Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 28
18. Januar 2004
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
 

 "Hamburger China-Initiative"

Initiativen dieser Art gibt es in Hamburg wahrscheinlich mehrere. Diese jedoch ist eine besondere und deshalb auch in der Senatskanzlei angesiedelt, unter Leitung von Dr. Carsten Krause. Sie läßt sich auch Besonderes einfallen, zum Beispiel das Projekt "Hamburg auf Chinesisch", was sich zunächst gar nicht besonders anhört, und das von Donna Hannemann und Mark Böschen als Praktikanten betreut wird.

An einem Vorweihnachtsabend trafen diese drei sich im Rathaus mit sieben weiteren Chinakennern aus Wissenschaft und Praxis und stellten ihr Projekt vor - ein "amtliches" Hamburg-Vokabular auf Chinesisch. Verwunderlich mag angesichts der langjährigen Hamburger Chinakontakte erscheinen, daß es derlei noch nicht gibt. Jede Institution und Firma, ob deutsch oder chinesisch, hält sich an ihre eigenen Übersetzungen und die damit verbundenen Erwägungen.

Hamburg auf Chinesisch Was ist in diesem Zusammenhang alles zu erwägen! Die Drei aus dem Rathaus legten eine erste Liste mit knapp 400 Ausdrücken und vorliegenden sowie eigenen Übersetzungen ins Chinesische vor. Diese reichten von den Bereichen "Politik und Regierung" und "Hamburger Unternehmen" bis zu "Sehenswürdigkeiten" und "Straßen" sowie den Namen berühmter Hamburger.

Wie soll künftig, zum Beispiel, "Freie und Hansestadt" oder "Erster Bürgermeister" übersetzt werden? Für beide Begriffe wurden bisher mehrere Übersetzungen gebraucht, ein wenig verwirrend. Überhaupt läßt sich die politische Verfassung Hamburgs nur schlecht auf Chinesisch darstellen - aufgrund seiner Zwitterstellung als Stadt und Bundesland. Welche chinesische Terminologie soll man dann als Muster gebrauchen, zumal es auch Hamburg-Institutionen gibt, die in China ohne jede Entsprechung sind, zum Beispiel die Deputationen der Bürgerschaft.

Bei anderen Bezeichnungen stellt sich das ewig gleiche Problem: inhaltliche Übersetzung oder lautliche Wiedergabe? Die bisherigen chinesische Versionen für "Reeperbahn" und Jungfernstieg entschieden sich mal so, mal so. So erinnerte die chinesische Version des Jungfernstiegs einmal tatsächlich an "junge Frauen" (shao-nü) oder über die lautliche Wiedergabe yung-fang an ganz anderes, nämlich "Ewigen Duft".

Viel Umsicht und Bedacht wird noch in dieses mustergültige Projekt einfließen, bevor in jedem Falle Entscheidungen getroffen werden können, die sich rechtfertigen lassen. Dann aber wird dieses Glossar für alle, die an den Hamburger China-Kontakten mitwirken, ein unentbehrliches Hilfsmittel werden und sich weiter Verbreitung erfreuen.

Vielleicht wird sich dann auch manche Hamburg-Chinafirma - nach einer entsprechenden Anregung - überlegen, ob sie ihren chinesischen Namen nicht ändern sollte. Nicht alle von den Namen, welche "Die Drei" im Rathaus zusammentrugen, klingen auf Chinesisch nämlich vorteilhaft. - Obwohl jetzt im Rathaus angesiedelt, stammt Carsten Krause eigentlich aus der Abteilung für Sprache und Kultur Chinas des Asien-Afrika-Instituts der Universität Hamburg, und Donna Hannemann und Mark Böschen streben in dieser gerade ihren Examen zu.
 
 
 

 Hamburg-Chinesin als Malerin

Allmählich könnte als sinnvoll erscheinen, eine kommentierte Bibliographie der Hamburg-Literatur in chinesischer Sprache zusammenzustellen. Aufschlußreich würde dann auch deren interpretierende Auswertung ausfallen.

