Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 40
29. August 2005
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte Deutsche Chinatexte
 
  Fortsetzung aus « HCN 39:

 Deutsche Dichter reisen nach China

Von einigen Mao-Hymnen will ich schweigen, doch den Lästerer Robert Gernhardt nicht vergessen, mit "Peking":
In China wurde eine Rakete gestartet,
eine Rakete vom Typ "Langer Marsch".
Die ist noch am Boden explodiert,
und so war der Marsch im A …
… nfang bereits rein längenmäßig ein wenig gehandicapt.
Das chinakalauert wieder, und seine vielgepriesene Kollegin Karin Kiwus weiß in ihrem Gedichtbändchen "Das Chinesische Examen" ebenfalls mit dieser neudeutschen Lieblingsvokabel umzugehen, doch ein Zitat hieraus versage ich mir.

Neben diesem Lieblingswort der Deutschen entgeht den Poeten auch nicht der chinesische Lieblingstext der Deutschen, das Orakelbuch "I Ging", hier in konkretpoetischen Transkriptionen, "das haus des erregenden", mit dem ewigen Yin und Yang:
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Das Wechselspiel von Yin und Yang, das sogleich noch einmal aufscheint, soll dieses "konkrete" Gedicht aufzeigen. Da lobe ich mir – Rühmkorf hatte das "Literarische Volksvermögen" gepriesen – jenen anonymen Toilettenpoeten: "Yang ist männlich,/ Yin ist weiblich./ Das Gefühl ist unbeschreiblich."

Noch deutlicher als die Prosatexte zeigen die poetischen, daß die deutschen Literaten – und das gilt augenscheinlich für alle deutsche Öffentlichkeit – nicht in der Lage sind, eine selbstverständliche Haltung gegenüber China zu finden.

Zwischen Zartsinn und Blödelei, wie gesagt, bewegen sich die Lyriker, andere zwischen anderen Extremen, jedenfalls stets voll entschiedener Einseitigkeit, selten mit Maß und Mitte, bestenfalls voll Staunen über das eine oder andere in China. Im Grunde haben sich die deutschen Chinabilder seit 250 Jahren nicht verändert, sondern lediglich Nuancierungen hingenommen. Damit das auch künftig so bleibe, läßt der Ravensburger Kinderbuchverlag in einem ABC für Kinder dichten:
Das C ist reich und reist sehr gern,
kennt alle Länder nah und fern.
Nach China traut das C sich nicht,
weil man dort nur Chinesisch spricht.
In vielen Kinderbüchern taucht China als Land der Fremde auf, so in Frieder Kerns "Die aberwitzigen Abenteuer von Otto Wels im Bodensee". Auch Vater Wels, der Fisch, will nach China reisen, vom Bodensee aus.

Die Poeten noch genauer als die Prosaisten werden zum Prisma deutscher Chinabefindlichkeiten – vor allem dann, wenn man die wahren Dichter unter ihnen betrachtet, die Werbetexter und deren Mitläufer, von denen ich sogleich einige Beispiele anführen werde.

Die Greuel und die politischen Anmaßungen der "Kulturrevolution" hatten in den Chinabetrachtungen ein Vakuum hinterlassen. Nach allen früheren Chinaparadiesen und Idealbildern war Mitte der 1970er Jahre das Mao-Paradies kurzweg zur Hölle erklärt worden. Der bald darauf in China einsetzende Wirtschaftsboom weckte zwar Händlersehnsüchte, genügte jedoch nicht Sinnstiftungen allgemeinerer Art. An solchen herrschte ein dezidierter und erklärbarer Mangel in der BRD – und warum nicht abermals den Blick für China schärfen?

Deutschland entdeckt das Tao-China, nicht das philosophische freilich, sondern das Tao des Untergrunds der Esoterica, der Vergnügungen und, bald, der "wellness". Schnell wird derlei ein erstaunlicher Markt gewonnen, mit immer neuen Blüten der Poesie: "Die Organisation von Geist und Materie. Das Tao unserer Wirklichkeit"; "Das Potential. Der Mensch. Das Tao der Evolution" – beides Computerreklamen. Neben allen Tao des Hörens, der Liebe und der Krebsbekämpfung erscheint das "Tao des Management", von Dr. Jahrmarkt, eine Rockgruppe heißt Tao, auch ein Chinalokal in Hamburg, und der Fachhochschul-Modedenker Peter Sloterdijk schreibt flugs über den "Eurotaoismus", als "Kritik der politischen Kinetik", was immer das heiße, während die Autorin Ginka Steinwachs ihren Vornamen am liebsten als "I Ginga" verstehen möchte.

