Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 34
24. Oktober 2004
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
 

 Respekt, Herr Präsident!

Am 18. September veröffentlichte die "Frankfurter Allgemeine" einen Vierspalter unter der Überschrift "Hier herrscht der Geist, der stets halbiert". Er wendet sich "gegen die Pläne des Hamburger Wissenschaftssenators, 58 Prozent der geisteswissenschaftlichen Studienplätze und zwei Drittel der Studiengänge und Fächer aufzugeben." Am Ende erinnert er den Politiker, dessen Namen der Beitrag – mit feiner Bosheit – nicht nennt, daran, daß die EU-Staaten vereinbart hätten "einen Anteil der Wissenschaftsausgaben am Bruttosozialprodukt von drei Prozent anzustreben. Während Baden-Württemberg bei vier Prozent, Berlin bei 4,2 Prozent und selbst Bremen bei 2,2 Prozent liegen, hat Hamburg mit 1,5 Prozent noch viel nachzuholen."

Der Autor hätte auch daran erinnern können, daß die BRD im europäischen Vergleich bei den Absolventen eines Hochschulstudiums je Abiturientenjahrgang ganz am Ende steht oder daß die Freie und Hansestadt sich gerne ihrer Metropolfunktion rühmt: "Das Hoch im Norden"!

In der ersten Hälfte des Artikels stellt der Verfasser die Geschichte der Uni Hamburg dar. Hierzu weiß er unter anderem: "Ein besonderes Anliegen waren ihm (dem universitätsstiftenden Senator Werner von Melle) die Sprachen und Kulturen anderer Länder. () So wurden in Hamburg die ersten deutschen Professuren für Geschichte und Kultur des Orients, Geschichte und Kultur Indiens, Sprache und Kultur Chinas, Sprache und Kultur Japans sowie für Afrikanische und Südsee-Sprachen geschaffen. Dieses Profil hat die Universität Hamburg stets ausgezeichnet: die vielfältige Kompetenz für Sprachen und Kulturen anderer Länder. Die 'Überseewissenschaften' waren eine natürliche Aufgabe und Chance der Weltstadt mit ihren weltweiten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen."

Damit soll es – nach den Vorstellungen jenes ungenannten Senators – künftig vorbei sein. Von den außereuropäischen Regionen sollten allein noch über China und Japan sprachliche Kenntnisse und Sachverstand vermittelt werden. Von der Afrikanistik und Afrika über Indien und die Indologie bis zu Vietnam und der Vietnamistik will der Senator künftig in Hamburg nichts mehr wissen, auch nicht von Indonesien, Korea, Thailand, der Türkei und dem ganzen islamischen Orient. Über seine Weltsicht läßt sich nicht einmal rätseln, sondern nur spotten.

Autor des Beitrags ist Universitätspräsident Dr. Dr. h.c. Jürgen Lüthje. Sein Leser mag sich fragen, wie verzweifelt ein Uni-Präsident sein muß, daß er in dieser Form an die Öffentlichkeit tritt. Nicht immer hat sich der Berichterstatter über die Aktivitäten "seines" Präsidenten gefreut – und auch an diesem Artikel hat er zwei Kleinigkeiten zu bemäkeln: Erstens, er hätte den zuständigen Politiker nicht "Wissenschaftssenator" genannt, und zweitens, das waren nicht die ersten deutschen Professuren in Fächern wie den genannten, sondern die ersten Lehrstühle. Desungeachtet, dieser Artikel des Präsidenten hat dem Berichterstatter gewaltigen Respekt eingeflößt, aus vielerlei Gründen. Inzwischen weiß der Präsident, daß er Verbündete hat – vor allem auch aus der Hamburger Wirtschaft, die schon Senator von Melle kräftig unterstützte, auch vom Konsularischen Corps und von anderen Seiten. Das gibt Lichtblicke.

Dem Hochschulsenator Dr. Jörg Draeger – und an dieser Stelle sei sein Name mit Bedacht genannt – kann schon jetzt bescheinigt werden, daß er dem Ruf Hamburgs in der Welt schwer geschadet hat – aufgrund unzureichender Wahrnehmungsfähigkeit in seinem Elfenbeinturm. Er sollte sich darauf konzentrieren, Hamburgs Wissenschaftsausgaben auf drei Prozent seines Bruttosozialprodukts zu bringen. Dann würde eine wirkliche Autonomie der Hamburger Universität auch zu echten Neustrukturierungen führen: bedachter und stärker zukunftsorientiert!
 
