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Deutsche Chinatexte
 
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Wünsche in Waschbecken

Inschriften zählen zu den interessantesten Zeugnissen der altchinesischen Kultur. Allerdings sind sie fast immer schwer zu verstehen und noch schwerer zu interpretieren. Das gilt auch für die Inschriften aus der Han-Zeit (206 v.Chr. - 220 n.Chr.), die überwiegend sehr kurz sind.

In nicht wenigen Gräbern aus dieser Zeit fanden die Ausgräber Waschgefäße aus Bronze. Diese zeigen auf der Innenseite des Gefäßbodens oft zwei Fische und eine kurze Inschrift. Fische als Tiere des Wassers - das kann der Betrachter als Dekor eines Waschbeckens nachvollziehen. Was aber sollen die Inschriften? Sie lauten, wie die hier (in wörtlicher Übersetzung) wiedergegebenen, oft:

- "Lange geeignet für Söhne und Enkel."
- "Geeignet für einen Markgrafen oder König."
- "Reichtum und Ansehen strahlen,/ geeignet für einen Markgrafen oder König."

Diese dritte Inschrift reimt sogar. Vielleicht bedeuten solche Inschriften Segenswünsche für den Inhaber eines solchen Gefäßes: Er möge viele Nachkommen haben, es zu hohem Ansehen bringen usw. Andererseits könnte eine solche Inschrift auch etwas über den Wert des Gefäßes ausdrücken: Es sei so gut gearbeitet, daß es vielen Generationen nutzbar sei, oder so wertvoll, daß sich eigentlich nur ein König darin das Gesicht waschen oder spiegeln dürfe. Noch andere Interpretationen liegen nahe.

Wie dem auch sei. Die Gelehrten widmen derlei Kleinigkeiten selten ihre Aufmerksamkeit. Die Fische sind hier jedenfalls nicht nur die Bewohner der Wasser, sondern eindeutig auch Symbole - für reiche Nachkommenschaft und Überfluß an Glücksgütern.

Die Vorstellung, daß der Inhaber eines solchen Gefäßes bei jeder Morgenwäsche eine solche Inschrift betrachtete, erheitert. - Viele Einzelheiten der Kultur des Alten China sind heute noch ganz unverstanden.

 
 
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