Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 20
15. November 2002
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Shanghais Vizebürgermeister in der ChinA

Das Portal vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg ist wie geschaffen für die angemessene und eindrucksvolle Begrüßung von Gästen aus der Ferne. Shanghais Vizebürgermeister Zhou Muyao und sein Gefolge, die im Rahmen der China-Wochen in HH eingeschwebt waren, mögen sich nicht schlecht darüber gewundert haben, daß sie am 19. September um 9.30 Uhr nur eine junge Frau vor diesem Portal erwartete, als ihr stattlicher Wagen-Konvoi dort vorfuhr.

Zhous Besuch in der Universität war nicht unangebracht. Schließlich hatte der Vizebürgermeister zwei Tage zuvor zusammen mit Bürgermeister Ole von Beust ein "Memorandum für Austauschprogramme" zwischen Hamburg und seiner Partnerstadt Shanghai für die Jahre 2003/04 unterzeichnet. Darin beanspruchte der Bereich "Bildung und Wissenschaft immerhin ein Fünftel des Umfangs, und natürlich hatte die Universität den ihr angemessenen Teil.

Zhou Muyao zu Besuch im AAI

Als Vize Zhou und sein Gefolge dann zu Prof. Dr. Dr. h.c. W. Hartmann, einem der beiden Vizepräsidenten der Universität, der sie empfangen wollte, schritten, mögen sie sich erneut gewundert haben - über die Bescheidenheit von dessen Vorzimmer und erst recht seines Dienstzimmers. Da sind die Besucher von Hochschulen in Shanghai anderes gewöhnt. Hier in HH paßte die Shanghai-Abordnung nur unter einigen Verrenkungen in den Raum. Indes, bei Kaffee, Tee und Keksen plauderten die beiden Herren angeregt und tauschten Artigkeiten aus. Dabei deutete sich bereits an, daß der Vizebürgermeister hell und wach und witzig ist, durchaus kein "Apparatschik".

Nach einer Weile geleitete Prof. Bernd Eberstein, gegenwärtig Leiter der China-Abteilung des Asien-Afrika-Instituts (AAI), den Vizebürgermeister, den Vizepräsidenten und beider Entourage in das neue Domizil des AAI, den Flügelbau Ost neben dem Hauptgebäude. Hier blühte der Shanghai-Vize dann so richtig auf. Eberstein konnte ihm auf Chinesisch Schätze aus der Bibliothek vorweisen und erläutern: alte chinesische illustrierte Bücher, in welchen auch der Name Hamburg begegnete. Da staunten die Shanghaier nicht schlecht. Und als sie neugierig die Regalfluchten abschritten, staunten sie ein weiteres Mal. Was stand dort nicht alles in den Regalen, das sie aus ihren eigenen Universitätsjahren kannten oder eben nicht kannten.

Zhou Muyao zu Besuch im AAI

Ein kleines Stück China in Hamburg sei das, in den Worten von Vizebürgermeister Zhou, was sie gerade erlebt hätten, und er zeigte sich zufrieden. Hier konnte auch das Ambiente mit dem aus Shanghai Gewohnten mithalten. - Untergebracht war der Vizebürgermeister immerhin, protokollwidrig bevorzugt und einigermaßen komfortabel, im Gästehaus des Senats am lieblichen Feenteich. Die Ruhe lobte er dann auch an Hamburg, ebenso die "schöne, saubere Umwelt" - kein Wunder am Feenteich! Dann hob er auch Hamburgs "Erfolge im Denkmalschutz" hervor. Ob das nicht ein wenig lästerlich gemeint war? Denn, wie gesagt, Zhou Muyao verfügt über, verschmitzten, Witz.

Der Beobachter rätselte hingegen einer jungen Dame in seinem Gefolge hinterher: apart gewandet, sehr interessiert und aufmerksam, in jedem Augenblick, stets ein wenig von den übrigen Mitgliedern der Delegation getrennt - und sie sprach kein einziges Wort. Wer mag sie sein?
 
 
 

Eine Ausstellung, ein Fest und der Alltag

Der kleine Arbeitsstab in der ChinA hatte in den beiden ersten Oktoberwochen eine Menge zu tun. Die China-Wochen waren kaum vorüber, die Tagung "Die Herren des Pazifik" anläßlich des 60. Geburtstages von Bernd Eberstein stand an, damit verbunden auch das 3. Absolvententreffen. Ja, und dann hatte auch das Generalkonsulat der VR China in Hamburg noch einen Vorschlag!

Ausstellung chinesischer Archäologie am AAI Das Kulturministerium in Peking hatte ihm hundert Bildtafeln zur Verfügung gestellt, auf welchen die wichtigsten archäologischen Fundstätten der letzten 80 Jahre dokumentiert wurden. Hierfür suchte es eine geeignete Ausstellungsstätte, und es kam ihm erkennbar darauf an, daß möglichst viele Interessenten diese Bildtafeln betrachten würden.

Nun, ChinA und Generalkonsulat haben stets gut zusammengearbeitet, und das Foyer des neuen AAI ist eigentlich für solche Dinge gedacht und wie geschaffen. Allerdings mußten noch Möglichkeiten für die Plazierung dieser Bildtafeln angemietet und ein kleiner Wegweiser zu diesen Bildtafeln geschrieben werden, denn wenigstens die wichtigsten Daten zu den dokumentierten Fundstätten sollten doch den beiläufigen oder interessierteren Betrachtern vermittelt werden.