 
 

 Investitionen in die Zukunft

Als der Hamburger Thaiist Professor Dr. Dr. Klaus Wenk aus den Händen des thailändischen Königs Phumiphon die am 14. August des Jahres 2527 (= 1984) ausgefertigte Urkunde über seine Ernennung zum Ehrendoktor der Sinlapakon-Universität in Bangkok entgegennahm, wurde hierdurch in erster Linie sein wissenschaftliches Werk geehrt. Der Jurist Klaus Wenk (*24.3.1927) war nach der Zweitpromotion zum Dr. phil. (1962) und der Habilitation (1965) zu einem herausragenden Kenner der thailändischen Literatur geworden. Daneben hatte er auch über aktuelle politische Vorgänge in diesem damals hierzulande beinahe unbekanntem Land veröffentlicht und durch großartige Dokumentationen von Wandmalereien in Thailand und Birma zur Bewahrung des kulturellen Erbes dieser Länder beigetragen.

König Phumiphon + Klaus Wenk, 1984

Diese Doktorwürde – und mehrere hohe thailändische Orden – ehrten aber nicht allein die Person Klaus Wenk, sondern galten auch der Institution, der er vorstand. Im Jahre 1958 hatte das damalige Seminar für Sprache und Kultur Chinas der Universität Hamburg sich eine Abteilung Thailand, Burma und Indochina angegliedert. Aufgrund älterer Beziehungen zu diesem geographischen Raum stand ihr zunächst der Japanologe Prof. Dr. Oscar Benl vor. Den Unterricht nahmen Lehrbeauftragte wahr, die mehrere südostasiatische Sprachen unterrichteten, bis Wenk dann 1963 wissenschaftlicher Assistent und 1970 als Professor Leiter der Abteilung wurde.

Lektorate für das Vietnamesische (seit 1972 Dr. Duy-Tu Vu) und das Thailändische (seit 1978 Patcharee Jarutat, heute: Patcharee Kaspar-Sickermann) konnten den Sprachunterricht auf eine sichere Grundlage stellen. Der Wenk-Schüler Professor Dr. Klaus Rosenberg bereicherte das Lehrangebot nachhaltig. Nach seinem frühen Tod, am 23.1.1988, erinnert nicht nur die großzügige Klaus-Rosenberg-Stiftung seiner Mutter an ihn, doch sie fördert die Thai-Studien in Hamburg ungemein. Vu und Kaspar-Sickermann schufen jeweils weithin anerkannte Lehrbücher für die von ihnen unterrichteten Sprachen.

Dr. Vu konnte sich im Jahr 1972 für das Fach "Sprachen und Kulturen Südostasiens mit besonderer Berücksichtigung Vietnams" habilitieren. 1984 wurde er zum Professor ernannt, und damit war an dieser Abteilung, die heute den Arbeitsbereich Sprache und Kultur des festländischen Südostasiens in der Abteilung für Sprache und Kultur Chinas des Asien-Afrika-Instituts bildet, die wesentliche Grundlage für die Etablierung des Faches Vietnamistik geschaffen. Auch sein Wirken begegnete ausgezeichneter Beachtung in Vietnam. So diente er mehrmals Vietnams Ministerium für Erziehung und Bildung als Berater bei Studienreformen und bei Problemen mit der Standardisierung des Vietnamesischen.

Beider internationale Wirkung können auch ihre Nachfolger beanspruchen: der Thaiist Professor Dr. Barend Jan Terwiel (seit 1992) und der Vietnamist Professor Dr. Jörg Engelbert (seit 2002). Wechselnde Lehrbeauftragte ergänzen immer wieder die Lehrangebote, vor allem aber die Assistenturen von Dr. Volker Grabowsky (jetzt Professor in Münster) und Frau Dr. Suteera Nittayananta, die den Ausbau der Abteilung der Abteilung/ des Arbeitsbereichs dokumentieren. Durch einen regelmäßigen Lehrauftrag an Dr. Hans-Bernd Zöllner kamen auch Birma und das Birmanische wieder in das Programm. Bedeutende Bücherstiftungen, vor allem aus Vietnam, förderten die Abteilung, die ihrerseits durch mehrere öffentlichkeitsorientierte Programme die Kenntnisse über diese Region Südostasien verbreitet.

