Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 4 China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
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ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 

China-Restaurants in Hamburg

 

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In den letzten Jahren war wiederholt zu lesen, in Hamburg existierten mehr als zweihundert China-Restaurants. Das Statistische Landesamt hatte deren Zahl gar auf dreihundert geschätzt. In der Internet-Darstellung "hamburg-magazin" tauchte hingegen irgendwo die Zahl 141 auf.

Nach Ausweis des Branchentelefonbuchs der Freien und Hansestadt beleben genau 156 Chinarestaurants die Speisepläne der Hanseaten und ihrer Gäste. Beim Durchblättern dieser Seiten freut sich der Leser, guten alten Bekannten zu begegnen, dem "Suzy Wong" in der Milchstraße etwa. Alle die "Golden" vergnügen ihn zusätzlich - von dem "Golden City" über die "Goldhütte" und den "Goldenen Buddha" sowie den "Goldenen Drachen" bis zum "Goldgarten". Natürlich gibt es auch "Lotos" und "Lotus" und "Mr. Hoh", aber auch "Mr. China". Die Namen dieser Sättigungsplätze, denn mehr sind sie oft nicht, verdienten eine eigene Betrachtung.

Die Qualität, vor allem die Authentizität mancherChina-Küche hat sich während der letzten Jahre verbessert. Im vergangenen Herbst stellte der namhafte Gastrokritiker Mario Scheuermann seine "Top 5" in HH zusammen:

  • 1. "Yang House",
  • 2. "Hsin Lin Men",
  • 3. "Golden",
  • 4. "Shanghai",
  • 5. "Ni hao".

 

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Das muß heute schon nicht mehr gelten. So schnell, wie manchmal die Köche wechseln, so schnell ändert sich auch der Standard. Hinzukommt, daß solche Einschätzungen subjektiv bleiben. Martin Meißmer, Student am ChinaS, schreibt über einen Blick in die Küche seiner Lieblings-Imbißhütte:

"Zwei chinesische Köche lassen es richtig krachen. Wie von der Tarantel gestochen, springen sie umher, der eine dick und der andere mit Brille. Andauernd werfen diese beiden irgendwelche Zutaten aus Schalen in andere Schalen, aus Schalen auf den Fußboden, vom Fußboden in Schalen oder vom Fußboden auf den Fußboden."

Er rühmt jedoch die großen Portionen, und auch diese Küche hat inzwischen, nach einem "segensreichen" kleinen Brand, ihren Charakter geändert.

 

Manches von diesen Chinalokalen stellt sich hochambitioniert dar. Im "Tao" gab "Hamburgs berühmteste Modelagentur" unlängst eine Riesenfete mit Acht-Gänge-Menu. Die spirrigen Schönen und ihre Lifestyle-Partner schätzen nun einmal den kleinen Kick, der mit "Tao" und "I Ging" verbunden ist und mit -nicht zu vergessen!- "Feng Shui".

Wahrscheinlich verfügt Hamburg über mehr als 156 China-Restaurants. Nicht alle sind im Branchenverzeichnis des Telefonbuchs aufgeführt, und ansonsten verändert sich die Zahl beinahe wöchentlich durch Schließungen und Neueröffnungen. Auch diese Zahl wird niemand je genau benennen können. Berlin rühmt sich gar schon seiner tausend China-Restaurants. Nun, nach Auskunft namhafter Kulinarikexperten sieht es dort für den Gourmet ohnehin trostlos aus.

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Seitenblicke eines Flaneurs

Beinahe täglich schlendert der Müßiggänger am "Brillenmuseum" vorüber, Hamburgs jüngstem und wohl kleinstem Museum. Ein Optiker hat es vor knapp einem Jahr in den beiden Geschossen über seinen Geschäftsräumen eingerichtet: in der Nähe der Milchstraße, gegenüber der Johanniskirche.

Jetzt war ein Abstecher hinein unumgänglich, denn das Museum bot eine Sonderausstellung: "Ostasiatische Brillen aus dem 18./19. Jahrhundert". Skurrile, prachtvolle und seltsame Gebilde waren dort zu betrachten, von den Mandarinenbrillen angefangen; manche noch mit Originaletui. - Auch die Dauerausstellung zeigt einige chinesische Prachtexemplare.

 

 
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Bei einem Gang vorbei an den Deichtorhallen gönnte sich der Flaneur einen weiteren Seitenblick. Der Kunstverein (Klosterwall 23) zeigt nämlich bis zum 4. Juni Videoinstallationen von Fiona Tan. Diese 34jährige niederländische Künstlerin ist die Tochter eines in Indonesien aufgewachsenen Chinesen und einer Australierin. Das Problem der kulturellen und persönlichen Identität wurde naturgemäß auch eines ihrer Themen. Die ursprünglich für das holländische Fernsehen produzierte Installation "May You Live in Interesting Times" gibt eine spannende Recherche nach den Ursprüngen ihrer Familie in Indonesien und China wieder. "Meine neue Erkenntnis ist, daß kulturelle Authentizität nicht existiert," sagte die Künstlerin.
 
