Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 23
26. April 2003
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Anlässe zur Freude: weitere Erinnerungen an ein Semester

Allmählich trudeln die schriftlichen Seminararbeiten für das vergangene Semester auf den Schreibtisch. Eine Fülle von Themen, die meisten mit aktuellen Bezügen, wurden bearbeitet, und der Berichterstatter verhehlt nicht, das die meisten von ihnen mit einem erkennbaren Engagement bearbeitet wurden. Das ist immer wieder staunenswert: Ein Student der Sinologie verfügt in der Regel über keinerlei sprachliche und sachliche Vorkenntnisse. Nach den Schwierigkeiten des Grundstudiums und einem längeren Chinaaufenthalt gelingt jedoch vielen, innerhalb weniger weiterer Semester eine beachtliche China-Kompetenz zu erwerben. Zusätzliche universitätsferne Praktika müssen überdies die beruflichen Orientierungen und den Berufseinstieg vorbereiten. Das ist nur mit einem Engagement zu bewältigen, das wahrscheinlich nicht viele andere Studienfächer voraussetzen.

Die meisten studentischen Interessen gelten -naheliegend!- dem unmittelbar gegenwärtigen China. Schon das 20. Jahrhundert, auch die ersten Jahrzehnte der VR China, werden als weit zurückliegende Geschichte begriffen. Solch eine -und durchaus notwendige- Ausrichtung der Interessen spiegelt sich dann in den Themen der Examensarbeiten wieder. Der schriftliche "Jahresbericht 2002 der Hamburger Sinologischen Gesellschaft", der Anfang April 2003 vorgelegt wurde, enthält eine Aufstellung solcher Examensarbeiten aus den beiden letzten Jahren.

Traditionelle chinesische Kultur und Geschichte machen bei den Themen der Examensarbeiten nur einen geringen Teil aus. Das mag bedauerlich sein, denn zu wenig ist davon erforscht oder gar nach hier vermittelt, und Deutschland braucht schließlich auch Experten hierfür, denn für die chinesische Kultur werden sich, wenigstens ansatzweise, immer mehr Menschen interessieren oder interessieren müssen - Reisende und Geschäftsleute wenigstens. Zu einem Sinologiestudium gehören auch Lehrveranstaltungen, die in Kultur und Geschichte Chinas exemplarisch einführen.

Einer solchen Einführung diente im vorvergangenen Semester eine Übung "Chinesische Reiseberichte und -tagebücher". Die schriftliche Semesteraufgabe verlangte, daß ein kurzer Text über einen "Reiseort" aus dem schwierigen Literarischen Chinesisch der Vergangenheit zu übersetzen, mit einer Einführung zu versehen und kurz zu interpretieren sei. Außerdem sollte eine geeignete Abbildung dazu gefunden werden. - An solchen Lehrveranstaltungen sind stets auch Studierende chinesischer Herkunft oder solche, die aus der VR China nach HH kamen, interessiert - aus erklärlichen Beweggründen. Nachstehend gebe ich eine solche Seminararbeit wieder.

(Einleitung und Übersetzung dieser Arbeit gebe ich unverändert wieder. Die gelehrten und erklärenden Anmerkungen und die ausführliche Interpretation fasse ich lediglich zusammen, damit dieser Text nicht zu umfangreich wird.)

Landschaftsschilderungen wie die nachfolgende haben in der literarischen Tradition Chinas eine ungewöhnliche Beliebtheit erlangt. Als literarische Gattung entstanden sie erst verhältnismäßig spät, wohl im 9. Jahrhundert. Zu ihren Gattungsmerkmalen gehört, daß sie eine kunstvolle, anspielungsreiche Sprache pflegen und daß sie die Schilderung einer Landschaft mit einer Betrachtung über das Menschen- oder ein persönliches Geschick verbinden. Diese Verbindung kann direkt, wie bei der nachstehenden, erfolgen, kann aber auch beinahe unmerklich geknüpft werden, eben über Anspielungen. Alle Feinheiten solcher Texte lassen sich heute wohl nicht mehr aufspüren.


Su Zhe (1039-1102): Eine Aufzeichnung über den Pavillon "Wie heiter!" in Huangzhou

übersetzt und erläutert
von Xiao Xueying
 
Xiao Xueying


Einleitung

Su Zhe (1039-1112) war ein bekannter Literat in der Zeit der Nördlichen Song (960-1127). Er, sein älterer - und berühmterer- Bruder Su Shi und sein Vater Su Hsün wurden die "Drei Su" genannt (siehe die Abbildung). Sie gehören zu "Acht Meistern der Tang- (618-907) und Song- (960-1127)-Zeit", gerühmt wegen ihres vortrefflichen Stils in den Gattungen der literarischen Prosa.

