Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 41
13. November 2005
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
 

 Nach Hamburg zurückgekehrt

Von einem Ausflug nach Fernost zurückgekehrt, findet der Berichterstatter auf seinem Schreibtisch eine ganze Reihe Einladungen und weitere Texte, die von Hamburgs Chinakontakten künden, vor. Einige verlockten ihn zu genauerem Hinsehen. Am interessantesten, weil am weitesten in die Zukunft weisend, war eine Senats-Pressemitteilung vom 11. Oktober über dessen Projekt "CHINA TIME 2006". Zwar hatte sich der Stand der Dinge gegenüber der ersten diesbezüglichen Berichterstattung nicht wesentlich verändert, doch manche Einzelheit wurde jetzt einer breiteren Öffentlichkeit anvertraut, und so soll sie denn auch von HCN nicht verschwiegen werden.
 
 
 

 Chinabilder aus Schweiz

Ein kulturelles Highlight, verheißt die Senatspressestelle für September 2006, "bildet die Ausstellung 'Mahjong' in der Galerie der Gegenwart. (…) Die Werke stammen aus der Sammlung Sigg, der weltweit wohl bedeutendsten Privatsammlung moderner chinesischer Kunst." – Diese Sammlung wurde gerade jetzt in Bern ausgestellt und hat ein beträchtliches Medieninteresse geweckt, sogar zu aufgeregten Erörterungen über das eine oder andere Objekt, bis hin zu Strafanzeigen. – Vergleichbare Aufmerksamkeit wird die Hamburger Wiederholung nicht wecken, aber das hat unbestreitbare Vorzüge. Der Betrachter der Exponate kann sich – unbehelligt von möglichen publizierten Aufgeregtheiten – still und müßig der Betrachtung der Kunstwerke widmen. Einige erinnern überdies stark an solche, die bereits in Hamburg zu sehen waren. Da kommt als weiteres Positivum die Wiedersehensfreude hinzu.
 
 
 

 China auf Bus

Natürlich braucht CHINA TIME 2006 ein Logo. Ein 23jähriger Chinese, Zhang Yiqing von der Design Factory, entwarf es. Die Senatspressestelle dokumentiert: "Sichtbar ist die neue Veranstaltungsreihe (!) ab sofort im Straßenbild: Ein (!) Bus der Hamburger Hochbahn, aufwendig ausgestattet mit dem Logo und chinesischen Motiven, fährt CHINA TIME ein Jahr lang entgegen." – Die beiden Ausrufezeichen in diesem Zitat stammen vom Berichterstatter. Ein ganzer Bus wirbt also schon einmal für dieses geplante Großereignis. Er verkehrt auf der Metro Linie 5, die nach Burgwedel (!) führt, fahrplanmäßig im Fünf-Minuten-Takt. – Wieviele Busse verkehren auf den Linien des städtischen Verkehrsverbundes? – An einem der nächsten schönen Herbsttage wird sich der Berichterstatter vielleicht nach Burgwedel begeben, um diesem einen aufzulauern. Er freut sich schon auf die "chinesischen Motive", denn wahrscheinlich kann er seine Sammlung von Drachenbildern bereichern.
 
 
 

 Taiwan im Interconti

Für den Frühabend des 10. Oktober hatte Generaldirektorin Agnes Hwa-yue Chen von der Taipeh-Vertretung in Hamburg anläßlich des 94. Gründungstages der Republik China auf Taiwan in den großen Festsaal dieses Hotels eingeladen. Der Berichterstatter konnte nicht zu der Jahrestagsfeier der VR China am 30. September gehen, da er noch nicht zurückgekehrt war, doch größer und ansehnlicher war die Gästeschar bei dieser wohl auch nicht: im Interconti gut 300, darunter viele bekannte Gesichter. Indirekt war die VR China auch bei diesem Fest vertreten – nicht nur, weil Generaldirektorin Chen mehrmals auf sie anspielte. Nicht wenige Hamburger Chinafreunde suchen diese Jahrestagsfeier möglicherweise vor allem dann auf, wenn die VR China der RoC auf Taiwan wieder einmal eine militärische Attacke angedroht oder ihr den Weg in internationale Gremien versperrt hatte. Hanseatische Fairneß verfügt über ihre besonderen Ausducksformen.
 