Im Gefolge solcher Tao-Lust offenbaren sich erstaunliche Chinaeindrücke: Die Aktienkurse gehen nicht mehr nur auf und ab, sondern machen Yin und Yang; eine Graburne wird als "Yin-Yang-Keramik-Überurne" für die Totenasche vermarktet; ein Comedy-Duo dichtet "Yin und Yang" und bezeichnet das als "Howard Carpendale für Arme" in Hessen, wo in Flörsheim doch schon ein Bambussammler lebt, ein Renngaul nach Chinas heiligstem Berg T'ai-shan heißt, ein Buch hingegen "Wie würde Konfuzius es anstellen, eine Gehaltserhöhung zu bekommen?" Ein ehemaliger Minister, Jürgen Rüttgers, meint: "Die SPD hat von Innovation soviel Ahnung wie Brunnenfrösche vom Ozean." Offenbar hat er, im Unterschied zu den meisten anderen flotten Tao-Verwertern, den alten Denker Chuang-tzu gelesen, den mit dem Schmetterlingstraum, bei Kaleko und Enzensberger.

Rüttgers mag der Taoist Chuang-tzu genügen, dem Manager hilft weiter der alte Militärtheoretiker Sun-tzu, der in einem Buch über "Die Kunst des Krieges für Führungskräfte" verbraten wird, weil das "Tao des Management" offenbar nur für die Anfänge ausreicht. Buddhistische Meditationszentren entstehen nicht nur in Hamburg und Lautertal-Reichenbach, sondern allerorten und helfen den Managern, nach ihren Kriegszügen in der Versenkung wieder eine Ahnung von sich selbst zu bekommen.

Die jüngste dieser Aneignungen aus China ist Feng-shui, "Wind und Wasser", die gute alte Geomantik. Im Dutzend erscheinen die Bücher darüber, nachdem vor zwanzig Jahren kaum einer hierzulande das Wort überhaupt kannte. Fleißig schreiben diese Literaten voneinander ab, denn Genaueres weiß naturgemäß niemand darüber – und trotzdem ändert das bajuwarische Mansing den örtlichen Bebauungsplan nach dessen Regeln. "Jo mei, Feng-Shui!" wird der Bürgermeister zitiert. Die Prosa dieser Texte liest sich etwas schwerfällig, ist aber guten Sinnes und wohlgemut, wie frühere, sozialistische, Chinatexte:

"Wer schlecht wohnt und arbeitet, setzt sich dem Umglück aus. Wer aber seine Umwelt sorgsam gestaltet, lenkt die Lebenskraft (chin.: Chi) auf sich. So bietet die fernöstliche Lehre aufgeschlossenen Architekten, Industrie- und Möbeldesignern sowie Handwerkern ein reiches Betätigungsfeld."

Fürwahr, einige Hamburger Firmen haben das bereits genutzt, doch auch für Eigenheimler bleiben Lehren übrig: "Feng-Shui-Vorgarten: Der Weg muß sauber sein, damit der energetische Fluß nicht behindert wird."

Mit dem alten "weisen" China hat dergleichen nichts zu tun, das sind selbstgestrickte Schrebergarten-Maximen. Indes, "Akupunktur für den Garten" klingt doch schon ganz anders.

Auf einer niederen, banalen Ebene nimmt dieses muntere Treiben der Werbe- und Alltagsliteraten auf, was die "hohen" Literaten bei ihren Chinainteressen vorgespielt hatten: Von China nimmt man und nimmt wahr gerade das, was einem paßt und was sich vermarkten läßt, ohne auf die Zusammenhänge zu achten. Auch Literaten müssen schließlich – horribile dictu – auf die Marktfähigkeit ihrer Produkte achten – und war nicht mit China schon immer eine Vorstellung von Glückhaftigkeit und -streben verbunden? Die Kaufleute hatten, wenngleich in anderem Sinne, ebenfalls Chinaglück im Sinn.

