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Deutsche Chinatexte
 

Pfirsichblüten kontrovers

Der dritte Monat ist nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender auch der Monat der Pfirsichblüten. Vieltausendfach rühmen Bilder und Gedichte, Prosatexte ebenfalls, deren Schönheit. Auch gegensätzliche Auffassungen lassen sich jedoch erkennen:

Aus Tu-nü chi, "Aufzeichnungen über eifersüchtige Frauen":

Eine Frau aus Li-yang, die den Juan Hsüan-wu geheiratet hatte, war überaus eifersüchtig. Bei dessen Haus stand ein einzelner Pfirsichbaum, dessen Blüten und Blätter dermaßen prangten und leuchteten, daß er vor Bewunderung darüber seufzte. Da packte sie eine große Wut. Sie wies eine Dienerin an, ein Messer zu holen und den Baum zu fällen. Sie zerriß und zerfetzte alle seine Blüten.

Das "Aufzeichnungen über eifersüchtige Frauen" ist ein lange verlorengegangener Text. Das I-wen lei-chü, "Nach Gattungen geordnete Sammlung literarischer Texte", des Ou-yang Hsün (557-641) überliefert einige Fragmente.

Li Meng-yang:

 

"Lieder der 'Mitternacht' in den vier Jahreszeiten"

Mit meiner Freude tändelte ich unter dem Pfirsichbaum -
im Herzen gleich, nach Wesensart verschieden.
Meine Freude liebt die Schönheit der Pfirsichblüte;
ich wünsche mir, daß der Pfirsich Früchte bekommt.

Tzu-ye, "Mitternacht", hieß im 4. Jh. angeblich eine Dienerin, unter deren Namen kurze, kecke Liebesgedichte im Volkston verbreitet wurden. "Freude" nennt sie öfter ihren Liebhaber, und das Genre dieser Verse wurde von späteren Dichtern öfter aufgegriffen. (Vgl. hierzu "Mitteilungen der Hamburger Sinologischen Gesellschaft" Nr. 6: "Lieder der Mitternacht".)

Li Meng-yang (1473 bis 1529) zählt zu den herausragenden Literaten seiner Zeit. Eine unbedeutende Amtskarriere und ein wechselvolles Geschick, verbunden mit mehreren Gefängnisaufenthalten, kennzeichnen sein Leben. In seinen Überlegungen zur Dichtkunst wies er nachdrücklich auf die Bedeutung der Volksdichtung hin.

 
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