Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 20
15. November 2002
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Nach den China-Wochen: Visionen, Erwartungen und Träume

Die 3. Hamburger China-Wochen gingen eher beiläufig vorüber, nachdem sie mit großen Empfängen und Festmählern im Rathaus begonnen hatten. Mit Bildern und Eindrücken von diesen Wochen, vielen Anekdoten überdies, ließen sich Seiten füllen. Eine zusammenfassende Auswertung seitens der Veranstalter wird gegenwärtig - diese Folge wird an dem Wochenende 9./10. November geschrieben - vorbereitet. Wahrscheinlich werden danach auch die "China-Notizen" noch einmal zurückblicken. Ein solcher Rückblick war für diese Folge vorgesehen, doch manchmal erscheinen Blicke in eine fernere Zukunft als wichtiger denn das Augenmerk für die nähere Vergangenheit.

Anläßlich des 60. Geburtstages von Professor Dr. Bernd Eberstein veranstaltete die China-Abteilung des Asien-Afrika-Instituts (AAI) der Universität Hamburg am 17./18. Oktober 2002 eine Tagung zum Thema "Die Herren des Pazifik: Hamburg und das Greater China". Ungefähr zehn Beiträge von Praktikern aus Wirtschaft und Wissenschaft beleuchteten einzelne Aspekte dieses Themas, während die Norderstedter Handelsgesellschaft DELTEX die Vorbereitung dieser Veranstaltung großzügig gefördert hatte.

Nikolaus W. Schües Nikolaus W. Schües, der Vizepräses
und vormalige Präses der Hamburger Handelskammer,
nutzte am Anfang der Tagung diese Gelegenheit,
grundsätzliche Bemerkungen zur Zukunft der
Hamburger China/Shanghai-Beziehungen vorzutragen.

Die Hamburger China-Notizen dokumentieren nachstehend seine Ausführungen. Sie geben den Text ungekürzt wieder. Auf diese Weise bleibt ein Eindruck von der Spontaneität der Rede bewahrt. Bedauernswert ist lediglich, daß sich der Charme der Redekunst, über welchen Präses Schües verfügt, durch die Niederschrift nicht vermitteln läßt. (Illustriert wird seine Rede durch zwei Tagungs-Ankündigungen, von AAI und Handelskammer, sowie durch Fotos von Details am Bau der Handelskammer und aus sonstiger Rathausnähe: zukunftsverheißende Motive die meisten, selbstredend! Wer sie aufspürt, der mag den Genauigkeiten dieser Kunstwerke nachsinnen.)

Nikolaus W. Schües
Welche China-Strategie braucht Hamburg?
Durch diese Themenstellung setze ich eines voraus - nämlich, daß wir in Hamburg eine spezifische China-Strategie überhaupt nötig haben. Davon bin ich nämlich überzeugt: So, wie unsere Unternehmen Konzepte erarbeiten, um den riesigen chinesischen Absatzmarkt möglichst nachhaltig erobern zu können oder um Produkte dort herstellen zu lassen, braucht auch der Standort Hamburg ein Konzept, wie er sein Standing in und für China weiter ausbauen kann. Der Senat hat einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Er hat außenwirtschaftliche Schwerpunkte gesetzt, und die Volksrepublik China gehört dazu. Die Hamburger Wirtschaft begrüßt dies.

In der Tat sollten wir uns für eine Stärkung unserer China-Kompetenz einsetzen. Im China-Geschäft nehmen wir bereits jetzt die "pole position" ein. 700 hiesige Firmen, die nach den Umfragen unserer Handelskammer Kontakte zu China unterhalten, und 230 chinesische Unternehmer, die sich für eine Niederlassung am Standort Hamburg entschieden haben - diese Zahlen beweisen, daß wir längst das bedeutendste China-Zentrum in Europa sind. Es weiß nur so gut wie niemand! Zumindest außerhalb Hamburgs ist das viel zu wenig bekannt. Es gilt also, die Top-Position Hamburgs besser zu vermarkten. Außerdem müssen wir unsere Beziehungen zu China konsequent weiter ausbauen, damit wir unsere Führungsrolle auch auf Dauer halten können. Wie wir diese beiden Ziele nach Meinung unserer Handelskammer am besten erreichen können, das werde ich Ihnen gleich im Detail vorstellen.