 
 

 Chinakunst bei Goethe

Chinakunst im Goetheinstitut Anita Stapel, Direktorin des Hamburger Goetheinstituts am Hühnerposten, hatte für den Abend des 11. Oktober zu einer Ausstellung eingeladen, die dann noch drei Tage lang in den schönen Räumen ihres Instituts zu betrachten war. Botschafter Ma Canrong war aus Berlin angereist, Generalkonsul Ma Jinsheng von der Elbchaussee, unter anderem sprach Staatsrat Roland Salchow von der Hochschulbehörde, der als wohl einziges Mitglied der Hamburger Regierung chinesische Namen korrekt aussprechen kann; und weitere Staatsräte waren gekommen, auch eine Vizepräsidentin der Bürgerschaft. Das Goetheinstitut stellte Werke des vielseitig gewandten chinesischen Staatskünstlers Wang Shuping aus, der ebenfalls zugegen war. Botschafter Ma berichtete – anscheinend mäßig begeistert – darüber, daß Werke von diesem gerne ausländischen Staatsgästen überreicht würden und einige auch seine Botschafter zierten.
 
 
 

 Schrecken bei Party

Gesellige Veranstaltungen, die – aus unterschiedlichsten Anlässen – mit einem Glas Sekt in der Hand durchstanden werden müssen, fördern selten die Heiterkeit der Betroffenen. Missen möchte sie gleichwohl niemand, denn die Wiedersehensfreude ist jeweils groß, und manchmal fällt gar eine Sottise ab. So erfuhr der Berichterstatter bei einer solchen Gelegenheit am 12. Oktober, daß für CHINA TIME 2006 auch eine Ausstellung mit Werken eben von Wang Shuping vorgesehen werden sollte bzw. vorgesehen werden soll bzw. vorgesehen ist. Als Vertreter der traditionell orientierten chinesischen modernen Malerei soll er dann wohl präsentiert werden. – Nun, vor einigen Jahrzehnten hingen in den Kunstabteilungen von Karstadt auch Abbildungen von röhrenden Hirschen an einem Waldesrand, einem bärtigen Seemann mit Pfeife im Maul und einer Zigeunerin mit einem Kleinkind am üppigen Busen. Auch derlei hätte man als "traditionelle Moderne" etikettieren können.
 
 
 

 Diskussion mit Kailiang Yang

Der KunstCLUB, Heimhuder Str. 57, stellt noch bis Anfang November Werke des 1974 in Jinan geborenen Yang Kailiang. Nach anfänglichen Erfolgen in China studiert er seit 2001 an der Kunsthochschule in Hamburg. So weisen seine ausgestellten Motive überwiegend hanseatische Motive auf. Bei Gelegenheit dieser Ausstellung lud der Club für den 12. Oktober zu einer Diskussion "Position (!) zeitgenössischer Künstler aus China" ein. Die Malprofessoren Cui Xiaodong und Hu Shou Rong, die gegenwärtig ebenfalls an der Kunsthochschule in Hamburg weilen, waren als weitere Disputanten geladen. Britta Manske übersetzte kompetent, und das zahlreiche Publikum zeigte sich aufgeschlossen und interessiert. Man muß solche Formen öffentlicher Erörterung mögen, doch aufschlußreich war schon das "aus" in der Ankündigung, nicht "in". Ein Staatsrat sprach zur Eröffnung der Diskussion und machte sich gleich danach davon – "um die Kontakte mit chinesischen Freunden zu pflegen", beim Fußball-Länderspiel.

