Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 18
4. Juli 2002
China-Hamburg jetzt und einst China-Hamburg
jetzt und einst
ChinaS jetzt und einst Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Uni-Präsident Lüthje über seine Reise nach China

In der Woche vom 19. bis zum 25. Mai weilte Universitätspräsident Dr. Dr. h.c. Jürgen Lüthje in China.

Dr. Lüthje

Er gehörte der HH-Regierungsdelegation an, die unter Führung von Bürgermeister Ole von Beust in Peking und Shanghai ihre Aufwartung machte (siehe HCN 17). Da die Hamburger Presse seinem Teil an der Kontaktpflege und -knüpfung und damit dem Teil der Universität nur geringe Aufmerksamkeit gewidmet hatte, baten die "Hamburger China-Notizen" ihn um ein paar Stichworte hierzu. Erfreulicherweise war der Präsident trotz der Kurzfristigkeit der Anfrage hierzu bereit.

HCN: Herr Präsident, Sie waren meines Wissens zum zweiten Mal in China. Haben sich Ihre bisherigen Eindrücke verändert?

Dr. Lüthje:
Mein erster China-Besuch liegt sieben Jahre zurück. Seither haben sich Beijing und vor allem Shanghai in unvorstellbarer Weise entwickelt. Die wirtschaftliche Dynamik ist überall sichtbar und dominant. Die Skyline von Shanghai ist das vielleicht augenfälligste Symbol dieses enormen Wandels.

HCN: Welche chinesischen Hochschulen haben Sie besucht? Haben Sie konkrete Vereinbarungen mit diesen Hochschulen geschlossen oder Pläne für Gemeinsamkeiten in der Zukunft besprochen?

Dr. Lüthje:
Die deutsche Delegation war zu Gast an der Universität Beijing, der Tsing Hua Universität Beijing, der Fudan-Universität und der Tongji-Universität in Shanghai sowie an der University of Shanghai for Science and Technology. Mit den beiden renommiertesten und besten Hochschulen Chinas, der Universität Beijing und der Fudan-Universität Shanghai, habe ich Kooperationsverträge unterzeichnet (siehe Abbildung). Die damit einhergehende Vertiefung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit legt den Grundstein für eine langfristige Forschungskooperation und den intensiven Austausch von Studierenden. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden die beiden chinesischen Universitäten herausragende Absolventen auswählen, die in den wissenschaftlichen Exzellenzzentren der Universität Hamburg anspruchsvolle Qualifikationen auf hohem internationalen Niveau erhalten.

HCN: Was soll die Universität Hamburg tun, um den Herausforderungen, die China und der ganze pazifische Raum im 21. Jahrhundert darstellen, zu genügen?

Dr. Lüthje:
China ist bereits heute einer der wichtigsten Wissenschaftspartner der Universität Hamburg. Die Bedeutung Chinas für die Wissenschaftskooperation wird in Zukunft noch erheblich zunehmen. Angesichts des großen Interesses chinesischer Studierender, ihre wissenschaftliche Qualifikation in Deutschland zu vertiefen, kommt insbesondere den internationalen Angeboten des International Center for Graduate Studies (ICGS) und den zehn Graduiertenkollegs der Universität eine besondere Bedeutung zu. Deshalb kommt es darauf an, diese Angebote zu festigen und auszubauen.
 
 
 

Schießkunst und Frauensache

Nein, nicht schon wieder Fußball! So mag mancher Leser dieser Notizen aufschreien, doch dem Berichterstatter gelang an dem Wochenende, 29./30. Juni 2002, an welchem er diese Folge notiert, sich weitgehend den Kickerseligkeiten zu entziehen, allerdings nicht ganz. Und Ole von Beust sieht auf dem Foto oben wahrlich aus wie ein WM-Kicker in Erwartung eines Freistoßes - oder eben beim Sonntagsgottesdienst.

Gelegentlich wunderte der Berichterstatter sich an beiden Tagen darüber, daß manch ein Volk sich anscheinend über den Fußball definiert. Bei Brasilien konnte er das noch verstehen, doch Deutschland sollte wohl nach anderen Möglichkeiten des nationalen Einverständnisses suchen. Schon vorher waren ihm in der HH-Presse einige Eigentümlichkeiten in Zusammenhang mit dieser Weltmeisterschaft begegnet.

