Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 4 China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Notizen von einem
nächtlichen Schreibtisch
Deutsche Chinatexte
 

Chinapavillons in Lustgärten

Die Frühlings- und Feiertage der vergangenen Wochen waren keine gute Zeit für den Schreibtisch. Sonnenstrahlen und frisches Grün lockten mit ihrer Verführungskraft ins Freie. China-Anblicke brauchten trotzdem nicht zu fehlen.

Im Botanischen Garten der Freien und Hansestadt, draußen in Klein Flottbeck, lädt schon in der Nähe ein China-Pavillon zu müßigem Verweilen ein, umgeben von prachtvollen Azaleen-Büschen. Er war anläßlich der ersten Hamburger "China-Wochen" im Jahre 1988 errichtet worden, als Geschenk der Partnerstadt Shanghai. In seine Einzelteile zerlegt, war er per Schiff aus Shanghai hier eingetroffen. Mehrere chinesische Zimmerleute brauchten Wochen, bis sie ihn wieder zusammengehämmert hatten - zum Verdruß des damaligen Oberbaudirektors Kossack, der diesen Aufwand und die entsprechenden Unterhaltskosten der Bauleute bezahlen mußte.

 

 

Wer zwei ältere China-Pavillons sehen möchte, muß etwas weiter nach Osten fahren: in das angenehme Bad Doberan. In dessen Nähe hatte Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin 1793 in Heiligendamm nicht nur das erste deutsche Seebad gegründet. Im gleichen Jahr wandelte er in Bad Doberan die "Kamp" genannte öffentliche Weide in einen Kurpark um, und um das Jahr 1810 ließ er nach Plänen seines bedeutenden Architekten Carl Theodor Severin dort zwei achteckige chinesische Pavillons mit säulengestützten, geschwungenen Dächern errichten. Einer wurde als Musiksaal genutzt und erfreut heute den Reisenden durch ein Café. - Damals war die Mode der Chinoiserie eigentlich längst vergangen, doch in Mecklenburg hatte der großherzogliche Bauherr das offenbar noch nicht bemerkt.

 

Gar noch später erreichte die Chinakunde das abermals weiter östlich gelegene Neustrelitz. In dem kargen und hochverschuldeten Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz reichte es nur zu einem kleinen China-Pavillon am Rand des Zierker Sees und des Schloßgartens. 1821 errichtete ihn der Schinkelschüler Friedrich Wilhelm Buttel für den Großherzog Georg, der ihn wahrscheinlich nie von innen sah. Er stand damals nämlich im Wasser des -heute verlandeten- Seeufers und diente als Spülhaus für die großherzogliche Wäsche. - Auch sonst lohnt jedoch Neustrelitz einen Besuch, und sei es, um das dortige "Helgoland" in Augenschein zu nehmen - am besten zur Zeit des Sonnenuntergangs, mit herrlichen Silhouetten in der Seelandschaft.

Gut siebzig Jahre, bevor in Neustrelitz der China-Pavillon entstand, war ein Andreas Stumpfeldt "Leitender Hof-, Lust- und Orangengärtner" des seinerzeitigen Großherzogs gewesen. Wahrscheinlich hatte der von China noch nie etwas gehört.

 
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