Vielleicht erklärt das auch die Eigenarten deutscher Chinawahrnehmung. Als Markt wird China oft überschätzt, aber als Kosmos für sich, in Vergangenheit und Gegenwart, wird es gemeinhin nur in Unterschätzung wahrgenommen. Wer diesem nur flüchtige Blicke widmen kann, der muß seinen Blick fokussieren, kann nur ausschnitthaft zu begreifen versuchen, unterliegt dann aber gar leicht dem Fehler, von diesem Ausschnitt her das Ganze begreifen zu wollen. Die Literatenreisenden, die sich China versagten, waren in dieser Hinsicht am ehrlichsten. Was zunächst als mangelnde Ernsthaftigkeit erschien, das mag plötzlich wie eine Ernsthaftigkeit aussehen, die nur an einem Mangel an Wissen leidet. Um die deutschen Chinakenntnisse ist es tatsächlich schlecht bestellt, gerade unter Intellektuellen.

In die munteren kleinen deutschen Chinaszenen, die sich seit Anfang der 1980er Jahre wieder gebildet hatten – von den Wirtschaftsleuten bis zu den Esoterikern, die Literaten mittendrin – bricht das Massaker vom Juni 1989 mit Urgewalt, nur einen Augenblick allerdings, denn Geschäfte verlangen nach Fortsetzung und Dauer. Die Betroffenheiten, die allerorten geäußert werden – vielleicht sind auch sie, jenseits der Beflissenheiten, wieder einmal nur der Ausdruck einer abermals enttäuschten Chinaliebe. Noch einmal streiten sich die ehemaligen hiesigen "Kulturrevolutionäre": betagt geworden, doch mit alten offenen Rechnungen, K-Gruppen und linke Trotzkisten. Vielleicht heulte man über dieses Massaker auch nur aus Unkenntnis auf – deswegen, weil man die vergangenen nicht wahrgenommen hatte oder im Interesse seiner "höheren" Chinabilder nicht hatte wahrnehmen mögen. In den vierzig jahren der VR China bis dahin waren schließlich 50 Millionen Menschen umgekommen, durch Hunger, Katastrophen und sozialistisch sanktionierten Totschlag und Mord.

Sogleich wird das Massaker literarisch verbraten: marktgerecht, so von Volker Erbe in einem unsäglichen Chaos-Roman. Wolf Biermann höhnt: "Hey, Krenz, du fröhlicher kalter Krieger/ Ich glaube dir nichts, kein einziges Wort/ Du hast die Panzer in Peking bejubelt/ Ich sah dein Gesicht beim Massenmord." – Das Massaker ist nur der geeignete Hintergrund für ein Gewohnheitsgrinsen, Krenz wäre Schlimmeres vorzuwerfen.

Einen der wenigen angemessenen Texte anläßlich des Massakers schrieb der einstige Chinareisende Michael Krüger: "Chinesisches", einige Verse vom Anfang und Ende:
Die Bücher fangen am Ende an.
Von der Höhe, wo Phönixe und Drachen wohnen,
erscheint die Erde dir klein:
die Dächer verfault, die Balken morsch,
zugewachsen die Wasserbecken.
Wenn der Wind wütet und der Regen
zur falschen Zeit fällt, kann das Volk
nicht in Ruhe leben.
(…)
Wer stirbt, geht nach links ab, nach rechts,
wer am Leben bleibt. Weiß ist in China
die Farbe der Trauer.
Eine Rockgruppe nennt sich flugs "Herbst in Peking". – Die Bücher fangen am Ende an. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir China buchstabieren.

Das letzte Buch eines Literaten, einer Literatin, über China heißt denn auch "Chinesisches Alphabet", Luchterhand, von Susanne Röckel, die schon mit dem Roman "Eschenbach" 1997 Beachtung fand. Auch sie war Lektorin, in Shanghai – und diese Stadt buchstabiert sie sich vor, von "Ausländer" bis "Ziehnudeln", in Drei-Seiten-Notizen, um einem "Übermaß an Eindrücken gewachsen" zu werden.