Die Schreiber der Sport-Teile mögen die Chinesen offenbar weniger als die der Wirtschaftsteile. Mit nicht wenig Hähme registrierten sie, daß den chinesischen Kickern offenbar nicht ein Tor gelang. "Chinas Kampfkraft reichte nicht", lauten dann die Überschriften oder "Duldsam schrumpft China auf Normalgröße". Das ist immer befriedigend, wenn man einen Giganten auf das Format eines Fußballplatzes zurechtstutzen kann! Dabei hatte der "Kicker", das Zentralorgan der deutschen Heim-Fußballer, vor den Spielen ein Sonderheft in chinesischer Sprache herausgebracht, in 200.000 Exemplaren. Allerdings ging es dabei weniger um Sympathie, sondern um Markterkundung, und dem Fernsehreporter Werner Hansch gelingt die erstaunte Tiefgründigkeit: "Ja, Statistiken! Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit."

Den quirligen Koreanern erging es in der hiesigen Presse viel besser, obwohl man auch sie sogleich zu einem Wespenschwarm erniedrigen mußte. Unter der Überschrift "Sie hoffen, sie lächeln - und sie beten" wurden sogar die Anteilnahmen der HH-Mitbürger aus Korea eingeholt. Bei den chinesischen Mitbürgern hat niemand nachgefragt, aber die spielten anscheinend auch nicht gegen Deutschland.

Ein anderes Zentralorgan, das der angegrauten Studienräte, die "ZEIT", war am 27. Juni 2002 unter der Überschrift "dichter dran" eben das, nämlich tiefschürfend. Der "Inselschreiber" von Sylt -und zu dieser Insel bricht ein rechter Hamburger in diesen Tagen auf- Moritz Rinke mit Namen, quälte sich in dem stets erfrischenden ZEIT-Teil "LEBEN" eine Spalte lang einen ab - über das Thema "Die Kultur des Mannes ist eine Schießkultur". Seine Erfahrungen scheinen hauptsächlich auf LOK LÜPERTZ, der "besten Künstlermannschaft Europas", und Frau Wussow zu beruhen.

Eine ganz andere Auffassung hob das "Abendblatt" ins Leben: "Fußball ist Frauensache" wußte es am 7. Juni, und am nächsten Tag flöteten das wenigstens drei NDR-Moderatorinnen nach, als frische Erkenntnis von dieser Weltmeisterschaft. Gewiß, gewiß, am Anfang schloß das Mädchengesicht Klose zwar noch, als Vertreter der männlichen Schießkultur, fünf Tore, aber dann ... da mag sich bei der WM tatsächlich etwas geändert haben, denn bald verzichtete er auf die Übung dieser Schießkultur. Andererseits jedoch, so ganz weiblich ist mir das Antlitz von Torwart Oliver Kahn im Fernsehen nicht erschienen. Da er am Ende jedoch zwei Tore nicht etwa schoß, sondern einfing und sich ausdrücklich dagegen verwahrte, jemals einen Elfmeter zu schießen - wer weiß, was in Yokohama mit ihm geschehen ist? Für künftige Länderspiele enthält die Abbildung hier einige Vorschläge, für den Schönheitschirurgen zur Gestaltung seines Antlitzes und für eine neue Art, das Abprallen des Balles zu vermeiden. Herrliche Fußballzeiten würden uns alle erwarten!

Fußball ist Frauensache


In Erwartung dessen nähert man sich den Problemen der Fußballwelt vielleicht vorerst noch in einem vertrauten Dialog zwischen Fußballfrauen und -männern. Einen solchen dokumentiert das "LEBEN" der "ZEIT" in der bereits zitierten Ausgabe. Eine Politikerin namens Petra Roth befindet sich im Gespräch mit dem journalistischen Fußball-Experten Helmut Schümann, doch es ist nicht ganz klar, wer was sagt, aber das macht nichts:

- "(...) Zum Fußball gehören doch Herz und Leidenschaft.
- Romantisieren wir wieder ein wenig?
- Sie sind doch in Korea, im Land von Konfuzius ...
- ... ja, ja, der Weg ist das Ziel. Kennen Fußballer Konfuzius?
- Vielleicht die Koreaner. Hatten wir nicht vorher prophezeit, daß eine afrikanische Mannschaft in Europas Hegemonie einbricht? Liegt es wirklich am Heimvorteil, daß die Koreaner abgehen?"

Abgehen! - In ihrer Korea-Begeisterung und China-Geringschätzung lassen solche Sportexperten China noch nicht einmal den alten Konfuzius, sondern machen ihn zum Koreaner. Zu soviel Ignoranz und begleitendem Schwachsinn fällt einem nur ein, was sich der brain trust von Harald Schmidt einfallen ließ: "Die Deutschen unter den letzten zwei! Wo haben wir das zuletzt erlebt? Bei der Pisa-Studie!" Glücklicherweise sind die Deutschen nicht Weltmeister geworden.
 
 
[China - Hamburg]   [ChinaS]   [Schreibtisch-Notizen]   [Chinatexte]
Seitenanfang Hauptseite Suche & Archiv Impressum