Gestatten Sie mir zuvor jedoch eine Anmerkung: Auch wenn die Hamburger Wirtschaft den China-Schwerpunkt des neuen Senats voll mitträgt, so meinen wir zugleich, daß Hamburg seine Beziehungen zu anderen wichtigen asiatischen Ländern, wie zum Beispiel Japan, Singapur oder Taiwan, keineswegs vernachlässigen darf. Die Politik eines Außenwirtschaftsstandortes wie Hamburg, der fast zu jedem Punkt auf dieser Erde Handelsbeziehungen unterhält, sollte nicht nur auf ein oder zwei Länder ausgerichtet sein. Dazu sind unsere Wirtschaftsbeziehungen viel zu breit gestreut. "Das eine tun, ohne das andere zu lassen", muß unsere Devise sein. Einen Schwerpunkt bei China setzen, aber zugleich die offiziellen Beziehungen zu anderen wichtigen Partnern intensiv weiterpflegen - das ist der Wunsch der Hamburger Wirtschaft an die Politik. Meine Damen und Herren! Herr Bürgermeister von Beust möchte Hamburg, ich zitiere, "zum wichtigsten China-Standort in Europa" machen. Dieses Ziel haben wir bereits erreicht. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt tun und eine Vision formulieren. Diese Vision könnte sich orientieren an der Frage "Wo steht der China-Standort Hamburg im Jahr 2010?" Ich gebe Ihnen jetzt eine Reihe von Antworten mit ganz konkreten "facts & figures", und ich bin gern bereit, mich in genau acht Jahren daran messen zu lassen. - Unsere Handelskammer hat einen Traum, der aus folgenden Bildern besteht:
  • Im Jahre 2010 hat sich der Hamburger Außenhandel mit China von jetzt 4,5 Mrd. EURO auf 8 Mrd. EURO fast verdoppelt.
  • Der Containerumschlag hat sich von 800.000 auf deutlich über 1 Million Standardcontainer erhöht.
  • Von den 50 größten chinesischen Unternehmen unterhalten 10 eine Europa-Zentrale in Hamburg.
  • Sie alle haben sich im neuen China-Cluster in der Hafen-City, Hamburgs "Mini-Pudong", angesiedelt, wo sie attraktive Büroräume und Angebote für chinesisches Leben wie China-Restaurants, Traditionelle Chinesische Medizin und eine Chinesische Schule konzentriert an einem modernen und lebendigen Standort vorgefunden haben.
  • Und schließlich: In den fünf größten chinesischen Tageszeitungen wird mindestens einmal pro Woche über Hamburg berichtet.
Ein schöner Traum, gewiß! Doch die Chancen, daß er Wirklichkeit wird, stehen nicht schlecht. Dazu müssen wir allerdings eines tun: Wir müssen eine Strategie entwickeln. Für diese Strategie sehe ich vier konkrete Themenfelder:
  • die Städtepartnerschaft mit Shanghai vertiefen,
  • die Rahmenbedingungen für Unternehmenskooperationen verbessern,
  • neue Ansätze für die Akquise und Betreuung von chinesischen Firmen in Hamburg entwickeln,
  • und viertens: das Marketing für den China-Standort Hamburg entwickeln.
Was heißt das im Einzelnen? Man soll ja stets bei seinen Stärken ansetzen. Und dazu zähle ich ganz eindeutig unsere Städtepartnerschaft mit Shanghai. In China, das immer noch sehr stark durch staatliche Planung gekennzeichnet ist, spielen offizielle und politische Kontakte für die Wirtschaft eine gravierende Rolle. Wir müssen also das Potential der Städtepartnerschaft für unsere Unternehmen noch konsequenter nutzen.

Deshalb hat unsere Handelskammer darauf geachtet, daß im neuen Memorandum der Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg die Wirtschaft einen wichtigen Platz einnimmt. Das Memorandum ist der offizielle Arbeitsplan für die Städtepartnerschaft, und was darin festgehalten ist, das wird - insbesondere von der Shanghaier Seite - auch umgesetzt. Deshalb ist auf unsere Anregung hin das Thema "Luchao Harbour City" -Shanghais neuer Hafen mit Hafenstadt- in das Memorandum aufgenommen worden. Wir sind sicher, daß wir damit die Chancen für die Hamburger Firmen verbessern, sich erfolgreich an einem der weltweit größten Hafenprojekte zu beteiligen.