Yang Kailiang im KunstCLUB

 
 
 

 Chinageschäft im Kunstgewerbemuseum

Felizitas Peters, die jugendfrische Chefin der Agentur "Hamburger Geschäftsberichte" erklärte einen Tag später, warum das Museum für Kunst und Gewerbe Geschäftsberichte ausstelle und sammle. In ihnen vereinten sich nämlich sinnträchtig die Begriffe im Namen des Hauses: Kommerz und die Kunst der graphischen Präsentation. Sie sprach in ihrer diesjährigen Ausstellung, die chinesische Geschäftsberichte zeigte, vor Mitgliedern der Hamburger Sinologischen Gesellschaft. Sie erzählte von den Schwierigkeiten, sich solche chinesischen Geschäftsberichte erst einmal beschaffen zu können, erwähnte die erstaunlichen Übereinstimmungen mit amerikanisch-europäischen Präsentationen dieser Art, aber auch die kulturspezifischen Unterschiede. Von letzteren dokumentierte auch die Ausstellung überzeugend, mit welch unbefangener Darstellungsfreude chinesische Unternehmen den Weltglobus als Motiv nutzen: Als große Liebesperle in einem Bonbonautomaten erscheint er, als Pupille in einem Auge, zwischen zwei Eßstäbchen und in vielen vergleichbaren Formen. Auch in anderen Hinsichten war das eine aufschlußreiche Ausstellung.

Geschäftsberichte im Museum für Kunst und Gewerbe

 
 
 

 Pleite im Fußball

Radisson, HH mit Ballack Das war das China-Großereignis in Hamburg dieser Tage, würdig einer CHINA TIME, das Länderspiel Deutschland-China. Leider fiel es so trostlos aus, das sich jedes Wort dazu erübrigt. Da kann der Deutsche Fußballbund nur davon träumen, demnächst in China bei einer von ihm herbeigesehnten "chinesischen Woche" einen besseren Eindruck zu hinterlassen. Das "Abendblatt" machte einen solchen bereits, denn es begrüßte die chinesischen Kicker auf Seite 1 in Wort und Schrift chinesisch. Einen weniger guten Eindruck hinterließ ein deutscher Sportartikel-Hersteller. Er dekorierte die Fassade des Radisson-Hotels mit einem Riesenporträt des Edelkickers Ballack, auf 4000 Quadratmetern. Der spielte allerdings gar nicht, und auch sonst war das Bild eine Umweltverschmutzung. Wenn die deutschen Nationalkicker demnächst gegen Frankreich verlieren, dann gibt Nationaltrainer Klinsmann, der neuerdings zu fußballerischer Esoterik neigt, vielleicht entnervt seinen Job auf. Und was dann? Dann holen wir Berti zurück und lassen bei der WM 2006 lieber die deutsche Damen-Nationalmannschaft antreten. Auch unsere künftige Kanzlerin hat die Männerriegen der Politiker schließlich von ihren Plätzen gewischt.
 
 
 

 Autos nach Shanghai

Am 24. September erreichten Auto-Scouts, die Wochen vorher in Moskau aufgebrochen waren, die Megastadt Shanghai. Sie wollten schon einmal testen, was die Teilnehmer einer Oldtimer-Rallye erwartet, deren bisher angemeldete 38 Teams am 26. Mai 2006 vom Hamburger Rathausmarkt aufbrechen wollen – anläßlich der 20jährigen Wiederkehr der Städtepartnerschaft Hamburg-Shanghai. Ganz unkompliziert verlief die Erkundung nicht, doch die 14.500 Euro Teilnehmergebühr erscheinen als sozialverträglich, verglichen mit dem Aufwand, den die Formel 1-Rundfahrer am 16. Oktober nahe Shanghai beanspruchten. Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr hielt sich der Hype in Shanghai jetzt in Grenzen, der 300-Millionen-Rundkurs wird sich vermutlich nie rentieren, aber ganz unkompliziert war auch dieser Rundkurs nicht zu umfahren. Der begabte Crash-Pilot Montoya mit selbstgefühlten weltmeisterlichen Begabungen verhakte sich sogar in einem der Gullydeckel, von denen HCN bereits vor einem Jahr berichtete.
 