Su Zhe lebte in einem Zeitalter, in welchem Fremdvölker die Grenzen des damaligen China immer stärker bedrohten. Das Herrscherhaus der Song versuchte, durch Reformen den Bestand der Dynastie zu sichern. Doch diese Reformen wurden immer wieder aufgehoben, denn zu stark war die konservative Fraktion und zu häufig wechselten die maßgebenden Politiker.

Die Wechselhaftigkeit der Politik führte dazu, daß Su Zhes Karriere ebenso wechselhaft verlief. Mit neunzehn Jahren bestand er zur gleichen Zeit wie sein 21jähriger Bruder Su Shi das Reichsexamen, die Voraussetzung für eine herausragende Amtslaufbahn. Nachdem der Kaiser Shenzong (1067-1085) den Thron bestiegen hatte, wurde Wang Anshi (1021-1086) Kanzler und begann mit raddikalen Reformen. Weil Su Zhe gegen diese Reformen war, gab er den Dienst als Beamter auf, nahm später aber einen geringen Posten an. Als dann der minderjährige Kaiser Zhezong (1086-1100) auf den Thron gelangte, tatsächlich aber seine Großmutter über die Herrschermacht verfügte, wurden die Reformpolitiker abgesetzt. Die Kaiserinwitwe berief den konservativen Sima Guang (1019-1086) zum Kanzler, der alle Reformmaßnahmen aufhob. Zu Zhe wurde durch die Kaiserinwitwe zurückgerufen und erlebte eine glänzende Amtslaufbahn. Nachdem die Kaiserinwitwe sich im Jahre 1093 zurückgezogen hatte, genoß die Reformer-Fraktion jedoch erneut die Gunst des Kaisers, und Su Zhe wurde "verbannt", das heißt, in ein niedriges Provinzamt fern der Hauptstadt versetzt

Als Literat war Su Zhe nicht so fruchtbar wie sein älterer Bruder Su Shi, doch er gilt als vorzüglicher Stilist. Die Prosanotiz "Aufzeichnung über den Pavillon 'Wie heiter!' in Huangzhou" schrieb er im Jahre 1083, also während seiner ersten "Verbannung" aus der Hauptstadt. Sie ist eines seiner bekanntesten Werke.

Huangzhou befindet sich in der heutigen Provinz Hubei, weit im Süden. Dorthin war sein Bruder Su Shi verbannt worden, nachdem ein gewisser Li Ding , ein Anhänger von Wang Anshi, ihm im Jahre 1079 vorgeworfen hatte, durch ein Gedicht Majestätsbeleidigung begangen zu haben. Nach den Gesetzen der Song hatte auch Su Zhe, als sein Bruder, darunter zu leiden. - Su Shi schrieb über diesen Pavillon ein Gedicht. Durch dieses Gedicht und diese Aufzeichnung der beiden Brüder blieb die Erinnerung an ihn bis heute bewahrt.



Übersetzung

(1) Erst wenn der Jiang die Xiling-Schlucht hinter sich gelassen hat und in flaches Land gelangt ist, werden seine Wasser zügellos und breiten sich weit aus. Nachdem die Nebenflüsse Yuan und Xiang vom Süden sowie Han und Gai vom Norden her sich mit ihm vereinigt haben, wird er noch majestätischer. Sobald er zur Roten Wand gelangt ist, werden seine Wogen so mächtig, daß sie denen auf dem Meer gleichen. Zhang Mengde, der aus Qinghe stammte, lebte nach seiner Verbannung in Qi'an. Südwestlich von seiner Hütte errichtete er einen Pavillon, um von dort aus den schönen Blick über den Fluß zu genießen. Mein älterer Bruder Zizhan gab ihm den Namen "Wie heiter!"

(2) Von dem Pavillon aus reicht der Blick ungefähr hundert Meilen nach Süden und Norden und wohl dreißig Meilen nach Osten und Westen. Unaufhaltsam branden die Wogen empor, und die Wolken verändern sich schnell im Wind. Tagsüber tauchen Schiffe vor dem Pavillon auf und verschwinden wieder, und in der Nacht wehklagen zu seinen Füßen die Fische und Drachen traurig. Alles verändert sich so schnell, daß es das Herz pochen läßt und die Augen erschreckt, weshalb man sich das nicht lange ansehen kann. Jetzt kann man das an einem kleinen Tisch oder auf einer Matte im Pavillon genießen und braucht nur seine Blicke schweifen zu lassen. Beim Blick nach Westen erheben und ducken sich die Gipfel der Berge von Wuchang, die in vollem Grün prangen. Wenn die Nebel sich auflösen und die Sonne hervortritt, werden die Hütten der Fischer und Reisigsammler deutlich sichtbar. Das ist der Grund dafür, daß ihm der Ausruf "Wie fröhlich!" entfuhr.