Hamburg ist in seiner Partnerstadt Shanghai mit einem eigenen Büro präsent. Die Hanse-Representation unter Leitung von Frau Hellkötter - übrigens einer Sinologin - wird gemeinsam getragen und finanziert von der Senatskanzlei, der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, von Hafen Hamburg Marketing und von unserer Handelskammer. Frau Hellkötter macht eine hervorragende Arbeit, sie steht uns allerdings nur zu 30 Prozent zur Verfügung. Die restliche Zeit arbeitet sie für das Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft. Die Interessen Hamburgs in dieser "boom town" Shanghai zu vertreten, verlangt allerdings den vollen Einsatz und die ganze Frau. Dazu muß Hamburg die entsprechenden Finanzmittel sicherstellen. Nur wenn wir unsere Präsenz in Shanghai verstärken, können wir mit der rasanten Entwicklung in unserer Partnerstadt mithalten. Unsere Handelskammer ist bereit, ihren Anteil am Hamburg-Büro in Shanghai aufzustocken, und ich fordere die übrigen Träger auf, ebenfalls zu investieren und unser Büro in Shanghai noch schlagkräftiger zu machen. Ich bin sicher: Das Geld ist gut angelegt.

Daß unsere Shanghaier Freunde ihrerseits bereit sind, sehr viel in die Partnerschaft mit Hamburg zu investieren, haben sie uns anläßlich der China-Wochen auf eindrückliche Weise gezeigt. Wer von Ihnen bei der Shanghai-Gala im CCH anwesend war, der kann nachvollziehen, was unserer Partnerstadt die Freundschaft mit Hamburg wert ist. Natürlich waren die Shanghaier Auftritte hier bei uns nicht ohne Hintergedanken: Sie standen unter dem Vorzeichen der Shanghaier Bewerbung um die Ausrichtung der Expo im Jahr 2010.
Aber ich halte es für legitim, zunächst einmal die Freunde auf seine Seite zu ziehen, wenn man ein ehrgeiziges Ziel im Auge hat.

Festzuhalten bleibt: Unter den 55 Partnerstädten, die Shanghai zur Zeit in der ganzen Welt hat, spielt Hamburg eine herausragende Rolle. Diese besonderen Beziehungen sollten wir unbedingt pflegen und weiter ausbauen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bei der China-Reise, die unser Wirtschaftssenator im kommenden Frühjahr unternehmen will.

Mit ihrem Auftritt während der China-Wochen haben unsere Shanghaier Freunde die Meßlatte sehr hoch gelegt: Wir müssen uns jetzt anstrengen und Hamburg aktiv in Shanghai präsentieren. Dazu sollten Politik, Wirtschaft und Kultur an einem Strang ziehen. Warum läßt sich der Wirtschaftsenator nicht von einem bekannten Hamburger Chor, der sogar in chinesischer Sprache singen kann, oder von einer erfolgreichen Hamburger Sportmannschaft begleiten? Dies wäre auch für die mitreisende Unternehmerdelegation von Vorteil, denn die Aufmerksamkeit für Hamburg würde durch die Kultur und den Sport um ein Vielfaches verstärkt. Sie sehen, meine Damen und Herren, wir haben schon eine ganze Reihe von Ideen, wie wir Herrn Uldalls Besuch in Shanghai konkret gestalten! Und selbstverständlich haben wir ihm unsere Vorstellungen auch bereits mitgeteilt.

Meine Damen und Herren! Wie Sie wissen, beschränken sich die chinesisch-hamburgischen Wirtschaftsbeziehungen keineswegs nur auf unsere Partnerstadt. Im Gegenteil: Die Hamburger Wirtschaft ist in fast allen Regionen Chinas präsent, und die Verbindungen haben gerade in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung genommen. In unserer Handelskammer arbeiten wir daran, daß dies auch in Zukunft so bleibt. Dazu müssen nicht nur die bestehenden Kooperationsstränge vertieft, es müssen auch neue Felder der Zusammenarbeit erschlossen werden.