 
 

 Herausforderung im Rathaus

Das Wort Herausforderung kann, je nach sprachlichem Umfeld, ganz unterschiedlich klingen: positiv oder negativ. "Die Chinesische Herausforderung" hatte das "ZEIT-Forum" Wirtschaft eine Veranstaltung genannt, die am Abend des 20. Oktober im Großen Festsaal des Rathauses (wohl-, aber nicht ganz gefüllt) stattfand. Altkanzler Helmut Schmidt hielt den "Impulsvortrag" zu diesem Thema. Er hätte mancherlei dazu sagen können, doch er sagte es nicht. Das lag vor allem wohl daran, daß er den gleichen Vortrag vor sechs Wochen in Peking gehalten hatte.
Mancher Satz mag den einen oder anderen Zuhörer etwas irritiert haben – so, wenn dieser doch grunddemokratische Politiker von einst einer "Konfuzianisierung" der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft das Wort redete, natürlich in "modernisierter" Form. Am Ende verlangte er jedenfalls "Respekt" vor China und chinesischer Politik. Er versagte sich den Hinweis darauf, daß dieses "Respekt", chin.: ching, ein Zentralbegriff der konfuzianischen Tradition ist. Auch dessen Bedeutung schillert allerdings, und oft ist "Achtsamkeit" eine bessere Übersetzung. – Aber diesen Alten hört man immer gern.
Erfreulich war, daß in dem zahlreiche Publikum viele junge oder jüngere Menschen zu sehen waren. Weniger erfreulich war das Motiv der Einladung zu dieser Veranstaltung, aus mehreren Gründen: Ein Drache windet sich um den Erdball, ein wilder, mit besitzergreifenden Klauen. Der Drache ist zwar das Symboltier Chinas, doch dort es ist ein segenbringendes Wesen, nicht das feuerspeiende der europäischen Tradition. Und dann: Warum wird das "Chinesische" im Titel der Veranstaltung am Wortanfang groß geschrieben? Ist Chinesische Herausforderung schon ein eingebürgerter Begriff? – Dann hätten die Planer dieser Veranstaltung diese Herausforderung wohl negativ, nämlich als Herausforderung zum Kampf, verstanden, und das wäre kein guter Akzent gewesen.
Vielleicht vermittelte die anschließende Podiumsdiskussion klarere Eindrücke über die Art der gemeinten Herausforderung, aber der Berichterstatter hatte Dringliches auf seinem Schreibtisch liegen. Auf diesem lag auch die an diesem Tag erschienene neueste Ausgabe der "ZEIT", in seinem Zigarettenladen erworben. Er hätte sich doch denken können, daß die hier – jedenfalls beim Ausgang aus der Veranstaltung – bereitliegen würden, und verdrossen sinnt er den nicht ersparten drei Euro nach.
 
 
 

 Mondfest in Berlin

Ein solches gab es in diesem Jahr nicht. – In den vergangenen Jahren hatte die Hamburger Landesvertretung in Berlin dazu eingeladen. Da hätte man eher ein "Hummel-Fest" oder ähnlich folkloristisches Krachledernes erwartet, aber Hamburg möchte - sinnvollerweise – seine ausgezeichnete Chinakompetenz in der Hauptstadt darstellen. Deswegen hatte sie die Räume und Flure der Hamburger Landesvertretung in Berlin auch mit zum Teil hervorragenden Werken chinesischer Gegenwartskünstler ausgestattet. Warum verzichtete der Senat jetzt auf das Mondfest und auf die Fortsetzung einer noch jungen, doch immerhin Tradition, die viel Anklang gefunden hatte? Lahm und verlegen klingen die Erklärungen: der Wahlkampf zunächst, dann die anstehende Regierungsfindung.
 