Einige HSG-Mitglieder bzw. Studis der ChinA halfen erfreulicherweise bei den praktischen Dingen, und so konnte pünktlich zum Vorabend des Absolvententreffens die Präsentation der ersten fünfzig Bildtafeln eröffnet werden, übrigens in Anwesenheit von Generalkonsul Chen Jianfu. Sie belebt das manchmal nüchtern anmutende Foyer des AAI für eine Weile, und in dieser geschlossenen Formen wirken auch die Bildtafeln, die manche chinesische Eigenart der Darbietung aufweisen.

Entspannt konnte dann das Organisatorenteam zum 3. Absolvententreffen am 18. Oktober schreiten, wieder im "Café Mondial", im Museum für Völkerkunde. 140 waren angemeldet, doch wie das so ist: Nicht alle Angemeldeten kamen, aber dafür dann andere, so daß die Gespräche wieder lebhaft hin und her flatterten. Nicht wenig an Sinologennachwuchs war ebenfalls dabei, mancher erst wenige Wochen alt, und auch mancher "Ehemalige" war gekommen, den der Berichterstatter schon jahrelang nicht gesehen hatte.

Passend war auch: Kaum hatten sich die Professoren Friedrich und stu. vor dem Portal des Museums hingestellt, um die Ankömmlinge zu begrüßen und "eine zu schmöken", prasselten Regen und Hagel lebhaft nieder. Das gehört nun einmal zu dieser Jahreszeit in HH und tat der guten Laune bei diesem Fest, das mit einer Gratulation für Jubilar Eberstein begann, keinen Abbruch. Der Berichterstatter jedenfalls fühlte sich wohl, und er hat bei dieser Gelegenheit und danach noch manche freundliche Äußerung über den Abend vernommen. Es war schon weit nach Mitternacht, als die Letzten aufbrachen - in eine nahelegene Kneipe! Und auch das ist immer wieder gleich: Einige hatten vergessen, ihre Rechnungen zu begleichen, und die HSG mußte das für sie tun.

Jetzt, am 10. November, stecken die Hiesigen in der ChinA wieder mitten im Semester, mit den Alltäglichkeiten und den Besonderheiten. Der Werbepartner von McDonald's bereitet eine Kampagne für das nächste Jahr vor und hat beinahe täglich eine Anfrage, die Zeitschrift "National Geographic" bittet um fachliche Überprüfung eines Artikels, und dann kommen täglich kleinere Anfragen, zum Beispiel diese: Eine Dame aus Bern mailte, sie habe in den Sozialwissenschaften einen Vortrag über bestimmte Probleme in Zusammenhang mit Shanghai zugesagt. Kurz und knapp und kategorisch erwartete sie die Zusendung von entsprechenden Materialien "in den nächsten Tagen". - Ob auch solche Erledigungen zu den Dienstpflichten zählen? Immerhin muß in den nächsten Tagen die Präsentation der nächsten fünfzig Bildtafeln zur chinesischen Archäologie vorbereitet und ein Wegweiser dazu geschrieben werden.
 
 
 

Studium "Spezial"

Pünktlich zu Semesterbeginn erinnerte sich das "Hamburger Abendblatt" wieder einmal der HH Hochschulen und ihrer Insassen: eine 12seitige Beilage, mit 12 größeren Artikeln. Was aber sollten diese mitteilen!

Der längste Beitrag -zwei Seiten!- galt dem Nachtleben auf der Reeperbahn. Zwangslos gruppierten sich darum Gewichtigkeiten wie "Trendig, fetzig, günstig", "Wo Shoppen den Studis Spaß macht" und "Gut Essen". Bei solchen Tendenzen dürfen Artikel über die Studienfinanzierung und "lukrative Jobs" nicht fehlen, denn irgendwie müssen ja auch Günstigkeiten und Currywürste finanziert werden. Ausgerechnet Praktika werden als "lukrativ" hingestellt.

Von allen Hamburger Hochschulen war den Beilagenmachern allein die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) eine Vorstellung wert, aber das auch nur wegen ihres Neubaus. Von allen Studienfächern galt allein der Meteorologie eine Darstellung. Vielleicht soll sie, in den Augen dieser "Hochschul-Journalisten", das gute Wetter für alle life-style- Unternehmungen der Studis gewährleisten.

Harmloses Nebenbei-Geschwätz, das alles, als wenn zu Hochschule und Studium nichts anderes als Job, Grundnahrungsmittel und Feiern gehörten! Besser hätte das Abendblatt seine Leser einmal über die Vielgestalt der HH-Hochschullandschaft unterrichten sollen. Die meisten HA-Leser kennen diese nämlich nicht, und die Studis ziehen ihm ohnehin die MoPo oder andere Medien vor.

Finanziert wurde diese Beilage vor allem durch sieben größere Anzeigen - Karstadt, AOK, Haspa und eine Eigenanzeige des HA. Aber dann, siehe da: Die Fachhochschule Nordostniedersachen, Lüneburg, und FOM, die Fachhochschule für Oekonomie & Management, irgendwo in Hamburg, inserierten ebenfalls und dann gar noch "Ihre Alternative zur Universität": das Euro-Business-College in Hamburg. Letzteres bietet auch "Internationale Betriebswirtschaft Ostasien, Schwerpunkt China" an. Leider hat noch niemand etwas davon gehört.
 
 
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