Durch den WTO-Beitritt wird China seine Volkswirtschaft in weiteren Bereichen öffnen, vor allem bei den Dienstleistungen. Für Hamburg, das traditionell große Stärken in diesem Bereich hat, ist das eine Riesenchance. Es sind längst nicht mehr nur die "traditionellen" Sektoren wie Handel, Transportwirtschaft oder Industrie, die in China einen Fuß in der Tür haben. Weitere Branchen sind hinzugekommen. Das zeigt sich exemplarisch am Mediensektor: Schon heute versuchen viele unserer großen Verlage und Werbe-Agenturen, in der Volksrepublik Fuß zu fassen. Und dies häufig mit sehr gutem Erfolg. Es zeigt sich aber auch an Architektur- und Ingenieurbüros, Umwelttechnikfirmen oder Unternehmen aus dem Bereich der Gesundheitstechnik und -versorgung. Sie alle brauchen ganz spezifische Beratungs- und Schulungsangebote.

Für unsere Handelskammer und für andere Wirtschaftsorganisationen, zum Beispiel den OAV, heißt dies: Wir müssen neue Sektoren an den chinesischen Markt heranführen und wir müssen unser Beratungs-Knowhow an unsere neuen Kunden und deren spezifische Bedürfnisse anpassen. Hieran arbeitet unsere Handelskammer. In unserer Funktion als China-Kompetenzzentrum aller deutschen IHKs sind wir dabei, dieses Konzept auch in unseren Schwesterkammern zu verankern. Sollen sich die Wirtschaftsbeziehungen weitherhin so gedeihlich entwickeln wie bisher, müssen wir verstärkt an den Rahmenbedingungen arbeiten.

Chinas WTO-Beitritt war ein großer Sprung nach vorn - zumindest auf dem Papier. Es gilt jetzt, die neuen Regelungen vom Papier in die Unternehmenspraxis zu übertragen, und zwar so rasch wie möglich und ohne daß dabei auf anderen Feldern neue Handelshemmnisse aufgebaut werden. Die Implementierung des WTO-Beitritts wird von der EU-Kommission überwacht. Das heißt, wir müssen unsere Interessen verstärkt in Brüssel vorbringen. Wir plädieren für eine Öffnung des chinesischen und des europäischen Marktes, und wir sind gegen jede Form von Quoten, phytosanitären Vorschriften oder Einfuhrzöllen - egal, von welcher Seite sie verhängt werden. Der WTO-Beitritt bietet die Chance zu einer durchgreifenden Marktliberalisierung auf beiden Seiten. Unser Vertretungsbüro in Brüssel, das zugleich auch den OAV repräsentiert, sorgt dafür, daß diese Chancen auch aktiv genutzt werden. Denn über eines müssen wir uns im Klaren sein: Die Zeiten, in denen die chinesische Seite mit Paris, Bonn, Rom oder Madrid separat verhandelte, sind endgültig vorbei. Unsere chinesischen Freunde wollen mit Europa verhandeln!

Wer also wirklich etwas bewegen will, der muß dies in und über Brüssel tun. Deshalb ist unsere Handelskammer nicht nur auf nationaler Ebene, sondern zunehmend auch auf europäischer Ebene aktiv dabei, die Bedingungen für eine weitere Verstärkung unserer Wirtschaftsbeziehungen zu China mitzugestalten. In der vergangenen Woche haben wir zusammen mit dem Senat erstmals den China-Standort Hamburg in Brüssel präsentiert. Die sehr positive Resonanz auf unsere Veranstaltung hat uns in unserer Auffassung bestärkt, daß wir bei unseren China-Aktivitäten Brüssel ganz fest im Auge behalten sollten.