 
 

 Konkurrenz aus Frankfurt

Nicht ohne Stolz hebt die Freie und Hansestadt hervor, daß gegenwärtig 380 chinesische Firmen in Hamburg ansässig seien. Das hört sich tatsächlich gut an, doch unlängst meldete die IHK Frankfurt, daß in der Main-Stadt schon 200 Firmen aus China angesiedelt seien. Außerdem erschien dort im Oktober die erste Ausgabe eines Journals mit dem Titel "Ni Hao", in 20.000 Exemplaren. Es soll alle drei Monate erscheinen und zweisprachig, deutsch-chinesisch, über Frankfurter China-Beachtungen informieren und für solche werben. Zwar weist das Magazin in seinem ersten Heft, immerhin 96 Seiten, noch zahlreiche Mängel auf, doch: Respekt, Respekt! – Und sonst: Der Frankfurter Flughafen wird die FF-Chinabeziehungen weiterhin fördern, und wenn Hamburger Politiker seit wenigstens einem Jahrzehnt verheißen, sie wollten sich für eine direkte Flugverbindung von Hamburg nach Shanghai, Peking, neuerdings auch Seoul einsetzen, dann hoffen nicht nur die chinesischen Freunde auf Verwirklichungen.
 
 
 

 Abschied für Hellkötter

Mehrere Jahre lang repräsentierte Katja Hellkötter die Freie und Hansestadt Hamburg in deren Partnerstadt Shanghai. Über ihr Büro, das von mehreren institutionellen Trägern finanziert wurde und nicht einmal eine Handvoll Mitarbeiter zählte, war allseits nur Positives zu vernehmen, und die Internet-Darstellung zu den Hintergründen der Partnerschaft ist zusätzlich eine famose Informationsquelle. Jetzt scheidet Katja Hellkötter aus den hansestädtischen Diensten und tritt in die des Goethe-Instituts. Hoffentlich wird man sie als Ehrengast zu CHINA TIME 2006 einladen.
 
 
 

 Besuch aus Shanghai

Ende Oktober kam Vizebürgermeister Tang Dengjie auf eine Stippvisite nach Hamburg. Im Unterschied zu früheren Besuchen dieser Art wurde der von Tang für die öffentliche Wahrnehmung jedoch "tief gehängt". Der Grund war einfach: Schon vor mehr als einem Jahr hatte die Stadt Shanghai Hamburg ein Teehaus gestiftet, nicht ganz uneigennützig. Als Standort war bald ein Gelände in Aussicht genommen, das an das Museum für Völkerkunde grenzt. Allerlei Querelen standen offenbar der Verwirklichung des Projektes im Wege, und bald war zu vernehmen, anläßlich von CHINA TIME 2006 könne vielleicht die feierliche Grundsteinlegung zelebriert werden. Die Grundsteinlegung! – Angesichts von soviel hanseatischer Geschwindigkeit wollte Vizebürgermeister Tang wohl dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust ein bißchen daran erinnern, mit welchen Geschwindigkeiten Shanghai Baumaßnahmen vorantreibt. Für eine solche Plauderei am Rathauskamin war unserem Shanghaier Partnerschaftsfreund diese weite Reise nicht zu weit. Vielleicht hat er auch daran erinnert, daß Hamburg noch immer nicht eine Shanghai-Straße hat. Eine solche dürften inzwischen die meisten der mehr als 60 Partnerstädte von Shanghai haben, sogar Windhuk in Namibia.
 
 
 

 Kochkünste im "Atlantic"

Am 4. November, um 13 Uhr, versammelte sich an zwei Rundtischen des China-Restaurants "Tsao Yang" im Elite-Hotel "Atlantic" an der Außenalster zwei eßlustige heitere Runden. Der Chinareisen-Veranstalter CAISSA hatte zur Preisfindung bei seinem diesjährigen Kochwettbewerb eingeladen: Deutsche sollten chinesisch kochen. Die eingesandten Rezepte setzten die Köche des "Tsao Yang" genau um – und den vier Jury-Mitgliedern, um CAISSA-Chef Chen und Vize-Generalkonsulin Chen – war vorbehalten , diese Rezepte zu kosten und zu beurteilen. Kriterium der Beurteilung sollte die Nähe zur chinesischen Küche sein – und dafür errang eine junge Deutsche mit ihren "Dim Sum mit Schweinefleisch" den Ersten Preis: ein Jahr lang einen Smart fahren. Auch die anderen fünf in die Endausscheidung gelangten Hobby-Chinesischköche erhielten ansehnliche Preise, darunter die in China hochgeschätzten Montblanc-Füllfederhalter. Meistens bemerkten und schmeckten die Jury-Mitglieder, daß die deutschen China-Köchinnen/köche sich eher südostasiatisch inspiriert zeigten und daß sie die Möglichkeiten der Gewürze, die viele hiesige China-Geschäfte inzwischen bereithalten, nicht nutzten. Stefanie Lyngbye, Absolventin der ChinA und Mitarbeiterin der erfolgreichen CAISSA, machte zahlreiche Fotos. Vielleicht erscheint dann eines in diesen Notizen im nächsten Jahr.
 