(3) An den Stränden der Inseln und vor den Ruinen der alten Stadt dort belauerten Cao Mengde und Sun Chungmou einander, und dort zeigten Zhou Yu und Lu Xun ihr Kampfgeschick. Ihre Geschichte und ihre Spuren sind angetan, sogar in gewöhnlichen Menschen Freude zu wecken.

(4) Einst begleiteten Song Yu und Jing Chai den König Xiang von Chu zum Palast "Orchideenterrasse". Als eine Windbö herbeigerauscht kam, sagte der König, sich zum Schutz gegen den Wind in einen Umhang hüllend: "Was für ein heiterer Wind! Ist das nicht etwas, das ich mit den gewöhnlichen Menschen teile?" Song Yu meinte: "Das ist ein männlicher Wind, der nur für Sie, den großen König, bestimmt ist. Dürften die gewöhnlichen Menschen daran teilhaben?"

(5) In den Worten von Song Yu steckte wahrscheinlich Spott. Bei den Winden gibt es keine Geschlechtsunterschiede, bei den Menschen aber gibt es Unterschiede zwischen guten und mißlichen Lagen. Worüber der König von Chu sich freute und worunter die gewöhnlichen Menschen leiden, das sind nur die unterschiedlichen Lagen, in denen Menschen sich befinden. Was hat der Wind damit zu tun? Wohin soll ein Gelehrter, der in der Welt lebt und sich in ihr nicht zufrieden fühlt, gehen, ohne zu leiden? Bleibt er innerlich ruhig und läßt sein Wesen nicht unter den Umständen leiden - ist er dann nicht immer heiter, gleichgültig, was ihm widerfährt?

(6) Herr Zhang war nicht traurig wegen seiner Verbannung. Er begab sich in die Nähe von Bergen und Gewässern und genoß sein Befreitsein von Alltagsarbeiten. In seinem Innern dürfte er etwas gehabt haben, durch das er anderen Menschen überlegen war. Obwohl er nur eine Tür aus Reisig hatte und ein Fenster, das aus einem Krug bestand, gab es nichts, woran er sich nicht freute. Erst recht galt das, wenn er in dem klaren Wasser des Jiang baden konnte, die weißen Wolken über den Westlichen Bergen wie zum Greifen nahe waren und all das, was die Ohren und Augen überwältigt, genoß, um sich zu erfreuen!

(7) Für gewöhnliche Gelehrte bedeutet die Umgebung von ununterbrochenen Bergketten mit steilen Tälern sowie von großen Wäldern mit alten Bäumen nichts. Von dem kühlen Wind berührt und von dem klaren Mond beschienen zu werden, empfinden sie als dermaßen traurig und elend, daß sie es nicht ertragen können. Wie wäre es ihnen möglich, bei solchen Anblicken Freude zu empfinden!

Geschrieben von Su Zhe aus Zhaojun am ersten Tag des elften Monats im sechsten Jahr der Regierungsperiode Yuanfeng (1083)

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Einige Erläuterungen

In ihren erläuternden und interpretierenden Darlegungen weist Xiao Xueying darauf hin, daß der dritte Abschnitt an eine der berühmtesten Schlachten der chinesischen Geschichte erinnert. Sie wurde im Jahre 208 zwischen zwei Prätendenten auf den Kaiserthron geschlagen - und zwar an der schon im ersten Abschnitt erwähnten Roten Wand, einer Felsformation. Hier ist wichtig, daß der damals weit Schwächere die Schlacht dank einer List gewann.

Su Shi, der ältere Bruder des Verfassers dieser Notiz und im ersten Abschnitt mit seinem Großjährigkeitsnamen Zizhan genannt, schrieb zwei großartige Prosagedichte über eben diese Rote Wand, die später zahlreiche Gemälde inspirieren sollten. - Allerdings ist die Lokalisierung dieser Roten Wand hier in Huangzhou nicht unumstritten.

Der mehrfach erwähnte Zhang Mengde, der Erbauer dieses Pavillons, war ein Freund von Su Zhe in der Zeit der Verbannung.