Ungerührt ging der Flaneur nicht an einem Anschlag vorüber, der bloß 150 Meter vom Brillenmuseum entfernt an einen Baum geheftet war. Irgendein persönliches Drama scheint sich dahinter zu verbergen, doch er hielt es für geraten, die Namen beschuldigter Personen zu schwärzen. Welche Dramen mögen sich in der hiesigen Chinaszene noch verbergen?  
 

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Chinesische Verrücktheit

Unterschiedliche Kulturen haben in ihren Traditionen auch unterschiedliche Haltungen zu Geisteskrankheiten ausgebildet. Als Abweichungen von der Norm spiegeln diese zugleich die Gesellschaften wider.

Dr. Angelika Messner von der Universität Kiel trug am 15. Mai, 19 Uhr, im Hamburg-Haus Eimsbüttel über "Wer ist verrückt? Normalität im Kulturkonflikt" vor. Ihr ging es vor allem um die seit Ende des 19. Jahrhunderts in China beginnende Auseinandersetzung mit der westlichen Psychiatrie. Veranstalter war die Hamburger China-Gesellschaft.

Zur "Wende" auf Taiwan

Anläßlich der Amtseinführung des neuen Präsidenten der Republik China auf Taiwan, Shui-Bian Chen, am 20. Mai 2000 lädt die "Bambusrunde" zu einem Vortrag ein. Holger Dohmen, Chef der politischen Redaktion des "Hamburger Abendblattes", spricht über "Die Präsidentschaftswahlen" in Taiwan".

Der Vortrag findet am 23. Mai, 12 Uhr 30, im Clubhaus an der Alster, Hallerstr. 91, statt. Im Anschluß an den Vortrag wird ein Essen serviert: für 30 Mark (Studierende/Auszubildende die Hälfte). Um eine verbindliche Zusage bis zum 19. Mai wird gebeten.

Drachenbootrennen auf der Elbe

Anfang Mai feierte Hamburg wie alljährlich seinen Hafengeburtstag. Bei dieser Gelegenheit waren am Wochenende des 6./7. Mai wieder Drachenbootrennen angesagt - und zwar im Sporthafen (Nähe U-Bahn Baumwall).

Dieser Drachenbootsport erfreut sich bei jungen Leuten hierzulande wegen seiner begeisternden Wirkungen zunehmender Beliebtheit. Demnächst soll es auch Drachenbootpaddeleien "zum Schnuppern" für ältere Erwachsene geben.

Jungmusiker aus Taiwan

Musiker - ob Gesangssolisten oder Orchesterspieler - aus Fernost haben in den westlichen Musikszenen nach und nach beachtliche Erfolge errungen. Das liegt nicht zuletzt daran, daß die deutschen Musikhochschulen für sie begehrte Ausbildungsstätten sind. Viele von diesen jungen Musikern aus Fernost (Japan, China, Taiwan, Korea) verfügen zudem über den Vorzug, daß sie neben der klassischen und modernen westlichen Musik meistens auch in der traditionellen Musik ihrer Heimatländer geübt sind.

Am 27. Mai, 15 Uhr, geben Musikstudenten aus Taiwan ein solches Konzert. Es findet im schönen Lichtwarksaal in der Neanderstraße statt. Organisiert wird das Konzert durch die "Taiwanesische Frauenvereinigung" in Hamburg.

 
 

Chinesische Künstler in HH stellten aus

Vor gut zehn Jahren gab es einmal eine Vereinigung chinesischer Künstler in HH. Seit deren Entschlafen weiß beinahe niemand mehr, wie diese interessante kleine Szene aussieht.

Jetzt stellten sich einige dieser Künstlerinnen und Künstler erneut vor - durch eine kleine Ausstellung von Tuschbildern und ein damit verbundenes Performance-Programm. Die Veranstaltung stand unter dem rätselvollen Titel "Der Drachen zwischen innen und außen".

Ausstellung und Programm waren am Sonntag, dem 7. Mai, in der Alten Rinderschlachthalle, Neuer Kamp 30, von 12 bis 18 Uhr zu betrachten. Organisiert hat dieses Ereignis der Künstler Xiaomin Liu. Einige dutzend Interessierte fanden sich trotz herrlichstem Wetter ein.

 

120 Millionen Zigaretten!

Wahrscheinlich werden all diese schönen Stangen auf einer Müllkippe verbrannt. - Das war die heißeste China-Nachricht der letzten Wochen, die am 11. Mai über die Ticker kam:

Eine Schmuggelsendung von in der VR China gefälschten "Benson & Hedges" war im Hamburger Freihafen dem Zoll aufgefallen. Der hatte sich darüber gewundert, daß aus China plötzlich so viele "Bratpfannen" eintrafen - so die deklarierte Tarnung. Später hieß es dann genauer "Woks", aber zuvor hatte der Zoll die Container durchleuchtet.

Nach der Entdeckung von 48 Millionen in China gefälschter Markenzigaretten im letzten Oktober war das jetzt der größte Fahndungserfolg. Demnächst soll also eine kleine Notiz über die "China-Mafia" beziehungsweise die "Triaden" in Hamburg folgen. - Der Raucher rätselt jedoch, warum ihm noch nie eine Schmuggelzigarette aus China zum Kauf angeboten wurde. Wahrscheinlich sieht er zu staatstragend aus - und hat überdies gerade die Steuererklärung für 1998 abgeliefert.

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