Buchstabieren auf andere Weise tat der Hamburger Schuldt, den manche den letzten Dadaisten nennen. Er legt ein chinesisch-deutsches Wörterbuch neben sich und assoziiert dessen Eintragungen zu kurzen Prosastücken, so "In der Brandung":

"Früher kochte er Reis in einer Hintergasse in Shanghai. Jetzt treibt er seine ausgelassenen Scherze in den Brandungswogen, gibt an, spielt mit der Schwimmerin, zaust und rauft und knittert sie, wie er es nicht lassen kann. Das war ein Fehler, denn nun trägt sie ihm einen Sohn. Er nimmt es pedantisch genau damit, äfft sie nach und macht sich über das Thema lustig. Was die Sache schlimm macht, ist, daß er auf politische Macht aus ist und Unruhen anzettelt."

Günter Eich hatte – in seinen "Maulwürfen" – ohne chinesisches Wörterbuch geblödelt, und nachdem Schuldt seine chinesische Geliebte vergessen hatte, begab er sich – zusammen mit meinem hochgeschätzten sinologischen Kollegen Wolfgang Kubin – in persona nach China und verwirklichte ein ansehnlich-ernsthaftes Projekt.

Vielleicht sind solche Chinatexte mit ihren vorsichtigen Blicken auf Einzelheiten tatsächlich die einzige Möglichkeit, sich dieses fremden Kosmos China zu vergewissern, doch ich wüßte, wenn ich – als Wissenschaftler, eben manchmal – darüber nachdenken wollte, nicht leicht ein paar charakterisierende Begriffe dafür.

Damals, vor fünfzehn Jahren, hatte ich meine kleine Rede über Chinatexte in der älteren deutschen Literatur mit folgenden Worten beschlossen:

"Deutschlands Chinabilder sind geisterhaft. Wie seine Dichter und Denker nach China blickten, so blickte China sie an – ein Spiegel eben, der eigenen Person oder für andere. China war immer eine Chiffre, oder eine Chimäre, manchmal Posse und Gaukelspiel."

Das haben die deutschen Literaten nach Weltkrieg II nicht geändert, sondern eher verstärkt. Ein paar ernsthafte unter ihnen haben sich mit chinesischer Literatur befaßt, und dazu lädt auch wieder die Verleihung des Schocken-Preises, mit seinen mahnenden Konzeptionen, an Bei Dao ein. – Und wer weiß, die Lebensdaten des von mir mehrmals genannten Lu Hsün, des wohl bedeutendsten chinesischen Autors im 20. Jahrhundert sind: 25. September 1881 bis 19. Oktober 1936. Zwei Jubiläen wären 2006 zu feiern. Vielleicht bietet das manchen Literaten und anderen Gelegenheit und Anlaß, sich auf neue Art nach China zu wenden.
 
 
 

 Neuere Übersetzungen chinesischer Gedichte

Dieses "Chinesische Gedichte der klassischen Zeit" brachte Michael von Poser bereits im Jahre 2003 im Reichert-Verlag, Wiesbaden, heraus. Schon der erste Blick zeigt, daß dieses Buch keine wissenschaftliche Veröffentlichung ist: gut ausgestattet, gutes Papier, großzügig gedruckt. Zum Geschenk eignet sich dieses Buch ganz vortrefflich – und als Geschenk erhielt es auch der Berichterstatter, dessen Aufmerksamkeit es sonst möglicherweise entgangen wäre.

Michael von Poser: Chinesische Gedichte der klassischen Zeit Ungefähr hundert Gedichte übersetzt Michael von Poser, und jeder Übersetzung gibt er den chinesischen Text des Gedichtes bei. Er deutet in seinen Darlegungen im Anhang auch an, warum er diese Beigabe auch denjenigen Lesern bestimmt, die chinesische Schriftzeichen nicht beherrschen. Der erste vertretene Autor in seiner chronologischen Anordnung ist T'ao Yüan-ming (365-427), der letzte Wu Wen-ying (+ um 1264; achtzehn Autoren sind es insgesamt, überwiegend solche mit großen Namen. Die Auswahl ist in jeder Hinsicht subjektiv. Wie sollte das auch anders sein?