 
 

 Ein "folder" im "Atlantic"

Flyer China Time 2006 Bei dieser Gelegenheit entdeckte der Berichterstatter auch einen "folder" der Hamburg Marketing GmbH (siehe Abb.), den er gerne früher wahrgenommen hätte – "CHINA TIME 2006: China bringt Hamburg Glück". Anscheinend ist auf ihm das "Logo" dieser CHINA TIME zu sehen. Es ist den Darstellungen nachempfunden, die sich im kaiserlichen China auf den Endstücken der Dachziegel auf den Kaiser-Palästen zeigten, und zeigt einen chinesischen Drachen in seiner frucht- und glückspendenden Gestalt. Andererseits symbolisiert er einen universalen Herrschaftsanspruch und paßt also zu der Devise "China bringt Hamburg Glück". Ob alle Gäste des "Atlantic" und sonstige Adressaten dieses "folder" wohl in den zerbrochenen Gelbheiten auf diesem Bild einen "chinesischen" Glückskeks erkannten? So sehr "chinesisch" ist der zwar nicht, doch immerhin: Bei CHINA TIME 2006 geht es offenbar voran!
 
 
 

 Hongkong-Angebote an Hamburg

Ebenfalls am 4. November fand in einem Hamburger Hotel ein weiteres wichtiges China-"Ereignis" statt: Die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung" (HWF) veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Hong Kong Trade Development Council ein Wirtschaftsseminar zum Thema "Chinas Süden zu Gast in Hamburg".
"Hamburg und Hongkong haben vieles gemeinsam", sagt HWF-Regionalmanager Bernd Riegerl und weiß, daß sich zuletzt mehr als 35 Hongkong-Firmen in Hamburg niederließen, die Einzelhandelsgeschäfte ausgenommen. Aus dem Wachstumsbranchen Elektronik und Container-Schiffahrt stammen diese Hongkong-Partner, auch aus der Hotellerie.
An diesem 4. November warb Hongkong für sich vor allem als Finanz-, Design- und Logistikstandort. Weit mehr als 200 Interessenten interessierten sich für die Angebote aus Hongkong.
 
 
 

 Schülerkunst in Glinde

Noch bis zum 25. November ist in dem "Gymnasium im Schulzentrum" in Glinde, nahe Hamburg, eine Ausstellung mit dem Titel "Schülermalereien aus China" zu besichtigen. Die Exponate stellte das Deutsche Museum für Schulkunst zur Verfügung. – Solche Kindermalereien haben sich in den Jahrzehnten der VR China oft besonderer Aufmerksamkeit und Förderung erfreut, dienten manchmal auch propagandistischen Zwecken. Sie zeigen oft, daß chinesische Kinder ihre Umwelt anders ausnehmen als deutsche, manchmal auch eine erstaunliche Perfektion in der Handhabung künstlerischer Ausdrucksformen.
 
 
 

 Gast für Schröder

Koalitionsvereinbarungen beanspruchen ihre Zeit, vor allem die für eine Große Koalition. Für den 10. bis 12. November wird der chinesische Staatspräsident Hu Jintao in Berlin erwartet. Nach Lage der Dinge könnte das der letzte Staatsbesucher sein, dem Gerhard Schröder als Bundeskanzler die Hände schüttelt. Seine Chinabegeisterung ist bekannt, und eine Hamburger Magisterarbeit stellte auch deren chinesische Wahrnehmungen dar. Ob Hu ihm diese Begeisterung vergilt und tatsächlich in Berlin einschwebt, oder wartet er lieber ab, bis eine Kanzlerin Merkel im Amt ist? Diese seltsame "Angie" hat das Wort China wohl noch nie in den Mund genommen, wie sie sich zu vielen Dingen nicht äußert. Auch im Hinblick auf die deutschen Chinabeziehungen dürften das interessante Kanzlerinnenjahre werden. – An diesem Wochenende, am 5./6. November 2005, an dem diese HCN 41 geschrieben werde, sieht es so aus, als käme Präsident Hu tatsächlich. Auf die protokollarischen Einzelheiten darf man gespannt sein.
 
