Hamburger China-Notizen: zum Anfang Nr. 1 China-Hamburg jetzt und einst ChinaS jetzt und einst ChinaS
jetzt und einst
Notizen von einem nächtlichen Schreibtisch Deutsche Chinatexte
 

Im Wechselspiel der Geschichte

Pünktlich zum 3. März 2000 legte der für seine vorzüglich gestalteten Bücher ausgezeichnete Hamburger Verlag Christians seine jüngste Hamburgensie vor - über die 100jährige Geschichte des Ostasiatischen Vereins. Professor Dr. Bernd Eberstein vom ChinaS hatte sie verfaßt.

Knapp 300 Seiten wurden das, von denen zwei Drittel der Geschichte dieser bedeutenden Chinainstitution gewidmet sind. Die nachfolgenden gehören der Gegenwart dieses "Vereins der Hamburger Ostasienkaufleute" und einigen Anhängen. Wechselvoll war seine Geschichte. Die Kapitelüberschriften reichen denn auch von "Das Ostasiatische Liebesmahl" über "Wie der Hagelschlag ins Kornfeld" bis zu "Die ostasiatische Krise", und Ausblicke in die Zukunft fehlen ebenfalls nicht. Die Texte verraten viele Einzelheiten oder deuten sie zumindest an.

Bernd Eberstein mußte für dieses Buch zahlreiche Gespräche führen und gewaltige Mengen von Archivmaterial sichten, bevor er diese Einzelheiten in die größeren historischen Abläufe einordnen und sie darstellen konnte: als Historiker und Erzähler zugleich. Beinahe auf jeder Seite begleiten Abbildungen seinen Text.

 
 

Ein Blick in eine Studentenstatistik

Im Wintersemester 1999/2000 waren an der Universität Hamburg 201 Studenten für das Studium der Sinologie am Seminar für Sprache und Kultur Chinas eingeschrieben. Für den Studiengang Sinologie I (Sprache und Literatur) waren das 109, für Sinologie II (Staat und Gesellschaft) 92. Zehn von ihnen bereiteten sich schon auf eine Promotion vor, also waren 191 für die Magisterstudiengänge immatrikuliert.

Der Computerausdruck dess Studentensekretariats vermittelt trotz der Kargheit seiner Zahlenkolonnen interessante Einblicke. Einen grundlegenden, der auch für zahlreiche Diskussionen in der Öffentlichkeit aufschlußreich ist, vermittelt allein schon eine erste Aufschlüsselung nach den Semesterzahlen:

67 Studenten sind für das Grundstudium (1. bis 4. Semester ) in beiden sinologischen Studiengängen eingeschrieben. Ein Magisterstudium der Sinologie dauert am ChinaS nach Erhebungen über die letzten zwanzig Jahre im Durchschnitt etwas mehr als zwölf Semester, einen meist einjährigen Chinaaufenthalt eingeschlossen. Für diese Hauptstudienphase, die hier deshalb vom 5. bis zum 12. Semester gerechnet wird, waren ebenfalls 67 Immatrikulierte verzeichnet. Verblüffend hoch ist dann die Zahl der Langzeitstudenten: 57.

Den Rekord hält ein Studiosus - mit 39 Semestern! Ein Beratungsgespräch mit ihm, das für Langzeitstudenten neuerdings verpflichtend ist, erbrachte eine verblüffende Einsicht: Er will jetzt mit den Sprachkursen für Anfänger ernst machen. - Hiervon war allerdings abzuraten.

In einem Seminar dieser Größenordnung kennen die Lehrkräfte ihre Studenten. Ein entsprechender Abgleich führte zu erneuter Verblüffung: In allen drei Gruppen sind zahlreiche Namen von Studenten den Lehrenden unbekannt. Sie haben entweder nie das Lehrangebot angenommen oder das Studium vor vielen Jahren abgebrochen, bleiben aber trotzdem immatrikuliert. Ein Wechsel in ein anderes Studienfach ist unwahrscheinlich. Im ChinaS machen diese "stummen" oder "verstummten" Studenten ungefähr 25 % der Gesamtzahl aus. Vielleicht lassen sich ihre Hintergründe demnächst enträtseln.

Sollte es an anderen Seminaren anders sein, zumal an den größeren, an welchen kaum jemand die Namen aus einem Computerausdruck mit Gesichtern verbinden kann? Vergleichbare Erhebungen können also nicht ohne weiteres vorgenommen werden. Schon dieser kleine Einblick erweist jedoch, daß alle Studentenstatistiken, die in öffentlichen oder universitären Diskussionen stehen, nur in erheblich eingeschränkter Weise die Realitäten wiedergeben.

Weitere Beobachtungen zur Studentenstatistik des ChinaS wird der "Jahresbericht 1999" der Hamburger Sinologischen Gesellschaft enthalten. Er erscheint im April 2000.

 
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