Nicht wenige Chinesen, die in Hamburg weilten oder noch hier leben, haben über ihre Gaststadt geschrieben, mehrere Frauen darunter. Zu ihnen zählt Lüping Tan-Storjohann, die das abgebildete Bändchen im Jahre 2002 veröffentlichte.

Tan Lüping Es enthält auf 175 Seiten mehr als dreißig Miniaturen - Erinnerungen aus dem eigenen Leben, Eindrücke aus dem Alltag, über Begegnungen mit anderen Menschen, natürlich auch Hamburgern, Miniaturen über Gegebenheiten des Wechsels der Lebenswelten, woran auch der Titel erinnert. Abbildungen von Fotos kommen hinzu.

Heute soll allerdings aus einem anderen Grunde auf dieses Bändchen hingewiesen werden. Frau Tan-Storjohann wirkt auch als Künstlerin, welche die Techniken der traditionellen chinesischen Tuschemalerei beherrscht, deren traditionellen Themen aber neuen, oft witzigen Ausdruck gibt.

In der » Galerie "ZEN art" von Dr. Karl Hennig, Wexstraße 35, sind gegenwärtig einige ihrer Arbeiten zu betrachten. In dieser lohnt ein Besuch stets, denn ihr Inhaber verfügt nicht nur über wissenschaftliche Kompetenz, sondern auch über Gespür für die Qualitäten von Künstlern, die noch nicht vielseits gerühmt wurden. Außerdem sind in seinen Ausstellungsräumen stets herausragende Exemplare traditioneller chinesischer und japanischer Kunst und des Kunstgewerbes zu betrachten. Nur solche Anschauung schärft den Blick für deren Großartigkeiten.

Das abgebildete Umschlagbild zu dem Buch von Tan Lüping stammt aus ihrem Pinsel. Es ist ein schönes Beispiel für die kleinen Hintergründigkeiten, die diese Frau sowohl in ihren Texten als auch in ihren Tuschemalereien und Kalligraphien unterzubringen weiß.
 
 
 

 Hamburg-Führer auf Chinesisch

Hamburg-Führer auf Chinesisch Dahingestellt mag sein, ob Hamburg in den nächsten Jahren oder dereinst zahlreiche chinesische Touristen anlocken wird. Im Jahre 2002 suchten immerhin, nach amtlicher Statistik, 12785 Besucher aus Chinas die Freie und Hansestadt auf und verweilten durchschnittlich mehr als zwei Tage, von den nicht registrierten chinesischen Gästen abgesehen. Da tut sich anscheinend ein kleiner Markt auf.

Ende Dezember 2003 ist er denn auch erschienen - ein neuer Hamburg-Führer in chinesischer Sprache. Ein Reiseführer im konventionellen Verständnis ist das gewiß nicht, sondern ein Magazin - mit seinen 400 Abbildungen, die sich auf etwas mehr als 200 Seiten verteilen.

Eine Fülle von Kurzinformationen über Hamburg trägt dieser Band zusammen, die wirklich nichts auslassen von dem, was ein flüchtiger Gast über die Stadt wissen sollte oder möchte. Die klassischen touristischen Orte finden ihren Platz, auch bedeutende Hamburger, wie Johannes Brahms, und fast alle Hamburger Institutionen, die mit China in engerer Beziehung stehen. Überhaupt fällt auf, daß dieses Magazin sorgfältig auf die Interessen und Bedürfnisse chinesischer Benutzer abgestimmt ist.

In jeder Hinsicht - und offensichtlich durch hilfreiche Mitwirkung mehrerer Hamburger Behörden - ist der Text aktuell. Sogar ein Hinweis darauf, daß die Täter des "Neun-Elf-Zwischenfalls" ihre Pläne an der Harburger Hochschule auskochten, fehlt nicht. Ein schönes Geschenk für chinesische Gäste und Freunde ist das Magazin allemal. Li Dongliang, der an der Abteilung für Sprache und Kultur Chinas des Asien-Afrika-Instituts der Uni Hamburg zum Dr. phil. promoviert wurde, recherchierte und schrieb die Texte.