Neue akademische Fächer wachsen langsam heran, wie die Thaiistik und die Vietnamistik in Hamburg. Inzwischen sucht dieser Arbeitsbereich in Deutschland seinesgleichen, und auch im übrigen Europa, dann meist in kolonialer Tradition, sind vergleichbare Einrichtungen an wenigen Fingern abzuzählen. Thaiistik und Vietnamistik in Hamburg begegnen in Wirtschaft und Gesellschaft der Freien und Hansestadt einem aufgeschlossenen und engagiertem Umfeld.

Für angrenzende akademische Fächer, die Sinologie zum Beispiel, sind beide Fächer unersetzlich. Das galt schon vor fünfzig Jahren, bei den ersten Ansätzen zu ihrer Gründung. Wegen wissenschaftlicher und praktischer
Erwägungen werden fach- und regionenübergreifende Forschungen und universitäre Ausbildungswege künftig immer wichtiger werden. Die Vermittlung von Kenntnissen über sie dürfte sich als Investition in die Zukunft erweisen.

Nach Größe, Bevölkerungszahl und regionaler Bedeutung sind Thailand und Vietnam der Bundesrepublik Deutschland vergleichbar, doch diese verfügt nur über wenige Experten für sie. Wie sagte doch unlängst, in einer kleinen Mittagsrunde aus Leuten der Wirtschaft und Professoren, der Manager eines Hamburger Weltunternehmens? Er sagte: "Es wäre kurzsichtig, allein auf China zu setzen." Länder mittlerer Größe, eben Vietnam und Thailand, erforderten ebenfalls ein Engagement. Überdies: Wirtschaftliches Engagement in ihnen wird bald genauer kalkulierbar sein als in anderen "Zukunftsregionen".
 
 
 

 Semesteranfang und Marketing

Am Montag, dem 18. Oktober, sollten an der Uni Hamburg die Lehrveranstaltungen beginnen. Im AAI heißt das, daß ältere Studierende für die Erstsemester an diesem Tag und an den nachfolgenden Tagen sogenannte Orientierungseinheiten vorbereiten oder daß die Lehrkräfte mit den Einführungen in ihre Lehrveranstaltungen beginnen.

An diesem Semesteranfang sollte das anders sein: Das universitäre Marketing hatte alle Veranstaltungsräume einem externen Veranstalter zugesagt – wahrscheinlich gegen "cash", das sich mit solchem "Marketing" verbinden soll. Allem Anschein nach stammte dieses "cash" auch noch aus öffentlichen Mitteln. Auch für Dienstag werden die AAI-Veranstaltungsräume noch zu diesem Zwecke reserviert.

Die Kernaufgabe einer Universität sollte doch wohl noch immer und unter anderem die Gewährleistung von Studienangeboten sein, keineswegs die Vermietung ihrer Räume, wenn diese für universitäre Veranstaltungen benötigt werden. Indes, hinzukommt noch etwas anderes:

Im AAI arbeiten nicht wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch abends und an den Wochenenden.
Gerade vor Semesterbeginn ist das unerläßlich. Nun, am Sonntag, dem 17. Oktober, versuchte das der Berichterstatter, doch die externen Raumnutzer mußten offenbar diese Räume nach ihrer eigenen Fasson umgestalten: einfach Krach! Und ein entnervter Kollege schrieb von den späteren Stunden am Sonnabend, dem 16. Oktober: "Gestern Tango mit der Deutschen Welle, heute Greenpeace, noch recht friedlich – es ist lästig." Das waren andere externe Raumnutzer gewesen.

Die Mitarbeiter im AAI freuen sich immer wieder darüber, in diesem lichten Gebäude arbeiten zu können. Nicht weniger freuen sie sich darüber, daß externe Interessenten es nutzen wollen – in den freien Zeiten. Inzwischen wird diese Freude vergällt: Fremdnutzer reservieren Räume monatelang voraus, und wenn dann im AAI während des Semesters plötzlich ein Raum für eine Veranstaltung benötigt wird – und die Anlässe dafür sind zahlreich! – findet sich keiner mehr. Die Termine für den wissenschaftlichen Diskurs, auch die für den Austausch zwischen Universität und Öffentlichkeit lassen sich nun einmal nicht ein Jahr im Voraus festlegen! – Und die Orientierungseinheit der Sinologen mußte am Mittwoch nach Semesterbeginn in das Uni-Hauptgebäude ausweichen.

