Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 33
30. August 2004
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
 

 Hamburger Chinahandel vor 50 Jahren

Das Jahr 1954 war für den Hamburger Hafen anscheinend ein gutes Jahr. 15.775 Frachter liefen ihn in diesem Jahr an. Das waren tausend mehr als im Vorjahr, und damit war die Vorkriegszahl beinahe erreicht. Der Hafen hatte sich von den Kriegsschäden weitgehend erholt.

Aus dem "Verkehrsgebiet China", wie das die Hafenstatistiken nennen, kamen 284 Schiffe (nach 234 im Jahre 1953) und 228 Schiffe gingen in dieses Verkehrsgebiet ab (nach 191). Das waren beachtliche Steigerungen. Insgesamt zählen die Hafenstatistiken elf Häfen zu diesem Verkehrgebiet. Der wichtigste ist mit weitem Abstand Hongkong. Ihm folgen Taku und Tsingtau, dann erst kommt Shanghai, mit nur wenigen Schiffen. Ihr Ladevermögen lag stets ungefähr bei einer Mio. NRT, doch das wurde allein durch die Chinafracht nicht ausgeschöpft.

Der "Empfang" aus China, 1954 256.636 t gegenüber den 207.823 t im Jahre 1953, wuchs ebenfalls, auch der "Versand": 26.212 t/25.452 t. Der Import überstieg den Export also weit. Hamburger Exporteure hatten daran einen nicht unerheblichen Anteil. Sie sorgten, bei der Ausfuhr, im Jahre 1954 allein für 13.158 t Fracht, nach 15.886 t im Vorjahr. Viel zu verdienen war mit diesem Verkehrsgebiet damals, allem Anschein nach, nicht, oder nur in Teilbereichen.

Ölsaaten vor allem wurden aus China importiert, auch tierische Fette und Eisenerz, überraschenderweise auch Fleisch und Fleischkonserven, während nach China vor allem Düngemittel abgingen. Auch schon 20.000 t Reis wurden aus China über den Hamburger Hafen importiert, knapp tausend Tonnen Nüsse, sogar 743 Tonnen Erbsen. Der Markt für Sojabohnen war hierzulande offenbar eingebrochen. Nach 39.457 t im Jahre 1953 wurden im Jahre 1954 nur 514 t gelandet. Das alles waren meistens Billigpreisgüter.

"China Terminal" Hamburg; © Foto: Martina Dietrich Gut verdient wurde wahrscheinlich mit den 3.419 t Tee, die aus China in den Hafen gelangten. Hierzu trug wahrscheinlich auch eine Kuriosität bei, die beinahe vergessen ist. Nachdem im Jahre 1939 für Tee Bezugsscheine, die den Teehandel zum Erliegen brachten, eingeführt worden waren, wurde im Jahre 1949, dem Gründungsjahr der Bundesrepublik, eine Teesteuer von stattlichen 15 DM je Kilo erhoben. Tee galt entweder als Luxusgut oder als Arznei. Erst vehemente Proteste der Ostfriesen, die sich um den Genuß ihres Nationalgetränks gebracht sahen, bewirkten, daß im Jahre 1953 die Teesteuer auf drei DM gesenkt wurde – so hoch, wie der Einfuhrwert war. Beträchtliche Preissenkungen waren möglich – für die Ostfriesen. Als die später wieder erhöhte Teesteuer zum 1.Januar 1993 abgeschafft wurde, war von solchen Vergünstigungen für den Kunden wenig zu spüren. Da hatte dieses Getränk auch im übrigen Deutschland, jenseits von Ostfriesland, seine Liebhaber gefunden.

Die Abbildung (Foto: Martina Dietrich) stammt aus den 1980er Jahren. Es bietet einen Blick auf den "China Terminal", der von 1948 bis 1993 bestand. Damals waren VR-Seeleute, von den Schiffsoffizieren abgesehen, kaum bereit, einmal mit einer Sinologiestudentin zu schwatzen.
 
 
 

 6. Deutsche Qigong-Tage in Hamburg

Für Staatsrat Dr. Roland Salchow ist "ein besonderes Anliegen, daß auch im Bereich des Qigong auf ein wissenschaftlich-fundiertes Verständnis der Grundlagen hingearbeitet wird." Er weiß zusätzlich: "In Deutschland sind Forscher in diesem Bereich aktiv." Das passe überdies zu der Senatspolitik, im Universitätskrankenhaus UKE ein TCM-Zentrum einzurichten.

Chinas Hamburger Generalkonsul Ma Jinsheng erklärt: "Qigong, das in China auf eine Geschichte von Tausenden von Jahren zurückblicken kann, behält bis heute seine volle Lebenskraft und wird weiter entfaltet und entwickelt. In unserer modernen Zeit, in der ein schneller Lebensrhythmus und Streß vorherrschen, ist Qigong durch sein Streben zur Harmonie, seine Entspannungskraft, Gesundheitsförderung, Heilungswirkung von noch größerer Bedeutung."

6. Deutsche Qigong-Tage in Hamburg, Programmheft Solche Kernsätze finden sich in den Begrüßungsworten, die das Programmheft der 6. Deutschen Qigong-Tage, die vom 24. bis 26. September in Hamburg stattfinden, eröffnen. Auf 74 Seiten stellt dieses Heft ein erstaunlich weitgefächertes Programm vor, das sogar "Schlaumacherübungen" umfaßt. Die Veranstaltungsformen sind ebenso vielfältig, und im hinteren Teil des Heftes werden die Mitwirkenden vorgestellt: Qigong-Experten aus Deutschland und China.