Übersetzungen dieser Art entziehen sich einer Kritik. Ebenfalls im Anhang erläutert von Poser einige seiner Grundsätze dabei. Das Verständnis der Gedichte – nicht immer ganz leicht! – entspricht wohl auch sinologischem Einvernehmen. Dem Anschein der Bibliographie nach vergewisserte von Poser sich vor allem an der englischsprachigen Sekundär- und Übersetzungsliteratur. Bei der einen oder anderen Übersetzung hätten ältere und neuere deutsche Übersetzungen ihm vielleicht ein Wort oder einen Einfall vermittelt, auf die er selbst nicht kam. Wahrscheinlich scheute von Poser mit gutem Bedacht solche sprachliche Nähe. Ein Beispiel für seinen Übersetzungsstil: "Selbsteinsicht" von Po Chü-i (772-846).
Gesellschaft, Reisen, Essen, Schlaf,
allmählich schmeckt nichts mehr.
Umsonst der Wein, das Saitenspiel,
die Flöten um mich her.
Die Gäste sämtlich hochvergnügt,
die Dienerschaft schön satt.
Die Früchte meiner Mühn im Amt
Genießt nun letztlich wer?
In einem Anhang zu den Übersetzungen schreibt von Poser über seine Auswahl, seine Art des Übersetzens, auch über Kalligraphie und Dichtung, und stellt dann ausführlich Biographisches zu seinen Autoren vor. Auch hier zeigen sich Kenntnisse und Bedacht. Allerdings ist mancherlei Unverträgliches nicht zu übersehen. Er stellt richtig fest, daß sich ältere chinesische Gedichtanthologien, nach klassischem Vorbild, verschiedentlich an der Zahl 300 bei der Zahl der aufgenommenen Werke orientierten, denn aber tatsächlich 310 oder 284 aufführten, denn "die Chinesen nehmen es nicht so genau." Das Gegenteil stimmt, aber das bedürfte genauerer Kenntnisse. Hier im Anhang mehren sich auch die Druck-, Transkriptions- und andere Fehler, und wenn er vom "(…) schwungvollen Expressionismus alla (!) Klabund" schreibt, ist das zwar verständlich, doch eher in der internationalen Sprache der Musik üblich. Warum auch gab er seinen ausführlichen biographischen Notizen nicht einige Hinweise zum Verständnis der Gedichte bei? Die "Erläuterungen der (…) bedeutsamen Begriffe und Namen" genügen da nur ansatzweise. Auch der Begriff "klassische Zeit" erscheint als zu weit gefaßt.

"Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul", sagt das Sprichwort, nicht umsonst! Solche Mäkeleien ändern nichts daran, daß dies ein schönes Buch ist. Für zahlreiche Stunden der Besinnlichkeit kann sich der aufgeschlossene Leser ihm anvertrauen. – Möglicherweise müssen sich Interessenten jedoch beeilen: Das Exemplar, das der Berichterstatter geschenkt bekam, trägt die Nummer 327 von 500 Exemplaren, die "in einmaliger, limitierter und handnumerierter Auflage" erschienen. Ach, stünden neben der Zahl doch auch die Initialen des Michael von Poser, von seiner eigenen Hand eingefügt!
 
 
 

 Neuere deutsche China-Gedichte

Anscheinend ist Viktor Kalinke, der in Leipzig die Galerie und Edition "erata" betreibt, in China herumgeschlendert – in Peking und an anderen Orten. Über seine Impressionen veröffentlichte er in seiner Edition ein schmales Heft mit Gedichten – Peking und anderen Orten gewidmet.

"Mondtrunken. Chinesisches Tagebuch" ist der Titel dieses Heftes, und in Peking haben den Dichter Straßen, der Sommerpalast, der Himmelstempel und andere touristische Glanzpunkte angeregt, weiter im Land auch der Lijiang, die Große Mauer und Luoyang. Über den Kaiserpalast in Peking:
Gugong

Die Abendsonne steht über den Dächern
Glänzend halb und halb verblichen
aus gelber/ zierlich gewölbter Keramik

Modernisierung ruft die Eunuchen
und Konkubinen nicht zurück/ armer Kaiser!
Verliebte sitzen versteckt im Park
Und bemerken nichts außer sich

Ein alter Mann im blauen Kittel
fegt aufstörend/doch unbeirrbar
heruntergefallene Blätter fort
als lägen wie Steine sie im Weg
Vor allem Reiseeindrücke scheinen Viktor Kalinke Gedichte einzugeben, denn er veröffentlichte auch ein "Türkisches Tagebuch" und ein "Ägyptisches", dazu Gedichte über Menschen und Städte in Europa.
 
 
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