Besonders ärgerlich war an diesem 18. Oktober: Der Fremdnutzer hatte die AAI-Räume für die Zeit von 8/9 Uhr am Morgen bis 21Uhr am Abend reserviert. Genutzt wurden sie frühestens ab 13 Uhr. Da hätten die "Orientierungseinheiten" am Vormittag schon einmal beginnen können! Auch am Dienstag wurden die reservierten Räume kaum in Anspruch genommen.

Noch ärgerlicher: An diesem ersten Tag des Semesters lag das universitäre Vorlesungsverzeichnis für dieses Wintersemester wieder einmal nicht vor! Für das eigentliche "marketing" einer Uni – nämlich das auf die Studierenden gerichtete – sollte gehören, daß dieser Wegweiser durch eine Universität und ein Semester einige Zeit vor Semesterbeginn zu erwerben und einzusehen ist. – Wenn die Verwaltung das nicht schafft, dann sollte man darauf pfeifen, die Kosten dafür einsparen und für die Förderung von "Bildung, Forschung und Lehre" verwenden.
 
 
 

 Geheimnisvolle Bank of China

Hamburg rühmt sich, Sitz von 320 chinesischen Firmen zu sein. Über deren Geschäft ist allerdings kaum etwas bekannt. Vielleicht reizte das zwei Sinologiestudenten, Sören Eichhorst und Henning Richter, hierüber mehr herauszufinden, im Rahmen einer kleinen Proseminararbeit. Was lag näher, als sich hierfür die Bank of China herauszusuchen, in Rathausnähe gelegen? Da staunten beide das erste Mal:

"Nach rezenten Besuchen in Shanghai mit seiner prächtigen modernen Architektur wollte das triste, den Besucher unwillkürlich an das Direktoratszimmer seines in den frühen 1960er Jahren erbauten Gymnasiums im beschaulichen Unterfranken erinnernde Innere nicht so recht zu dem sonst von der Bank of China gepflegten internationalen Image passen."

Selten hat ein Schüler Gelegenheit, das Direktoratzimmer seines Gymnasiums in Augenschein zu nehmen, und wenn dann der Direktor/ die Direktorin darin auch nach anwesend sind, ist diese Gelegenheit meistens eine unangenehme. In der Bank of China, Hamburg, empfing der "Filialleiter", wie Sören Eichhorst ihn etwas despektierlich nennt, diesen "kleinen" Studenten schon beim zweiten Versuch: höchst anerkennenswert! Erzählen mochte er ihm allerdings auch nichts, verwies ihn auf den Geschäftsbericht im Internet, der über die Niederlassung in Hamburg nicht mehr als die Adresse verrät, hatte noch nicht einmal Werbematerialien zur Verfügung: "Uns kennt ja jeder. Wer mit uns arbeiten will, kommt zu uns."

Die beiden ließen ich nicht entmutigen. Sie wandten sich an die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF), die auch bereitwillig Auskunft erteilte:

Bank of China, Hamburg "Die Bank of China ist im Jahr 1992 an uns herangetreten mit der Bitte um Unterstützung bei Ansiedlung einer Niederlassung in Hamburg. Dem sind wir natürlich gern nachgekommen und haben die Ansiedlung per 28.10.1993 verbuchen können. Seitdem ist die BoC mit einem eher kleinen Team an der Adresse Rathausmarkt 5 ansässig und betreut überwiegend chinesische Firmenkunden. Wir pflegen den Kontakt, besuchen auch alle paar Jahre die Muttergesellschaft in Beijing und stehen für Unterstützung bereit."

Diese Auskunft ergab immerhin ein Datum. Indes, ob bei solchen Beijing-Besuchen auch etwas besprochen wird? Amüsant zu lesen ist, wie die beiden Jungforscher weitere Informationen zu gewinnen versuchten, doch es blieb bei Allgemeinheiten:

"Die Hansestadt wickelt etwa 60 % des gesamten deutschen Chinahandels ab, und Hamburg ist mit großem Abstand der deutsche Standort mit den meisten ansässigen Unternehmen aus der Volksrepublik. Fast drei Viertel sind dabei im Außenhandel tätig. So überrascht es auch nicht, daß Hamburg im Jahre 2003 mit einem Zuwachs von 25,1 % und einem absoluten Volumen von etwa 1,3 Millionen TEU (Twenty-Foot Equivalent Unit) im europäischen Vergleich den Chinahandel klar vor Rotterdam (etwa 1,0 Millionen TEU) beherrschte. Über das Wirken der Bank of China in diesem Zusammenhang wurden keine weiteren Informationen gefunden."

