Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 2 China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
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ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 

 

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An allen Ecken in HH: China!

Hamburg nennt sich nicht grundlos die "China-Stadt" Deutschlands. In Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft der Freien und Hansestadt spielt China eine bedeutende Rolle.

Auch der gelassene Flaneur, der hier durch die Straßen schlendert, begegnet China an allen Ecken, unerwartet meistens.

Bei einem herausfordernden Schild - auf dem Mittelweg beim Gang vom Böhmersweg zum Bahnhof Dammtor zu sehen- ist sogleich zu erkennen, welches China hier gemeint ist: Es weist auf eines der zahlreichen Chinarestaurants hin.

 

Was aber verbirgt sich hinter jenem Klingelschild "China im 6. Stock"? Der Flaneur entdeckte es in einem düsteren Hauseingang in St. Georg, in der Nähe des einstmals gerühmten Restaurants ASIA, im Spätsommer 1999.

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Am 26. März 2000 spazierte er dann durch eine Ausstellung von Werken des bedeutenden Bildhauers Gustav Seitz (1906-1969): Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23. Vor allem die von dem Künstler so genannten Briefzeichnungen faszinierten ihn. Eine kleine Serie von Zeichnungen stammte von einem China-Aufenthalt im Jahre 1951, vom dem auch die Plastik einer jungen Chinesin zeugt. Der Künstler hatte seine Chinazeichnungen auf "geklautes" Papier, wie er sagte, hingeworfen. Es war chinesisches Toilettenpapier.

 

Chinesen in Hamburg *

Natürlich begegnet man in Hamburg vor allem Chinesen. Niemand weiß jedoch genau, wieviele hier leben. Schätzungen aus Kreisen dieser chinesischen Mitbürger sprechen von 5, 6000. Demgegenüber weisen die Unterlagen des Statistischen Landesamtes 2.089 in Hamburg lebende chinesische Staatsbürger aus (alle Zahlen auf 1998 bezogen), davon 1.259 männlichen und 830 weiblichen Geschlechts. Gut die Hälfte von ihnen ist im Alter von 30 bis 44 Jahren, wahrscheinlich also in irgendeiner Form erwerbstätig; nur 389 insgesamt -und nicht nur auf diese Altersgruppe bezogen- entrichten allerdings Beiträge in die Sozialversicherungen. Bevorzugte Wohngebiete sind mit weitem Abstand so unterschiedliche Gegenden wie Rotherbaum und Barmbek-Süd.

Seit 1960 hatte sich die Zahl der Chinesen in Hamburg beträchtlich erhöht, nachdem durch Flucht oder Tod in Internierungslagern am Ende des 2. Weltkrieges beinahe kein Chinese mehr in HH lebte. 1960 waren das 273, dann schwankte deren Zahl erheblich, bis zwischen 1985 (536 Personen) und 1990 (1.426 Personen) ein rascher Anstieg zu verzeichnen war. Seit Mitte der 1990er Jahre bewegen sich diese Zahlen stets um die 2000. Mehr als 13 % leben schon länger als zehn Jahre hier.

 

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* Am 21. Februar 2000 veröffentlichte die bekannte taiwanesische Tageszeitung Chung-yang jih-pao, "Central Daily News", einen großen Artikel unter der Überschrift Hua-jen tsai Han-pao, "Chinesen in Hamburg", (s. Abbildung). Als Autor zeichnet ein gewisser Hsü Tung-fei vom ChinaS der Universität Hamburg. Dieser Artikel und die gegenwärtige Notiz behandeln das Thema jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

 

 

Das Statistische Landesamt dürfte jedoch nicht die tatsächliche Zahl der in HH lebenden Chinesen erfassen. Mitbürger chinesischer Herkunft, jedoch mittlerweile deutscher Staatsbürgerschaft, oder Chinesen aus Ländern wie Vietnam, Singapur, Malaysia usw., die einen beträchtlichen Anteil dieser Bevölkerungsgruppe ausmachen, kommen hinzu, andere kleinere Gruppen ebenfalls - und dann gibt es natürlich auch einige statistische Probleme. Das hängt unter anderem mit der Definition des Begriffs "die" Chinesen zusammen! Niemand wird jemals sagen können, wieviele Chinesen nun wirklich in Hamburg leben.

Das Statistische Landesamt verzeichnet für 1998 auch 8.080 chinesische Besucher der Hansestadt, die 20.112 Nächte hier verweilten: nur zweieinhalb Nächte im Durchschnitt also. Aber das sind offenbar auch nur die Hotelgäste, soweit sie überhaupt erfaßt wurden. Damit blieben sie jedoch noch immer etwas länger als die sonstigen ausländischen Besucher.

Das Statistische Landesamt schätzt übrigens die Zahl der hiesigen China-Restaurants auf ungefähr 300. Diese Schätzung dürfte zu hoch liegen. Berlin andererseits rühmt sich gar seiner tausend "Chinesen".

 

 
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