Ich komme zum dritten Bereich der China-Strategie, den chinesischen Firmen in Hamburg. 230 Unternehmen aus der Volksrepublik haben in Hamburg eine Niederlassung gegründet. Doch schauen wir einmal genauer hin: Neben einigen "big shots" wie Baosteel, Cosco, China Shipping oder Sinotrans, die hervorragende Geschäfte in Hamburg machen, ist die ganz überwiegende Zahl der chinesischen Firmen nur mit einer geringen Mitarbeiterzahl in Hamburg präsent. Und nur wenige chinesische Unternehmen beschäftigen auch deutsche Arbeitnehmer. Dadurch haben sie oft Schwierigkeiten, mit deutschen Abnehmern oder Lieferanten in Kontakt zu kommen. Sie kennen deutsche Geschäftsgebahren nicht, sprechen häufig weder Deutsch noch Englisch und hätten sich das Business bei uns viel leichter vorgestellt.

Wir müssen diese Firmen stärker als bisher unterstützen, damit sie nicht nach einigen Monaten ihre Niederlassung in Hamburg wieder schließen. Dazu haben wir im Rahmen der China-Wochen mit der HWF zusammen zwei Seminare durchgeführt und einen Empfang veranstaltet, bei dem chinesische Unternehmen deutsche Geschäftspartner treffen konnten. Außerdem hat unser Handelskammer einen "China Business Point" eingerichtet, der den chinesischen Firmen als eine Art Schnellstraße dienen soll auf ihrem Weg zu deutschen Kunden und Lieferanten.

Darüber hinaus kommt es darauf an, die weitere Akquise der chinesischen Firmen mit einem klaren Ziel durchzuführen. Hamburg soll die Top 50 unter den chinesischen Konzernen angehen und versuchen, sie für unseren Standort zu gewinnen. Der Zeitpunkt ist günstig: Nach dem WTO-Beitritt sind jetzt viele chinesische Großkonzerne auf dem Sprung in den europäischen Markt. Um sie für unseren Standort zu überzeugen, muß Hamburg mehr tun, als nur seine Vorteile in Form von Vorträgen zu präsentieren. Unsere Handelskammer schlägt vor, den chinesischen Firmen, die in der EU eine Niederlassung eröffnen wollen, Schulungsmodule anzubieten, mit deren Hilfe sie sich fit machen können für den europäischen Markt. Dieses Weiterbildungsangebot, das über unser Büro in Shanghai abgewickelt werden könnte, wird ganz automatisch die Standortvorteile Hamburgs transportieren und somit in jedem Falle positiv auf unseren Standort ausstrahlen.

Ich komme zu meinem letzten Punkt: Wir müssen den China-Standort Hamburg national und international besser vermarkten! Dazu sehe ich vor allem zwei Ansätze: erstens das geplante China-Cluster in der Hafen-City und zweitens eine hochrangig besetzte China-Konferenz.

Wir in unserer Handelskammer sind davon überzeugt, daß ein China-Zentrum in der Hafen-City, Hamburgs "Mini-Pudong", eine hervorragende Möglichkeit ist, die China-Kompetenz unseres Standortes sichtbar und erlebbar zu machen. Dieses China-Zentrum sollte mehr sein als nur eine Immobilie. Anzustreben ist vielmehr ein China-Cluster, bei dem sich um ein Zentrum herum Angebote für chinesisches Leben wie China-Restaurants, Traditionelle Chinesische Medizin und eine chinesische Schule ansiedeln. Die Immobilie mit China-Bezug muß aus meiner Sicht übrigens nicht zwangsläufig ein Bürohaus sein, sondern es könnte sich auch um ein Gesundheitszentrum handeln, das speziell für hier lebende Chinesen oder für Chinesen, die sich in Deutschland behandeln lassen wollen, ausgerichtet ist. Chinesischsprachiges Personal und chinesische Verflegung wären an einem solchen Gesundheitszentrum natürlich Standard.

Das China-Cluster sollte sich zu einem Anziehungspunkt für Chinesen, Hamburger und Touristen entwickeln. Für jeden Chinesen, der nach Europa kommt, muß ein Besuch der Hafen-City zum Pflichtprogramm gehören. Vielleicht kann das auf mittlere Sicht auch dazu beitragen, daß wir endlich eine direkte Flugverbindung nach China bekommen. Der Senat hat vor einigen Wochen begonnen, sich im Rahmen einer Arbeitsgruppe über die konkrete Ausgestaltung eines solchen China-Clusters Gedanken zu machen. Unsere Handelskammer hat die eben genannten Ideen eingebracht.

