Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 12
9. September 2001
China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 
         
 

Ab nach China

Ruhig ist es in diesen Tagen, Anfang September, im Seminar geworden. Täglich kommen zwar noch Besucher, meistens externe, die irgendwelche Anliegen haben und gar nicht überrascht zu sein scheinen, daß die universitären Dienstzimmer auch zu Ferienzeiten noch besetzt sind, und zwar auch an den späten Nachmittagen. Wenige Studis werkeln kürzer oder länger in der Bibliothek herum, die ohnehin nur alle zwei Tage für einige Stunden geöffnet ist. Demnächst wird sie eine Zeitlang ganz geschlossen werden müssen: Bauarbeiten. Dann öffnet sie wöchentlich nur ein, zwei Stunden für die Ausleihe von Büchern. Seminar- und Examensarbeiten wollen geschrieben sein.


Soviel Ruhe schafft die Voraussetzung dafür, den letzten Studi- Jahrgang, der am Ende des Sommersemesters sein Grundstudium abschloß, etwas genauer zu betrachten. 24 Personen absolvierten den Kursus "Hochchinesisch" im vierten Semester, davon nur 7 männlichen Geschlechts. Während sich vor einigen Jahren anzudeuten schien, daß die "traditionelle" Geschlechterverteilung von zwei Drittel weiblich/ein Drittel männlich sich allmählich ausgliche, ist bei diesem Kurs das Gegenteil der Fall. Allein 7 Teilnehmrinnen sind, wie die Namen verraten, chinesischer Herkunft - was "im Trend" liegt.

Unter diesen 24 befanden sich nur 3 Nebenfächler, von denen sich einer der Prüfung nicht stellte. Bei den verbliebenen 23 waren die Prüfungsergebnisse, mündlich und schriftlich, herausragend: neun Einsen, die meisten allerdings mit einem Minus versehen, und vier Zweien, von denen zwei andererseits mit einem Plus ausgestattet waren. - Nur drei bestanden die Prüfung nicht, und der Betrachter rätselt, warum gerade diese Studentinnen sich den sprachlichen Anforderungen als nicht gewachsen zeigten.

Der Vergleich mit der Abschlußstatistik des 3. Semesters zeigt erfreulicherweise, daß der Kursus sich in seiner Zusammensetzung kaum veränderte: Vier Abgänge, darunter zwei Nebenfächler, wurden durch zwei Neuzugänge halbwegs ausgeglichen.

Noch erfreulicher sind die Eindrücke, wenn dieser Kursus bis an das Ende des 2. Semesters zurückverfolgt wird. Damals, im Sommersemester 2000, hatten sich 37 Teilnehmer der Abschlußprüfung unterzogen, davon 22 Hauptfächler. 28 bestanden diese Prüfung, 18 Hauptfächler darunter, und von den mit "nicht bestanden" eingestuften wiederholten einige zu Beginn des 3. Semesters diese Prüfung und konnten den Sprachkurs fortsetzen. Im dritten Semester wies dieser Sprachkurs dann trotzdem 10 Teilnehmer weniger auf als im zweiten. Der Grund war ein naheliegender: Alle Nebenfächler hatten am Ende des 2. Semesters die für sie vorgeschriebenen sprachlichen Mindestanforderungen bewältigt und versagten sich die Fortsetzung der Chinesisch-Strapazen.

Dieser Kursus im Hochchinesischen hat sich also als erstaunlich stabil erwiesen, was für eine gute Studienmotivation und ein entsprechendes Engagement spricht. Das wird dadurch bestätigt, daß die meisten Teilnehmer im 3. und 4. Semester auch den parallelen und überaus anstrengenden Kursus im Klassischen Chinesisch absolvierten, einige Proseminare dazu. Jenseits von allen persönlichen Eindrücken erfreulicher Art -im Hinblick auf das Studienverhalten- hat sich dieser Jahrgang als überdurchschnittlich engagiert erwiesen.

Inzwischen sind die meisten von diesen Zwischenprüflingen nach China aufgebrochen, oder sie rüsten sich für eine solche Reise. Das sei ihnen vergönnt - verbunden mit dem Wunsch, daß sie angesichts dortiger Eindrücke und Erlebnisse an Motivation noch gewinnen und sich nicht durch kleine Beschwerlichkeiten und Verdrießlichkeiten enttäuschen lassen..

 
 
 

Der Schlaf und das Alte China

Der Nationalweise Konfuzius wäre mit vielen heutigen Bewohnern seines Landes gar nicht zufrieden gewesen! - Dr. Antje Richter, Wissenschaftliche Assistentin bei den Sinologen der Universität Kiel, zeigte jedenfalls zu Beginn ihres HSG-Vortrags "Das Bild des Schlafes in der altchinesischen Literatur", am 30. August im Hörsaal K des Hauptgebäudes der Universität Hamburg, eine stattliche Folge von Dias, die Gegenwartschinesen bei ihren gewohnten Tagesschläfen zeigten - in den staunenerweckendsten Formen.