Im vierten und fünften Abschnitt erkennt Xiao Xueying den "Kern" dieses Prosatextes. Zunächst wiederholt Abschnitt Vier mit nur wenigen Varianten den Beginn eines bekannten Prosagedichts von Sung Yu aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Es trägt den Titel "Prosagedicht über den Wind", der natürlich metaphorisch zu verstehen ist. Im fünften Abschnitt wird dann deutlich, daß Su Zhe diejenigen Menschen, vor allem aus der ihm sozial nahestehenden Schicht der Literatenbeamten, preist, die sich auch in mißlichen Lebenslagen die gelassene Heiterkeit des Herzens bewahren. Ihm gilt Zhang Mengde, der Schöpfer dieses Pavillons "Wie heiter!" als Inbegriff solcher Lebenshaltung und als Vorbild in einer vergleichbaren Lebenssituation.

Xiao Xueying führt zusätzlich aus, daß eine solche Weltsicht in der chinesischen Tradition immer wieder als vorbildlich hingestellt wurde. Sie erinnert an zwei vergleichbare Prosatexte, die Su Zhe gewiß kannte: "Aufzeichnung über den Pavillon des Trunkenen Alten" von Ouyang Xiu (1007-1072) und "Aufzeichnung über den Turm von Yueyang" von Fan Zhongyan (989-1052). So wurde diese Weltsicht beinahe zum Inbegriff allgemein chinesischer Lebenshaltung, noch in der Literatur des 20. Jahrhunderts geschildert, allerdings in karikierender Weise - in dem berühmten "Die wahre Geschichte des Ah Q" von Lu Xun.
 
  » Fortsetzung in HCN 24  
 
 

Hamburger China-Vorlesungen am Mittwoch

Die Hamburger Sinologische Gesellschaft bereitet in Zusammenarbeit mit der ChinA Konzepte für nächste Veranstaltungen vor. Hierzu sollen solche "China-Vorlesungen am Mittwoch" gehören. Sie werden während der Unisemester jeweils am ersten Mittwoch jeden Monats stattfinden.

Im Hintergrund des Konzepts für sie steht, daß es den Studierenden der ChinA, aber auch der an China interessierten Hamburger Öffentlichkeit an zusammenfassenden und überblickhaften Darstellungen zu zentralen Bereichen der chinesischen Tradition und Gegenwart fehlt. Deshalb werden diese Vorlesungen stets einem Thema -aus Tradition oder Gegenwart- gewidmet sein, das sich in drei bis vier Vorlesungen in angemessener Weise umfassend darstellen läßt. Wenigstens die erste dieser kleinen Vorlesungsreihen wird der Berichterstatter halten. Ihre Daten sehen folgendermaßen aus:

Die chinesische Schrift

Mittwoch, 7. Mai   Die chinesische Schrift 1: die Rätsel der Anfänge
Mittwoch, 4. Juni   Die chinesische Schrift 2: die Strukturen der Zeichen
Mittwoch, 2. Juli   Die chinesische Schrift 3: die Zauber der Kalligraphie
Mittwoch, 6. August   Die chinesische Schrift 4: die Geheimnisse der Geheimschriften
Die Vorlesungen beginnen jeweils um 19.00 Uhr, pünktlich; die beiden ersten finden im Raum 121 des AAI statt, die beiden nächsten im Vortragssaal 221.

Die chinesische Schrift ist, wahrlich, ein zentrales Thema der chinesischen Kultur, über das desungeachtet noch immer allzuviel Mißverständliches kolportiert wird. Natürlich lassen sich hierzu auch zahlreiche Bilder zeigen: die meisten davon nur wenigen Experten bekannt. - Die Vorlesungen im Wintersemester werden dann einem gegenwärtigeren Thema gelten. Indes, auch gegenwärtig ereignen sich unablässig "spannende Dinge" in Zusammenhang mit der chinesischen Schrift.

Etwas anderes kommt hinzu: Zu jeder dieser Vorlesungen, die eine Dauer von 35 Minuten nicht überschreiten, soll nämlich ein zweiter Teil gehören. In diesem wird eine Absolventin/ein Absolvent der ChinA über ihre Magister- oder Doktorarbeit berichten, also von einer sehr gegenwärtigen Forschung. Durch diese zweite der Mittwoch-Vorlesungen sollen die Studierenden des AAI ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit kontinuierlich über gerade abgeschlossene Arbeiten in der ChinA unterrichtet werden - und manchmal kann vielleicht gar ein vorzügliches Seminarreferat während des Studiums vor einem erweiterten Publikum wiederholt werden. - Den Anfang hierbei macht » Deike Zimmann, deren » Magisterarbeit einen richtiggehenden Polit- und biographischen Krimi um Sun Yatsen, den Revolutionär und Gründer der Republik China, behandelt.

