Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 15
8. Februar 2002
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Zwei neue Lehrbücher: Chinesisch für Deutsche

Meistens dauert es lange Jahre, bis ein Buch ein Klassiker genannt werden kann. Das war anders, als Chao Jung-lang, seinerzeit Chinesisch-Lektor am Seminar für Sprache und Kultur Chinas der Universität Hamburg, 1976 sein Lehrwerk "Chinesisch für Deutsche" vorlegte. Es war seit Jahrzehnten das erste Lehrbuch für den Chinesisch-Unterricht, das eigens für den universitären Gebrauch konzipiert worden war. Davor hatte man sich mit in Peking oder an amerikanischen Universitäten erschienenen Lehrbüchern oder schlichten Unterrichtsmaterialien beholfen - nicht unbedingt förderlich für die Qualität des Chinesischunterrichts. Das "Chinesisch für Deutsche" setzte neue Standards und wurde in kurzer Zeit ein Klassiker für deutsche Sinologieanwärter. Es erlebte deshalb auch mehrere Auflagen.

Lehrbücher haben jedoch eine besonders kurze Halbwertzeit. Die Sprachen ändern sich schnell, die didaktischen Verfahren ebenso, und noch schneller verwandeln sich die Lernmentalitäten der Zielgruppen. Allmählich setzte das leuchtende Goldgelb auf den Umschlagseiten von "Chinesisch für Deutsche" Patina an.

Deshalb entschlossen sich Dr. Ruth Cremerius und Dr. Zhu Jinyang, die gegenwärtigen Chinesisch-Lektoren am jetzigen Asien-Afrika-Institut der Uni HH, eine Erneuerung zu wagen. Bald kamen sie überein, daß eine bloße Bearbeitung nicht ausreiche. Nach langwierigen Konzipierungen und Erprobungen im Unterricht liegen jetzt, Anfang 2002, zwei neue Bände vor. Geblieben sind nur der Titel "Chinesisch für Deutsche" und das Goldgelb des Umschlags. Sonst hat sich gegenüber dem Klasssiker alles verändert.

ruth cremerius: chinesisch für deutsche   zhu jinyang: chinesisch für deutsche

In 60 beziehungsweise 20 Lektionen auf mehr oder etwas weniger als 300 Seiten sind beide Lehrwerke auf die Sprachkurse abgestellt, die an sinologischen Seminaren angeboten werden. Ihr Ziel ist, zum Bestehen des offiziellen chinesischen Sprachtestes Hanyu shuiping kaoshi zu führen. Nachdem dieser vor einigen Jahren erstmals außerhalb von Ostasien in Hamburg erprobt wurde, gewinnt er auch hierzulande immer mehr an Bedeutung.

Schon seit Beginn dieses Wintersemesters unterrichten mehrere sinologische Seminare in Deutschland nach vorab übermittelten Lektionen des neuen "Chinesisch für Deutsche". Allem Anschein nach wird also auch dieses bald zum "Klassiker". Ein dritter Band, der eine Kurzzeichenversion von Band 1 bietet, ist gerade, am 4. Februar, erschienen.

Wie das jedoch so ist - kaum hielten die Verfasser die ersten gedruckten Exemplare mehr oder minder stolz in der Hand, entdeckten sie auch die ersten "Fehler". Keine schwerwiegenden sind das freilich, unvermeidlich ist derlei ohnehin, und anderen Benutzern werden weitere ins Auge fallen, aber für deren Ausmerzung ist dann eben eine nächste Auflage zuständig. Indes, beinahe jede Korrektur verursacht auch wieder neue Fehler.
 
 
 

Eine neue Doktorin: Anja Steinbauer

Eine jüngst vorgelegte Statistik zeigt, daß in den Jahren 1991 bis 2000 in ChinaS beziehungsweise ChinA 27 Sinologinnen und Sinologen zum Dr. phil promoviert wurden. Zählt man noch 3 Promotionen in der Koreanistik und 4 in der Thaiistik hinzu, dann ergibt sich die stolze Summe von 34. Das ist ein gutes Drittel aller Promotionen (106), die der ganze FB Orientalistik aufzuweisen hat. Die Afrikanisten und die Islamwissenschaften mit jeweils 15 Promotionen liegen auf Platz Zwei, dann folgt die Japanologie mit 14 Promotionen. Die anderen Fächer weisen zwischen 10 und 2 solch hochrangiger akademischer Abschlußprüfungen auf.

Am 17. Januar 2002 kam eine weitere Doktorin hinzu. Anja Steinbauer, die eine Doktorarbeit zum Thema "Tang Junyis System der neun Horizonte" vorgelegt hatte, beschäftigte sich mit einem der prominentesten Neukonfuzianer und versuchte, in dessen verschlungenes Gedankengebäude eine nachvollziehbare Ordnung zu bringen. In einer eindrucksvollen Disputation verteidigte sie an diesem Tage in Phil 707 ihre Thesen.

Vor ihr und noch im Jahre 2001, also nach dem Endjahr der angeführten Statistik, war es in der ChinA zu zwei weiteren Doktordisputationen gekommen:
- Yvonne Schulz Zinda hatte über das Thema "'Li' und 'Shi' als ontologische Antwort auf das Humesche Kausalitätsproblem innerhalb des Induktionsproblems in Jin Yuelins Werk 'Lun Dao'" geschrieben.
- Carsten Krause hatte über das Thema "Das 'Ch'eng-shih lun' - Aufnahme und Wirkung eines buddhistischen Textes im mittelalterlichen China von Kumarajiva (344-413) bis Chi-tsang (549-623)" gehandelt.
Viel Junggelehrtenschweiß und forschende Energie wird erforderlich gewesen sein, um bei solchen Themen zu Erkenntnissen zu gelangen - was allerdings auch diesen beiden in bemerkenswerter Weise gelang.

So erfreulich der Abschluß einer Promotion auch meistens ist - mit ein wenig Wehmut ist er gleichwohl verbunden. Die Betreuer der Arbeiten kannten die Kandidaten seit langen Jahren, manchmal sogar seit Beginn ihrer sinologischen Studien. Solche Zusammenarbeit geht dann mit der Promotion in der Regel vorüber, und oft zieht es die Promovierten aus den unterschiedlichsten Beweggründen in andere Gefilde als diejenigen der Sinologie. Viele Kleinigkeiten tauchen bei einer solchen Disputation aus den Tiefen der Erinnerungen auf. Dieses Foto zeigt beispielsweise Anja Steinbauer und ihre Freundin Claudia Tamme, als sie bei ihrer ersten Ostasienfahrt nach Abschluß des 4. Semesters eine Nacht auf dem T'ai-shan, Chinas heiligstem Berg, zubrachten. Im Jahre 1987 dürfte das gewesen sein, und augenscheinlich war der schon damals übervölkert.

anja steinbauer & c. tamme
 
 
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