Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 24
7. Juni 2003
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte Deutsche Chinatexte
 
         
 

"Die SARS-Maschine läuft"

(Ein HH-Jungdichter übermittelte den HCN unlängst ein Gedicht zum Thema SARS. Er erläuterte, daß er dessen Verse und Strophen aus Überschriften deutscher Tageszeitungen zusammengestellt habe. Hierbei habe er lediglich die nicht einheitliche Schreibweise (SARS, Sars) vereinheitlicht. HCN 24 gibt diesen Text zur Kenntnis, obwohl ihr Redakteur weder bei Lang-, noch an Collage-Gedichten irgendein literarisches Vergnügen findet.)
     SARS-Erreger recht veränderlich
     SARS verändert sich
     SARS ist gefährlicher als angenommen
     SARS bleibt lange im Körper
China und das jüngste Gerücht

     SARS beutelt Air Canada
     SARS belastet Arbeitsmarkt
     SARS bedroht Wachstum
     SARS drosselt Chinas Wachstum
     SARS bremst Wirtschaftswachstum in Asien
     SARS bringt Asiens Wirtschaft aus dem Takt
     SARS befällt Atemwege und Nachrichtenkanäle
     SARS lähmt Reiseindustrie
Todesstrafe für SARS-Verbreitung

     SARS: Panik in Peking
     Bitte in Peking bleiben
     4000 Menschen in Peking wegen SARS isoliert
     SARS: Quarantäne in Peking zeigt Wirkung
     Angst und Mißtrauen fegen Pekings Straßen leer
     Seit SARS verschwindet Peking hinter Masken
     SARS: Peking öffnet die Schulen
     Krankenhäuser in Peking überfordert
SARS: Ruhe in Hamburgs Partnerstadt (d.h. Shanghai)

     Müssen wir jetzt alle sterben?
     Händewaschen schützt.
     Keine Zeit für Eitelkeiten!
     Nicht von einem Teller.
Der Kanzlerbesuch steht im Zeichen von SARS

      WHO sieht globale SARS-Epidemie
     WHO: SARS auf Rückzug
     China mobilisiert Armee gegen SARS-Krise
     China schließt Börse aus Sorge vor SARS
     Vietnam macht Hoffnung im Kampf gegen SARS
     EU ruft wegen SARS nach mehr Kompetenzen
     Berlin gibt Finanzhilfe für Kampf gegen SARS
SARS schreckt Schröder nicht ab

     Die Angst geht einkaufen
     Erkältungsmittel gegen SARS
     In den Läden waren wir allein
     Mit Essigdampf gegen den SARS-Erreger
SARS: Angst und Antworten

     Schulen geschlossen, Ferien gestrichen
     Kicker im Zeichen von SARS
     Chinatown im Banne von SARS
     SARS: Tiere in Quarantäne
Außen vor und mittendrin

     Ansteckendes Mißvergnügen aus China
     Wahrheit ohne Mundschutz
     Mit lächelnden Augen machen die Hongkonger einander Mut
     Wenn einer in Hongkong hustet, wackeln in Frankfurt die Kurse
     Flaues Gefühl beim Zwischenstop
     Was SARS über China und den Westen enthüllt
     Der Virus nagt an der Brücke nach China
     SARS auf der Spur und keine Zeit für eine Pizza
Wie ist es, wenn man SARS überlebt?

                                                                                Peter Lohmer

Nur auf zwei formale Eigenheiten dieses Werkes, das aus kollektiver journalistischer Schlagzeilen-Poesie entstand, sei noch hingewiesen: die raffinierten b-Konsonanten nach dem SARS in der zweiten Strophe, auch die angemessen strengen Trochäen in der vierten Strophe, die durch die beschwingten Daktylen in dem Schlußvers über den Kanzlerbesuch gleichsam aufgehoben werden. - Ansonsten: Wer möchte nicht entschlossen diesen brückennagenden Virus aus der letzten Strophe bekämpfen? Auf, Freunde und andere Leser, legen wir uns einen Mundschutz an! (Die FR vom 15. April vermittelt uns hierfür schöne Anregungen aus Hongkong.) Machen wir uns Mut und zeigen uns Liebe mit lächelnden Augen - und holen eine Pizza aus der häuslichen Tiefkühltruhe!