Konfuzius hingegen hatte einen seiner Schüler wegen eines solchen Nickerchens moralisch abqualifiziert. Schlaf galt ihm und seiner Lehrtradition als versäumte Gelegenheit, sich der moralischen Selbstvervollkommnung beziehungsweise dem Wohl der Gesellschaft zu widmen. - Auf diese und andere Haltungen im Alten China gegenüber dem Schlaf ging Dr. Richter in ihrem Vortrag ein, manchmal skizzenhaft, manchmal ausführlicher. Ihr Vortrag beruhte nämlich auf ihrer Doktorarbeit, die noch in diesem Jahr in den "Hamburger Sinologischen Schriften" erscheinen wird. Der Vortrag schon war spannend, noch anregender dürfte dieses Buch werden.

Manchmal scheint allerdings auch Konfuzius geschlafen zu haben. Berühmt ist schließlich sein Seufzer, schon lange sei ihm nicht der Herzog von Chou im Traum erschienen, sein Musterbild eines Staats- und Menschenlenkers. Und das erinnert an jenen chinesischen Witz, der wenigstens 500 Jahre alt ist:

Ein Lehrer war vor seiner Klasse eingenickt. Als er erwachte, rechtfertigte er sich angeberisch gegenüber seinen Buben: "Mir ist gerade der Herzog von Chou im Traum erschienen."
Am nächsten Tag döste einer seiner Schüler ein. Durch einen kräftigen Stockhieb weckte ihn der Lehrer. "Auch mir ist der Herzog von Chou im Traum erschienen, " stammelte der Schüler. "Und was hat er dir gesagt?" - "Daß er Ihnen nicht erschienen ist, Herr Lehrer", wußte der gewitzte Bursche zu antworten.

Auch sonst hat die chinesische Tradition, die so sehr "konfuzianisch" nie war, manchen Schabernack mit ihrem "weisen Meister" getrieben. Viele ihrer alltäglichen Verhaltensweisen waren eher "taoistisch", und natürlich hatten die Taoisten des Altertums auch eine andere Meinung über den Schlaf, auch den am Tage, als Konfuzius. Hierüber wird dann in dem Buch von Antje Richter mehr zu lesen sein.

 
 
 

Hamburger Sommer für Taiwanesen

Im August 2001 veranstaltete die ChinA im Rahmen der "summer school" der Universität HH erstmals einen Deutschkurs für Chinesen - als Versuch. Aus unterschiedlichen Gründen erfreuen sich Deutsch-Kurse an einigen Hochschulen der VR China und der Republik China auf Taiwan neuerdings einiger Beliebtheit. Diesen Interessenten könnte die Möglichkeit geboten werden, ihre bisher erworbenen Kenntnisse in Deutschland zu vertiefen und ihnen zugleich erste wirklichere Einblicke in das Land dieser Sprache zu vermitteln. - Einer ersten Erkundung dieser Möglichkeiten sollte dieser Versuch dienen.

22 Studenten (zehn männlich, zwölf weiblich) einer taiwanesischen Universität hatten sich für diesen Kurs angemeldet. Ihre dortigen Studienfächer reichen von Maschinenbau bis Geschichte, was zugleich einen Einblick in ihr Interesse an der deutschen Sprache zuläßt. Die Kursgebühr betrug 2.500 Mark, sie deckte alle hier anfallenden Unkosten ab.

Im Vergleich mit anderen Sprachkursen dieser Art wies der Hamburger Sommerkurs einige Besonderheiten auf: Ausgebildete Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache von der Uni HH unterrichteten wochentags täglich drei Stunden. Dem schloß sich dann eine Stunde ergänzenden und erläuternden Unterrichts in der chinesischen Muttersprache an, durch den Unsicherheiten und Unklarheiten beseitigt wurden. Diesen Teil nahm Dr. Jinyang Zhu von der ChinA wahr. Wochenendausflüge nach Lüneburg, Schleswig und Berlin und weitere kulturelle Angebote befreiten dann vom Paukstreß. Als überaus positiv stellte sich heraus, daß jeweils zwei Teilnehmern eine deutsche Tutorin zugesellt wurde oder auch ein Tutor - naheliegenderweise Studierende der Sinologie. Hierdurch wurde eine Kommunikationsebene geschaffen, die Scheuklappen im ungewohnten kulturellen und akademischen Umfeld gar nicht erst aufkommen ließ.

Die Gäste aus Taiwan und ihre hiesigen Lehrer waren am Ende von der Aufgeschlossenheit und dem Lernerfolg dieses Kursus angetan. Vielleicht trug ein wenig auch dazu bei, daß der August in HH sich überwiegend freundlich zeigte.

 
 
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