Noch einen anderen Weg sehe ich, um Hamburg als China-Standort international stärker zu profilieren: Unter dem Motto "China meets Europe" plant unsere Handelskammer, mit Unterstützung des Senats eine China-Konferenz durchzuführen, an der hochrangige Regierungsvertreter aus der Volksrepublik, aus Europa und aus den USA teilnehmen. Vor dem Hintergrund des weltweit zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Gewichts der Volksrepublik haben wir Europäer allen Grund, uns näher mit China zu befassen. Umgekehrt hat die Volksrepublik Bedarf, die Positionen der EU auszuloten und sich außerdem mit uns darüber auszutauschen, wie sich in China ein wirtschaftlich und politisch stabiler Mittelstand herausbilden kann, wie ein funktionierendes Gesundheitssystem aufzubauen ist etc. Ein solcher Austausch sollte unter Einbindung unserer amerikanischen Partner geschehen.

Hier setzt unser geplantes China Forum Hamburg an. Unter dem Motto "Hamburg Conference: China meets Europe" wollen wir hochrangigen Vertretern aus China, Europa und den USA die Gelegenheit zum Gedankenaustausch geben. Für das geplante Forum gibt es keinen geeigneteren Ort als Hamburg. Hamburg ist die deutsche Stadt, die traditionell den größten Bekanntheitsgrad in China genießt. Unser Renommé basiert auf der über 100 Jahre alten China-Kenntnis unserer Kaufleute und auf unserer weltoffenen, freihändlerischen Einstellung.

In Hamburg gibt es eine europaweit einmalige China-Infrastruktur, bestehend aus in China tätigen Unternehmen und ihren Dienstleistern, dem Ostasiatischen Verein, dem Institut für Asienkunde, dem Sinologischen Institut der Universität, der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und last but not least unserer Handelskammer. Diese China-Infrastruktur, die sich noch durch weitere Faktoren ergänzen ließe, könnte ihr Knowhow einbringen in die Durchführung einer höchstrangig besetzten China-Tagung, die weltweit Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.

Hamburg sollte also die Infrastruktur dafür stellen, daß sich Spitzenpolitiker und renommierte Unternehmer aus China, der EU, Asien und den USA treffen. Von dieser Rolle als Location würde Hamburg automatisch profitieren, und zwar ohne daß es seine Standortvorteile gesondert ins Spiel bringen müßte. Eine solche Konferenz wäre nach unserer Überzeugung das bestmögliche Marketing für den China-Standort Hamburg.

Meine Damen und Herren! Ich hoffe, ich habe Ihnen anhand einiger Beispiele nahebringen können, wie sich unsere Handelskammer eine erfolgreiche China-Strategie vorstellt. Viele von den Ideen, die ich Ihnen vorgestellt habe, werden wir selber umsetzen. Wo dies nicht geht, werden wir der Politik die nötigen Anstöße geben. Auch wenn Hamburg in puncto China die "pole position" in Europa schon eingenommen hat: Wir dürfen uns auf unseren Erfolgen nicht ausruhen. Wollen wir auch in Zukunft die Nummer Eins bleiben, dann müssen wir weiter nach Exzellenz streben. In diesem Sinne schließe ich meinen Vortrag - dem Ort und Anlaß angemessen - mit einem chinesischen Sprichwort: "Leben ist, wie gegen den Strom zu schwimmen. Wer inne hält, der fällt zurück." - Lassen Sie uns mit aller Kraft weiter schwimmen, um den China-Standort Hamburg voranzubringen!

Hamburg, 17. Oktober 2002
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Die nächste Folge der Hamburger China-Notizen wird einen Vortrag von Dr. Arndt Graf von der Indonesien-Abteilung des AAI, der bei der gleichen Tagung gehalten wurde, dokumentieren: "Hamburg und Singapur: zwei Stadtstaaten im Vergleich". Auch er behandelt Strategien, ebenso aufschlußreiche und bedenkenswerte. Auch dieser Vortrag zeigte, daß Konkurrenten Hamburgs in Hafen und Wirtschaft und darüber hinaus, wie Singapur, ihre Strategien für die Zukunft viel umsichtiger und genauer entwickeln als bisher die Freie und Hansestadt.
 
 
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