 
 

 Chinakrabbe aus der Kollau

Ihr wissenschaftlicher Name ist Eriocheir sinensis, "Chinesische Wollhandkrabbe", doch was hatte sie Anfang Oktober in der Höxterstraße in Lokstedt zu suchen? Dort erregte sie beträchtliches Aufsehen, aber die Wissenschaft beruhigte: Das sei einer der ältesten "Chinesen" in Hamburg, mutmaßlich 1911/1912 über den Hafen eingeschleppt und schon lange vortrefflich akkulturiert. Sie habe Wohlgefallen an nächtlichen Wanderungen und sei vermutlich der Kollau entstiegen. In diesem Bach muß sie sich inzwischen wieder wohlfühlen, denn die Feuerwehr brachte sie nach dort zurück. Indes, vielleicht fühlt sie sich in ihm gar nicht wohl, weil sie nach China zurückwollte. War nicht einmal von zwei Ameisen zu lesen, die von Altona aus nach Australien aufbrachen?
 
 
 

 Chinafreunde im Botanischen Garten

Noch liebenswürdigere Gäste aus China sind auch in diesen Herbsttagen wieder im Botanischen Garten zu betrachten, wie der Berichterstatter bei einem Sonntagsspaziergang wahrnahm. Chrysanthemen blühen dort, Chinas berühmteste Herbstblumen. Sie wurden erst nach dem Jahre 1862, durch Robert Fortune eingeführt, in Europa verbreitet. Auch einige Exemplare des Chinesischen Herbstenzians sind wohl noch zu erblicken. Erst im Jahre 1912 blühte dessen erstes Exemplar in Europa, in dem Gartenparadies Großbritannien. Er stammt aus dem nordwestlichen Yünnan. Noch viele vertraute Gartengewächse, die aus China stammen, zeigt der Botanische Garten in Klein Flottbek und lohnt noch einen weiteren Herbstspaziergang. An der Pforte läßt sich auch wieder der nützliche Wegweiser "Pflanzenschätze aus China" erwerben, als erster Überblick und für nur zehn Euro.
 
 
 

 Prof. chin. Dr. med. in Hamburg

Prof. chin. Dr. med. ? Als der Flaneur sonntäglich durch ein paar fernere Straßen in Hamburg schlenderte, entdeckte er das abgebildete Praxisschild. Lange rätselte er diesem Prof. chin. Dr. med Liu Hasselbach nach: Ist das eine Person, sind das zwei, und was ist ein Prof. chin.? Nach längerem Nachsinnen meinte er: Da haben sich wohl ein chinesischer "Professor" und eine deutsche Doktorin oder – was die Geschlechtsgegebenheiten angeht – zwei Personen in irgendeiner anderen Form zusammengetan. Diese Form mögen sie jedoch nicht so deutlich machen, und der unbefangene Betrachter dieses Schildes könnte auch eine/einen Prof. Dr. med. Liu-Hasselbach als behandelnde Ärztin/behandelnden Arzt erwarten. Was immer sich hinter diesem Schild verbirgt – es verhüllt, statt anzukündigen, und einen "Prof. chin." gibt es nach allen bekannten Vorschriften über Titelführungen nicht. Auf dem Gebiet der sogenannten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) tummelt sich hierzulande vielerlei an Kompetenz und Anspruch. – Erklärte Senatspolitik ist auch, Hamburg zu einem Zentrum dieser TCM zu machen.
 