In der gleichen Serie und in entsprechender Ausstattung erschienen bereits Magazine über Frankfurt und Heidelberg. Weitere über Berlin und München werden vorbereitet. Nicht nur in touristischer Hinsicht steht Hamburg also in ernstzunehmender deutscher Konkurrenz, sondern auch in anderer und noch wichtigerer Hinsicht.

In Hamburg noch unbeachtet, bereitet das rheinische Düsseldorf Pläne vor, die es zur "Chinesen-Hochburg" in Deutschland machen sollen. Es hat mit den Japanern, die es aus dem ganzen übrigen Deutschland angezogen hat, seine guten Erfahrungen gemacht, verfügt auch über einige Vorzüge in der Infrastruktur. Da könnten die "Chinesenburg" Hamburg plötzlich schlechte Karten haben. Immerhin, ein chinesischer Reiseführer über Düsseldorf und seine berühmte Altstadt liegt anscheinend noch nicht vor.
 
 
 

 Hamburgs MAX entdeckt Shanghai

MAX Endlich hat auch die Friseur-Postille » MAX China entdeckt, genauer: Shanghai! Zwei leitende Herren waren im März 2003 nach dort geflogen und hatten flugs einen "Chinakoordinator" bestallt, dem sich dann noch einige chinesische Journalisten zugesellten, welche die Hamburger Herren und ihre gegenwärtigen Leser vor allem in das Shanghaier Nachtleben einweisen sollen. Sie tun das, das sei schon einmal festgehalten, mit Diskretion. Ihre genaueren Geheimnisse behalten auch die Shanghaier gerne für sich.

Auf knapp sechzig Seiten berichtet MAX über Shanghai - so das Übliche, zwischen Architektur, Mode und Bernie Ecclestone und Strich: nett zu lesen, doch bedeutungslos und ohne wesentliche Information. Wer indes in der behaglichen Hamburger Milchstraße residiert und dann nach Shanghai aufbricht - der Leser spürt ein beinahe kindliches Staunen. "Welt, schau auf diese Stadt!" rufen unsere MAX-Jungs aus, und sie schließen diesen Auftakt mit der Prophezeiung: "Shanghai wird uns alle verändern - ob wir wollen oder nicht."

Bei MAX ist das schon geschehen. Im gleichen Heft findet sich immerhin noch ein Drachentattoo an einem zarten Oberarm, das langvertraute "Der Weg ist das Ziel" muß wieder einmal für eine Überschrift herhalten, und das neueste Werbegeschenk, "MAX-Shopping-Bag", also ein Einkaufsbeutel, trägt den Aufdruck SHA, das Flughafenkürzel für Shanghai. Wenn das nicht schon eine Veränderung ist!

An Einzelheiten zeigt sich, daß die Schreiber nicht viel Ahnung haben. Einen Chinesen namens Wie Wu gibt es natürlich nicht, den schafft erst die Rechtschreibungskorrektur der PCs. Und vielleicht hätte sich MAX schon einmal bei den Hamburg-Shanghaitagen und Chinawochen im Jahre 2002 umsehen sollen. Dann wäre es wohl auf ein paar weitere interessante Einzelheiten gestoßen. Da aber kannte MAX Shanghai noch gar nicht, und - nebenbei bemerkt - "geshanghait" wurde ehedem auch in Hamburg!

Folgen wir also dem Ruf aus der Milchstraße: "Welt, schau auf diese Stadt!" Das nächste Mal bringt MAX aus Shanghai nach genauerem Hinsehen hoffentlich auch ein paar Anzeigen mit. Eingerahmt werden diese sechzig Seiten nämlich durch Anzeigen der Autohersteller KIA und Opel. Ob die zu all dem beschriebenen Glanz passen?
 
 
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