unhonoriert erfolgt, läßt sich kaum darstellen.

"Annalen der Hamburger Vietnamistik" Jetzt hat eines der kleinsten Fächer im AAI, die Vietnamistik unter ihrem Professor Thomas Engelbert, das erste Heft einer weiteren Zeitschrift vorgelegt: knapp 190 Seiten, angenehmes Layout. Inhaltlich findet sich alles, was zu einer wissenschaftlichen Zeitschrift gehört, in diesem Heft: Beiträge zur Forschung, zur Geschichte des Faches, Buchbesprechungen usw. Bemerkenswert sind hier auch einige Übersetzungen aus der vietnamesischen Literatur, mit beigefügtem Originaltext.

In seinem Geleitwort stellt Professor Dr. Michael Friedrich kurz die Geschichte der Hamburger Vietnamistik dar. Dabei muß er allerdings auch konstatieren: "Das Hamburger Asien-Afrika-Institut ist, wie angesichts des Geredes von Internationalisierung und Globalisierung nur mit Kopfschütteln festzustellen ist, die letzte Instanz in Deutschland für akademische, durch eine Professur vertretene Lehre über Sprache und Kultur Vietnams, das immerhin drei Millionen mehr Einwohner als Deutschland hat, Mitglied der ASEAN ist und schon jetzt eine Rolle als regionale Mittelmacht spielt."

Solches Kopfschütteln macht sich auch der Berichterstatter zu eigen, der darüber hinaus auch registriert, wie wenig sorgsam und noch weniger zukunftsorientiert deutsche Universitäten und Hochschulministerien mit den hiesigen Kapazitäten für die Ausbildung von Asien-Kompetenz umgehen.

In Heft 1 dieser "Annalen" findet sich kein Hinweis auf eine Förderung durch öffentliche Mittel. Die "Hamburger Gesellschaft für Vietnamistik" erscheint jedoch als Mitherausgeber. Allem Anschein nach wird diese Zeitschrift also durch private Mittel finanziert. Auch aus diesem Grunde dürfte diese junge Zeitschrift bald verdienstvoller sein als manches voluminöse Drittmittelprojekt.
 
 
 

 Ein kleines Projekt wird allmählich größer

Vor einem Jahr hatte sich der Berichterstatter vorgesetzt, eine kleine Dokumentation zur Geschichte der ChinA und ihres Vorgängers, des ChinS, zusammenzustellen. Viel war da zu sichten: alte Dokumente, Bilder, Zeitungsausschnitte. Bald stellte sich heraus, daß diese Unterlagen weit umfangreicher sind als angenommen. Ein wenig Ordnung mußte in diesen Wust gebracht werden.

Dokumentation zur Geschichte der ChinA

Auf Dokumentationsblättern im a4-Format war eine ungefähre Vorordnung herzustellen – wie auf der Abbildung zu sehen: ein Bild, ein Exzerpt, ein kurzer erklärender Text, und so ähnlich Blatt für Blatt. Inzwischen liegen genau 840 solcher Blätter vor, obwohl zahlreiche Dokumente dafür schon verkleinert wurden – und ein Ende dieser Vorarbeiten ist noch nicht abzusehen. Bisher wurden nämlich die Absolventen von ChinS und ChinA nur ansatzweise dokumentiert, und jeder/jedem von ihnen soll wenigsten ein Blatt dieser Dokumentation gelten. Auch die wissenschaftlichen Arbeiten und ähnliches der Mitarbeiter bedürfen noch sorgfältigerer Berücksichtigung.

Ein spannendes Unternehmen ist das, nicht nur für den Berichterstatter, und erste Einblicke in diese Dokumentation wird wohl eine AAI-Ausstellung im September 2006 vermitteln.
 
 
 

 Nachrichten von Ehemaligen erfreuen immer

Manchen seiner ehemaligen Studentinnen und Studenten begegnet ein Professor häufig, andere sieht er gelegentlich wieder, manche nie. Manche treten nach langen Jahren des Nichtsehens unerwartet in die Tür seines Dienstzimmers, meistens in einem nicht recht geeigneten Augenblick, so zwei in der letzten Woche, aber eine Freude ist das dennoch.

Manchmal erreichen ihn auch aus der Ferne, denn viele Sinologen hat es in fernere Welten verschlagen, Karten, gar Briefe oder andere Zusendungen, die etwas von den Lebensläufen ahnen lassen. Da Sinologen nicht selten über Zusatzbegabungen jenseits der Wissenschaft verfügen, geben sie ihren Mitteilungen manchmal auch eine besondere Form – so N.P., der einen Kurzabriß seines Lebens in Versen schickte, ein munteres Bild dazu. Vergangener Lehrveranstaltungen eingedenk, war er in die Haut eines altchinesischen Dichters geschlüpft, der – untere anderem – reimte:
Doch hat des Lebens krumme Bahn
– und auch der Zeiten stumpfer Zahn –
dem Dichter seinen Weg gewiesen.
Der führte eben nicht an diesen
Ort allerhöchster Wissenschaft;
Es fehlte wohl an Lust und Kraft.

So floh der Dichter in den Süden.
Dort lebt er nun – zumeist – in Frieden.
Und sitzt er mal am lauen Abend,
Am Roten sich vorzüglich labend,
gedenkt er gern und vollgetankt,
des Lehrers, dem er viel verdankt,
ein ganz bemerkenswerter Mann,
der gute, olle Situ Han.
Das mit dem Lehrer-Gedenken ist so eine Sache, und das "vollgetankt" ist vollends eine literarische Fiktion. N.P. hat "im Süden" eine ganze Reihe schöner Kinderbücher gestaltet, in denen natürlich auch China vorkommt, und einiges mehr an geistreichen kleinen Werken. Darüber vielleicht später einmal.

© Norbert Pautner

 
 
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