Wirtschaftsunternehmen geizen nun einmal mit Informationen, sofern sie nicht durch gesetzliche Regelungen dazu verpflichtet sind oder ihr Bild in der Öffentlichkeit aufhellen möchten. Chinesische Firmen haben es da noch leichter, in dieser Hinsicht Meisterschaft zu erlangen. Hochbeglückt verließen die beiden dennoch die Hamburger Bank of China: vier Kugelschreiber und zwei DVD und "die Gewißheit, nichts Neues erfahren zu haben." Vor allem die DVD, für chinesische, in Hamburg ansiedlungswillige Firmen gedacht, entzückte sie – als "origineller Zeitvertreib, da man seine Heimatstadt so schön und kitschig selten gesehen hat."

Andernorts kamen noch ein Wimpel, ein paar Wirtschaftszeitschriften und ein Schlüsselanhänger hinzu. Und so faßten die beiden ihre Erkundungen in einem Satz zusammen, der jedes Politikers würdig wäre und der von beinahe staatsmännischer Besonnenheit zeugt: "Entscheidend ist, daß Hamburgs eigene Filiale der Bank of China ein Zeichen dafür ist, wie viel Bedeutung auch die chinesische Seite dem Handel mit der Hansestadt beimisst." Dem ist nichts hinzuzufügen! Ein paar Zahlen über den Geschäftsumfang wären gleichwohl ganz interessant.
 
 
 

 Zukunftsprojekt: kaum begeisternd!

Der Berichterstatter hat als Hamburger Beamter das Privileg, regelmäßig die Verlautbarungen von Verwaltungsinstanzen der Freien und Hansestadt lesen zu dürfen: eine liebenswürdige Lektüre, naturgemäß.

Besonders liebenswürdig war ein Schreiben des Präses der Justizbehörde, von Justizsenator Dr. Roger Kusch also. Etwas mißverständlich war es an "alle Mitarbeiterinnen und Miterbeiter der Freien und Hansestadt Hamburg" gerichtet, aber sonst war fast alles o.k. Es hob an:

"Die Modernisierung unserer Verwaltung ist ein besonderes Anliegen des Senats. Dazu gehört auch die Deregulierung, das heißt, überflüssige Vorschriften abzuschaffen und umständliche Regelungen zu vereinfachen."

Das Deutsch holpert ein wenig, und über das Wort "Anliegen" steht im "Wörterbuch des Unmenschen" Sarkastisches, aber das Ziel des Senators ist vernünftig, und so bittet er, überflüssige Vorschriften aus dem hamburgischen Landesrecht zu melden, die "für Ihre Kunden – die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt – hinderlich" sein könnten. So ganz einfach ist das Verfahren allerdings nicht:

"Bitte versehen Sie Ihren Vorschlag mit einer kurzen Schilderung der Problemlage, die Sie erkennen, nennen Sie die einschlägigen Paragraphen in den anzuwendenden Gesetzen bzw. Verordnungen, und unterbreiten Sie einen Vorschlag, wie die Änderung in etwa aussehen könnte."

Steht hier vielleicht ein Komma zu viel? Und wer kennt schon die "einschlägigen Paragraphen" für stadtbeamtliches Wirken? Prämien werden dann verheißen wie bei einem Illustrierten-Preisrätsel, und "Einsendeschluß" ist der 31. Oktober dieses Jahres.

Als wenn solch eine Mühewaltung nicht eine beständige Aufgabe wäre! Sprach der Senator nicht auch von "Kunden"? Wie wäre das, wenn alle Hamburger Ämter mit Publikumsverkehr ihre Öffnungszeiten denen der Handelsgeschäfte anpaßten, zumindest von Montag bis Freitag auch Sprechstunden von 18 bis 20 Uhr einräumten, am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr?

Die "Kunden" wären dankbar. Schließlich muß sich mancher für einen Gang zur Behörde einen Urlaubstag nehmen oder sich auf andere Weise diese Zeit herausschinden, die er gerne mit einem Frühabend-Besuch bei Karstadt verbände. In mehrfachem Sinne würden abendliche Öffnungszeiten von Ämtern wohl zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung beitragen.
 
 
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