Wer weiß! Dr. Stefan Thiemann, der Daten-Beauftragte des AAI, hat unlängst beträchtliche Mittel für ein Dokumentationssystem des AAI im Internet eingeworben. Wenn das Konzept dafür erst einmal Gestalt angenommen hat, dann lassen sich diese "Mittwoch-Vorlesungen" vielleicht sogleich noch einmal am PC nachlesen - und die gezeigten Bilder viel ausführlicher betrachten.
 
 
 

"Frühlingsverdruß" aus München

Zeitmaß des Mondes Am letzten Märzwochenende erreichte mich ein kleines, schönes Heft (Umfang 28 Seiten) mit dem Titel "Im Zeitmaß des Mondes - I. Frühling." Das Lyrik-Kabinett München (Hohenzollernstr. 60, 80801 Mü.) hatte es herausgegeben.

Das Heft dokumentiert die erste von vier Veranstaltungen des Kabinetts, die der traditionellen chinesischen Dichtung gewidmet sein werden - orientiert an den vier Jahreszeiten. Lesungen und kommentierende Erläuterungen sollen diese Dichtung einem nichtsinologischen Publikum näherbringen. Wegen des Erfolges der ersten Veranstaltung werden die nachfolgenden drei auch auf CD, die erste nachträglich eingeschlossen, dokumentiert werden

Das jetzt vorliegende Heft stellt das schöne Wechselspiel von Dichtungs-Zitaten, chinesischen Rezitationen und gelehrten Erläuterungen, das diese öffentliche Veranstaltung kennzeichnete, dar. Es beginnt -ganz überraschend!- mit einer Ausführung "Über die Kürze des Frühlings", die sogleich zu der "Grundstimmung: Verdruß" führt. Frühling und Verdruß? Ist das nicht ein seltsamer Eingang in chinesische Frühlingsgedichte, ein nachvollziehbarer gleichwohl! - Das Heft enthält weitere kleine Überraschungen, zum Beispiel dieses Gedicht des lästerlichen Su Shih (1036-1101).
Am Kloster des Glückbringenden Segens den Anblick der Päonien genießend

Wenn sich ein Alter seiner Blumenhaartracht nicht zu schämen glaubt,
Schämt sich dafür die Blume ihres Sitzes auf des Alten Haupt.
Kehrt er nun trunken heim auf der Chaussee, hebt jeder Vorhang sich,
Und auf zehn Meilen (nur, daß er nichts merkt) lachen ihn alle aus.
Da hatte sich offenbar ein altchinesischer Lüstling -wahrscheinlich kannten ihn die Leser dieses Gelegenheitsgedichts!- die Blüte einer Päonie, vulgo: Pfingstrose, in das Haupthaar gesteckt. Indes, die Päonie gilt als Inbegriff kräftiger weiblicher Sexualität - und was ist da mit dem trunkenen Alten?

Auch manch andere Aspekte chinesischer Frühlingsgedichte zeigt dieses Heft, explizit oder andeutend. Geschrieben hat das Heft und die Texte für die vorangegangene Veranstaltung Frank Kraushaar, Magister und Doktor der ChinA.
 
 
 

Jahresrückblick

HSG-Jahresbericht 2002 Am 10. April fand die diesjährige Mitgliederversammlung der Hamburger Sinologischen Gesellschaft (HSG) statt. Ungefähr 40 von deren Mitgliedern trafen sich in entspannter Atmosphäre, denn eine Beitragserhöhung stand nicht auf der Tagesordnung. Neben den notwendigen Formalia war lediglich die Wahl eines neuen Vorstandes zu bewältigen, da die dreijährige Amtszeit des gegenwärtigen satzungsgemäß endete. Einmütig wurde der neue Vorstand gewählt, in einer schnellen Prozedur.

Zu dieser Mitgliederversammlung erschien auch der Jahresbericht der HSG. Er umfaßt diesmal 36 Seiten im a4-Format und berichtet in mehr als zwanzig Beiträgen über das, was im Berichtsjahr in HSG und ChinA ablief: das meiste erfreulich. Ungefähr sechzig Abbildungen veranschaulichen diese Vorgänge.

Die Mitglieder der HSG erhalten diesen Jahresbericht kostenlos. Andere Interessenten können ihn gegen einen Betrag von acht Euro erwerben.
 
 
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