sars-mundschutz (fr, 15.4.2003)

 
 
 

Ein Hamburger Halbchinese

benno kroll Eine neue Art von Chinaliteratur sucht gegenwärtig ihre Leser - und findet sie offenbar leicht: Erinnerungen und Erkundungen aufgrund chinesisch-deutscher Begegnungen. Auch die literarische Form dieser Darstellungen stellt sich grenzüberschreitend dar: Neben Autobiographisches treten romanhafte Elemente oder solche der emotionalen Reportage. "Schmuseliteratur" ist das allemal.

Der jetzt 73jährige "STERN"-Reporter Benno Kroll, den das Leben ziemlich umhergetrieben hat, erfuhr erst im Alter von 21 Jahren, daß sein Vater ein Chinese war. Noch viel später sah er diesen erstmals, galt als Kind eines preußischen Regierungsobersekretärs, während der richtige Vater in China in hohe Regierungspositionen aufstieg. Krolls Mutter hatte ihrem studentischen Geliebten nicht nach dort folgen wollen. Das war damals, um 1930, keine gute Zeit in China, als sich der Sprößling ankündigte, allerdings auch keine gute in Deutschland.

Irgendwann begibt sich Kroll daran, seine chinesische Familie zu erkunden. Solche "roots"-Suche war auch vor ungefähr 30 Jahren einmal modern, ausgehend von den Afroamerikanern. Jetzt erschließt sie sich neue Bereiche, auch in Deutschland, kehrt sogar zu den früher oft belächelten genealogischen Familienforschungen zurück - und spannend ist das allemal, wenn es entweder gut erzählt wird oder Einsichten vermittelt. Kroll findet nicht nur den Vater, der seine Erkundungen fördert, sondern auch eine ganze neue Familie, seine chinesische.

Kroll versucht, in diese ferne chinesische Welt einzutauchen. An der Fülle der Informationen, die er über chinesische Alltäglichkeiten und bedeutendere Vorgänge vermittelt, läßt sich selten etwas bezweifeln oder beanstanden. Gute Ratgeber suchte er sich und über einen klaren Blick verfügt er. Spannend schreiben kann er überdies - nicht im Stil der großen Reportagen jener Art, welche die Welt erschütterten oder Rasende Reporter machten, sondern als zurückhaltend Beteiligter. Nur manchmal scheint die Gestaltungsfreude über die nüchterne Darstellung der Wirklichkeit gesiegt zu haben, und Kroll hat trotz aller Intensität seiner Familienrecherche offenbar nie versucht, Chinesisch zu lernen. Da sind deswegen ein paar sinologisch-handwerkliche Mängel seines Berichts zu registrieren.

Als ein vortreffliches Mitbringsel und Geschenk eignet sich dieses spannende Buch, doch vorab für die eigene Nachttischlektüre: eine schöne Geschichte aus dem Grenzbereich von Literatur und Historie, professionell ausgewogen und mit autobiographischen Reminiszenzen, ohne quälend referierte Reflektionen, aber reich an Anlässen für eigene.

Manch einer kennt in Umrissen ein paar weitere Hamburger China-Familienschicksale, auch bei Menschen, die wesentlich jünger als Kroll sind. Die würden anders erzählen, zugleich ebenfalls Beachtenswertes, und im Grunde fehlt es an systematischen Dokumentationen solcher China-Annäherungen und -Erfahrungen. Allem Anschein nach wird bald und erfreulicherweise ein weiteres Buch zum Thema "Ich und meine chinesische Familie" erscheinen, aus ganz anderer Blickwarte. Und dann gibt es auch noch die chinesische Germanistikstudentin, die einen Roman über ihren Aufenthalt in Deutschland schreiben will. Spannende Lektüre immer wieder, für die geeigneten Stunden.
 
 
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