Alle zwei Jahre finden diese Kongresse statt, von jeweils anderen Organisatoren vorbereitet. Diesmal stammt das Organisationskomitee aus dem "Taijiquan & Qigong Netzwerk Deutschland". Die China-Abteilung des Asien-Afrika-Instituts der Universität stand den Organisatoren hilfreich zur Seite, so können diese Tage in dessen Flügelbau Ost stattfinden. Da dann noch die vorlesungsfreie Zeit waltet, wird das muntere Völkchen der Qigong-Enthusiasten an diesem Wochenende hoffentlich nur wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihren Arbeiten stören.

Auf der Titelseite des Programmhefts ist als Logo auch ein bekanntes Wort aus der chinesischen Tradition wiedergegeben. "Aus dem Einen entsteht alles", soll es sinngemäß bedeuten oder "Alle Wandlungen führen zurück zum Einen". Was hätte sich Konfuzius (551-479) dazu gedacht, auf den dieses Wort zurückgeht – und der etwas ganz anderes damit meinte? Zu seinen Zeiten existierten solche Übungen wie die des Qigong noch nicht, und wenn es sie gegeben hätte, dann hätte er sich entrüstet dagegen gewandt. Indes, Goldene Worte haben ihre eigene Begriffsgeschichte, und Chinas Lehrmeister der Moral hat ebenfalls manchem Wort einen neuen Sinn gegeben.
 
 
 

 Touristenleid und -freuden

Da ärgerte der Flaneur sich, als er sich für sommerliche Erheiterungen und für eine Mußestunde in Hamburgs City begab: Der Rathausmarkt war schon wieder mit unansehnlichen Zeltbuden vollgestellt! Entweder ist die Freie und Hansestadt so arm dran, daß sie das Geld aus den Standmieten braucht, oder die Zuständigen verfügen über so wenig Stil, daß ihnen nichts ausmacht, wenn das prachtvolle Rathaus ständig durch Bratwurst-, Glühwein- und ähnliche Schwaden eingehüllt wird. Wahrscheinlich fehlt es an beidem – an Geld und Stil.

Geärgert hat sich auch eine chinesische Reisegruppe. Sie wollte das Rathaus fotografieren – und jeder den anderen davor. Stattdessen mußten die zwei Frauen und achtzehn Männer, die meisten um die Dreißig, sich verrenken, um wenigstens eine einzige ansehnliche Rathausecke für ihre Digitalkameras einzufangen. Angestrengt sahen sie dabei aus.

Chinesische Reisegruppe in Hamburg

Ein Lächeln flog jedoch über alle Gesichter, als sie nahebei drei Fahrradrikschas erblickten. In der einen wartete sogar eine ansehnliche junge Dame als Kuli. Flugs blickten die Chinesen wieder auf die Bildanzeigen an den ausgestreckten Armen. Wahrscheinlich hätten sie sich noch mehr amüsiert, wenn sie den Werbespruch der Hamburger Elektrizitätswerke (HEW) auf den Rikschas hätten lesen können: "Die Energie dieser Stadt". Nur PR-Feinsinn kann zu solchen Versicherungen auf diesen kuriosen Gefährten, die durch zwei Beinkräfte sehr gemächlich bewegt werden, raten.

Ein paar Meter weiter entdeckten die chinesischen Gäste gar noch eine kleine Blaskapelle, in passender Gewandung. Sie ruhte gerade aus, doch angesichts der Gäste aus der Ferne setzten die fünf Bläser ihre Marterinstrumente an die Lippen – und wieder wurden die Kameras hochgehalten. Jetzt schienen die chinesischen Rathausmarktbesucher zufrieden, und nicht unbeachtet sei: Sie bedankten sich, mehrköpfig nickend, bei den Rikschakulis und den Marschbläsern.

Wieder heiter, angesichts solcher HH Chinesenfreundlichkeiten, suchte der Flaneur in einem Café nebenbei den Schatten. Er bestellte einen Dezi Chablis, bestand aber darauf, daß der in einem "doppelstöckigen" Schnapsglas serviert und daß sogleich ein ansehnlicher Kübel mit Eiswürfeln bereitgestellt werde. Auf solche Weise hatte er dereinst sein erstes Glas Wein in China genossen, für acht Dollar – im "Peace" in Shanghai. Die liebenswürdige junge Frau, die in diesem Café bediente, zeigte sich über die Eigenart der Bestellung nur maßvoll irritiert.

Das läßt hoffen, wenn Hamburger Bürger sich so auf ihre Gäste einstellen! – Am Rathausmarkt sah der Flaneur auch ein Hin- und Wegweisposter – in Englisch, Französisch, Japanisch und Chinesisch. Nur ein Müßiggänger wird es an dieser Stelle bemerken. Es verweist auf das Rathaus, das er schon längst erblickt hat – jedenfalls die Rathausuhr am Türmchen über den Zeltplanen.
 
 
 [China - Hamburg]   [ChinaS]   [Schreibtisch-Notizen]   [Chinatexte] 
 
Seitenanfang Hauptseite Suche & Archiv Impressum