 
 

 Bemerkung zum Schluß

Nur an einige Ausschnitte der Hamburger China-Interessen mochte der Berichterstatter an dem Wochenende, an dem er diese Notizen schrieb, erinnern – am 5./6. November 2005. Viel mehr wäre noch zu berichten gewesen, doch manches Berichtenswerte braucht noch seine Zeit, und zu manchen und eigentlich überaus interessanten Veranstaltungen, Vorträgen zumal, konnte er nicht gehen. Die ChinA deren Alltage und deren Zukunftsorientierungen, nötigen zu Arbeiten am abendlichen – nicht dem nächtlichen! – Schreibtisch. Allein in der letzten Woche hätten ihn drei China-Vorträge interessiert. Auch sonst ereignete sich noch viel in den zahlreichen Hamburger China-Szenen: vielversprechend! – Drei letzte Bemerkungen noch:
 
 
 

 Auch das noch, zum Schluß I: Chinesische Buchstaben

In der bereits zitierten Senatspressemitteilung zu CHINA TIME 2006 ist auch die Rede von "Stempelschnitzereien (für den eigenen Namen in chinesischen Buchstaben)", als einem Beitrag zu dieser Großveranstaltung. Etwas verzagt möchte der Berichterstatter daran erinnern, daß man in Deutschland von solchen "Buchstaben" zuletzt wohl im 18. Jahrhundert sprach, doch der Pressestelle sei das nachgesehen. In der WamS erwähnte der allseits bekannten Literaturkritiker M R.-R. auch einen Literatur-Nobelpreisträger namens Xinjiang, den "kein Schwein kenne". Vielleicht liegt das nicht an diesem chinesischen Autor, sondern ist die Schuld der Schweine. Sein Familienname ist, übrigens, Gao; sein persönlicher Name, nach deutschen Brauch der Vorname, der in China aber traditionell dem Familiennamen nachgestellt wird, ist Xingjian. Nur selten lernen "Päpste" noch etwas hinzu, im Unterschied zu wirklichen Päpsten.
 
 
 

 Auch das noch, zum Schluß II: Vorschlag für CHINA TIME 2006

In der letzten Oktoberwoche wird in der Provinz Anhui das erste chinesische "Nationale Poesie-Festival" stattfinden. In China gebe es, verlautbarte Sun Yiqing, Präsident der chinesischen Dichter-Gesellschaft, mindestens eine Million Dichter; und diese veröffentlichten Jahr für Jahr hunderttausend Gedichte. Solche Schaffensfreude erscheint nicht als übergroß, doch sie vermittelt einen Vorschlag für CHINA TIME 2006: Auch in Hamburg schreiben wenigstens tausend, wenn nicht zehntausend Mitbürgerinnen und Mitbürger Gedichte oder literarische Prosatexte, die meisten leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Wenn jeder/jeder von ihnen ein Gedicht oder einen anderen Text zum Thema China verfaßte – oh, das wäre doch was!
 
 
 

 Auch das noch, zum Schluß III: Pasta aus China

Das war manchen Zeitungen einen Beitrag wert: In dem alten Streit, wer die Pasta erfunden habe, Italien oder China, hat die chinesische Seite jetzt entscheidend gepunktet. Der Berichterstatter verdankt Dr. Karl Wulf die Übermittlung des Artikels aus dem angesehenen Wissenschafts-Journal "Nature", Oktober 2005, der diesen Zeitungsberichten zugrundeliegt. An einer spätsteinzeitlichen Fundstätte in Nordwestchina, die ein Alter von 4000 Jahren hat, wurden eindeutige bandwurmartige Gebilde aus Hirse entdeckt. Was anders als Nudeln sollten sie sein? Da müssen sich die Archäologen in Italien oder vielleicht auch die im Vorderen Orient anstrengen, um mit den Chinesen in diesem Prestigewettbewerb wieder gleichzuziehen. Bis dahin können sich die Italiener vielleicht damit trösten, daß diese Steinzeitnudeln aus Hirse bereitet wurden. Echte Pasta sind nun einmal aus Weizenmehl, und deren "Erfindung" mögen sie sich weiterhin rühmen.
 
 
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